Der Temperaturunterschied in der zugigen Ecke des
Millerntorstadions, unsere bevorzugte Ecke der Nord vis-a-vis zur
Gegengeraden, war um den Faktor eines Hochsommertages wärmer als
beim letzten Heimspiel. Während ich meinen Nebenstehern gegen den
HSV zuschauen konnte, wie das Bier in den Bechern gefror,
schickte der Atlantik geradezu milden Nieselregen aus Westen ins
angefeuerte Rund.
Zu Gast waren die Freunde aus Bremen, allerdings lehnen diese
gerade mit uns und auch mit ihren Rücken an der Wand; ein Sieg
war für die Bremer Pflicht. Für unsere Boys das erst einmal
leichteste machbarste Heimspiel auf längere Sicht.
Das “Spitzenspiel der zweiten Liga”, wie Markus
scherzte, war dann auch keines. Die beiden Mannschaften schoben
mit einer Menge Angst in der Büx sich gegenseitig in den
ungefährlichen Dritteln den Ball hin und her - wobei der SV
Werder zwischenzeitlich nur mit sich selbst spielte, bei 70%
Ballbesitz.
Nur logisch, dass sich die Nervosität auch auf die beiden
Torhüter auswirkte. Nach der Pause köpfte Hauke Wahl eine
Rückgabe zum Bremer Torwart, die allerdings immer länger wurde,
sodass der junge Bremer zwar seine Fingerspitzen aber nicht
seinen Körper vor den Ball bekam. Ein Slapstiktor zum 1:0; egal,
Hauptsache die Führung.Seinen eigene Slapstickdance vollführte
dann Vasilj, der bei dem Versuch, eine Ecke zu entschärfen,
ausrutsche und den Ball vor die Füße der eigenen Abwehr
bugsierte. Wahl und Co. dengelten dann ziemlich Hektisch den Ball
erst aneinander, dann Vasilj aus den zupackenden Händen.
Milosevic musste für die Bremer dann nur noch volley einschießen,
zum 1:1. …
Oh, Moment, Willi ist im Studio … ich schalte rüber in
die Schanze …
Krokusse, Punkte und Barfuß-Explosionen: Ein Abend mit Willi und
Erik nach zwei Siegen in Folge
Chapters
0:41 Frühling in Hamburg
3:37 Heimspiel gegen Werder Bremen
4:51 Spieler im Abstiegskampf
8:44 Emotionale Explosion von Fujita
10:37 Torwartleistungen im Fokus
17:11 Der Kampf um den Klassenerhalt
29:55 Teambuilding und Erwartungen
35:39 Trainerwechsel und seine Auswirkungen
40:01 Der Einfluss der Fans
56:14 Unterstützung der Kulturszene
1:02:28 Ausblick auf das Spiel gegen Frankfurt
Von der Elbe weht ein Wind, der nicht mehr nach Winter
schmeckt. Während draußen der Hamburger Frühling die Natur
wachküsst, sitzen zwei Männer zusammen, die eigentlich über
Fußball reden wollen – aber dabei viel mehr über das Lebensgefühl
am Millerntor verraten.
Ich sitze in der Ecke, die Luft riecht nach frisch dekantiertem
Wein und der leichten Aufregung, die immer dann mitschwingt, wenn
der FC St. Pauli plötzlich anfängt, die Gesetze der Logik zu
biegen. Willi und Erik sind keine Analysten in sterilen Studios;
sie sind Chronisten einer Stimmung.
„Moin, moin“, schallt es durch den Raum. Es ist dieser typische
Hamburger Doppelschlag, der alles gleichzeitig ist: Begrüßung,
Bestandsaufnahme und ein Versprechen auf die nächsten sechzig
Minuten.
Die Natur explodiert – und die Boys in Brown auch
Willi hat Erik ein Foto geschickt. Keine taktische Aufstellung,
sondern Veilchen. Oder waren es Krokusse? „So explodierende
Natur, die sich nach dem Winter den Weg nach oben gekämpft hat“,
beschreibt Willi es. Es ist die perfekte Metapher für diesen
Verein. Lange war es frostig, doch jetzt, im März 2026, bricht
alles auf einmal durch den Asphalt.
Erik lacht und erzählt von seiner Radtour am Morgen. Vier Grad,
da musste er sich noch eine „Pereira-Lage“ überziehen. Ein
kleiner Insider, eine Anspielung auf die Schichten, die man
braucht, um in Hamburg zu überleben – sportlich wie
meteorologisch. Doch die Kälte ist vergessen, wenn sie auf Joel
Fujita zu sprechen kommen.
Der Barfuß-Moment
Fujita ist das Gesicht dieses Aufschwungs. Erik bringt es auf den
Punkt: „Barfuß wie Joel Fujita.“ Es geht um diese emotionale
Explosion, um die Rückkehr von Schlüsselfiguren wie Eric Smith
und Jackson Irvine, die dem Team ein Rückgrat geben, das im
Abstiegskampf fast schon verloren schien.
Es herrscht eine fast ungläubige Freude darüber, dass der Verein
plötzlich entdeckt hat, dass es auch außerhalb der Stadtgrenzen
Hamburgs Punkte zu holen gibt. „Das war unserem Verein ja gar
nicht bewusst“, scherzt Willi mit diesem trockenen Humor, den man
nur hat, wenn man schon zu viele bittere Auswärtsfahrten hinter
sich hat.
Zwischen Taktik und Subkultur
Die beiden hangeln sich von Thema zu Thema. Es geht um
Torwartleistungen, den Kampf um den Klassenerhalt und den
Einfluss von Trainerwechseln. Aber ein St. Pauli Podcast wäre
nichts ohne den Schwenk zur Kultur. Plötzlich landen wir im
Westwerk, bei Konzerten und der Band Stone Foundation
(hingehen!).
Das ist das Faszinierende an diesem Gespräch: Der Ausblick auf
das schwere Spiel gegen Frankfurt wird genauso leidenschaftlich
diskutiert wie die Frage, welches DJ-Set man vor dem nächsten
Konzert mitnehmen sollte. Es ist eine Symbiose aus Kiez-Kultur
und Profisport.
Der Blick nach vorn
Während sie über das kommende Spiel am Freitag, den 13. gegen
Gladbach sinnieren, spürt man: Die Angst vor dem Abstieg ist
nicht weg, aber sie wird von einer Welle der Euphorie überlagert.
Die Fans, die treue Gemeinde am Millerntor, sind bereit.
Willi und Erik packen ihre Sachen. Draußen wartet der Hamburger
Frühling. Die Natur kämpft sich nach oben – und die Boys in Brown
tun es ihr gleich. Wer braucht schon Barfuß-Wetter, wenn man
Fujita hat?
Get full access to St. Pauli POP at
stpaulipop.substack.com/subscribe
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.