Oder – FCK Euren Anspruch – nu auch als „Read out
Loud“-Podcast:
Nach Sandhausen war ich noch wütend. Nach Darmstadt bedient und
nach Nürnberg einfach leer und traurig. Die Mannschaft des Jahres
2021 hat ihren Beat, ihren Lauf, ihren Samba nicht in das
Frühjahr herüber raven können; ist als Herbstmeister (dem HSV
folgend ;)) unter die Räder gekommen, immer stummer geworden.
Keiner wollte sie mehr tanzen lassen (und am Ende konnten die
einen oder anderen im Kader und drum herum auch nicht mehr
harmonieren, sondern wie ihre Gegner: einfach nur stören) – hier
bitte lauten Schrummelrock vorstellen.
Ich habe meinen Frieden gemacht: mit der Saison, mit dem
Nichtaufstieg (wer-weiss-wozu-es-gut-ist.de), mit dem
wahrscheinlichen Abgang von Kyreh und anderen. Selbst mit der
Nachspielzeit an sich. Nur mit den Nörglern, den
Besserwisserinnen (die Schulles Team Ratschläge für besseres
trainieren um die Ohren hauen) und ihrem Anspruch an eine
Leistung, die dem einen oder anderen wundersam zuzustehen
scheint. Mit euch fällt es mir schwer, mich zu arrangieren.
Ihr erinnert mich an die Eltern, die in der E-Jugend am Rand
stehen und alle lauter schreien als die Kinder und ihre Trainer.
Ihr erinnert mich an die Vordrängler am Flughafen, die noch
schnell ihre Business-Class erreichen müssen, an die
Eichstrich-Pedanten, die notorisch weniger bekommen, als ihnen
zusteht – und es allen um sie herum lauthals mitteilen.
Ihr seid der „We are the Champions“-Gröhler (im besten Fall) oder
die „Tage wie dieser“-Singer, die bei dem Text der Millionarios
aus Düsseldorf nickend mitsingen – so einverstanden sind sie mit
ihrem kapitalistischen Schicksal, in dem Fußballer zu „delivern“
haben, zu „performen“. Die moderne Form des Grasfressens und
Arschaufreissens. Fehlt noch ein gejohltes „St. Pauli eins,
Nürnberg NULL“ – ok, jetzt gehe ich zu weit – aber ihr wisst, was
ich meine, oder?
Geht es denn auch eine Nummer kleiner? Sinnvoller statt
erfolgreicher?
„Fußball ist ein Ergebnissport“, zitieren sie dann (ja auch
Schulle, dem verzeihe ich das aber gerade noch). Ja?, für die
anderen ist der das. Ist er das auch für euch, für unser St.
Pauli?
Spielt es eine Rolle, dass wir in der ersten Liga ein Dutzend
Millionen Euro mehr verdient hätten? Hätten wir nicht zwanzig
ausgeben müssen, um uns dort auch zu halten? Wollt ihr das
Monopoly von Katar und Abramovich wirklich mitspielen?
Ist euch denn nicht klar, dass vom Traum Europa zu singen eine
Hommage ist? An die zweite Bundesliga?, in der wir noch diesen
kleinen Faden zu spinnen in der Lage sind, unseren Verein, das,
was wir für richtig halten mit dem Rasen und dem so genannten
Profifußballer drauf zu verbinden?
Ob das noch lange gut geht? Wer weiss, vielleicht nicht. Aber ist
nach oben, immer mehr Budget, immer mehr Erfolg die richtige
Antwort?
Immer mehr … ja, das möchte ich auch – immer mehr vom Anderen
Ihr fordert immer mehr. Immer mehr Erfolg. Dabei seht ihr nicht,
wie ähnlich eure Mosereien sich anhören zu denen von Unionern, ja
selbst von Dortmundern. Dabei hätten letztere doch (sportlich)
allen Grund superzufrieden zu sein (ok, politisch geht da noch
einiges, das meine ich aber hier nicht). Sie sind es aber nicht:
zufrieden. Im Gegenteil. Auch dort gibt es diese Menschen, die in
ihrem echten Leben die Arbeit anderer optimieren oder Profite
anderer maximieren und dann in einer Art Stockholm Syndrom
dasselbe von gerade flügge gewordenen Bubis verlangen. All ihre
Sehnsüchte auf ihren Verein projezieren: kommt Dir das vertraut
vor?
Ich möchte das nicht.
Ich will mehr!
* … mehr Diversität: mehr Kunst, mehr Konzerte, mehr Kultur.
* … mehr Ideen, wie man den modernen Fußball anders machen kann
(von der Spielergenossenschaft bis zur eigenen Liga)
* … mehr Bambule ggü der DFL und dem DFB (und wenn wir schon
dabei sind auch der UEFA und der FIFA, dem korrupten
Schiethaufen!)
* … mehr Internationale Solidarität statt Speckgürtel mit
Reihenhaus
Und wenn das nicht in der Bundesliga geht?, meinetwegen. Aber
verschont mich mit euren Ansprüchen. Oder wie M. sagen würde:
„geht doch zum HSV!“ (Sorry; das musste aber mal raus)
„Es geht nicht um das Ergebnis, sondern um das Tun“, hat Metalust
einst in sein Blog geschrieben. „Wer mag schon ungebrochene
Helden“?
Loser aller Länder vereinigt euch, machen wir den Fußball wieder
schön und anders. Ein grandioses Scheitern rollt eine Menge
Lebensenergie vor sich her. Lasst euch inspireren, singt doch was
ihr wollt, nur keine Siegerlieder.
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