Es gibt Spiele, da weiss man gar nicht, was man dazu sagen oder
bloggen soll.
https://stpaulipop.myspreadshop.de/
Irgendwie war die Niederlage so in sich abgeschlossen, und banal.
Ein vollkommen zurecht verlorenes Spiel. Eines von 13 Endspielen,
die Alex Blessin vor Wochen ausgerufen hatte. Und nu? Endspiel
verloren. Melden wir uns vom Betrieb ab? Natürlich nicht; auch
wenn das mal konsequent wäre.
Hoffe, man sieht ein, dass die Endspiel-Metapher ziemlich doof
war. War doch offensichtlich, dass so ein Spiel kommen würde.
Nach den Siegen gegen Stuttgart und Werder, nach der
Energieleistung gegen die Eintracht, hat vielleicht der Eine oder
Andere im Kader gedacht, es ginge gegen die andere Borussia, die
Tabellennachbarin, mit ein wenig weniger Kampf, diesem Kämpfen an
dessen Ende Krämpfe warten - und vielleicht, so war die
unbewusste Hoffnung, reichts irgendwie für einen Punkt auswärts.
Keine 120%, keine Punkte
Ich habe das Spiel über die App meines Arbeitgebers gesehen (so
konnte ich mir nachher wenigstens einreden, ein wenig getestet zu
haben). Die hat den englischen DFL Originalkommentar eingebaut.
Wie Eric Smith und später auch Hauke Wahl, ausgerechnet Hauke
Wahl, verteidigt haben, bekam den passenden wie unschönen Namen
“Lazy Defending” oder “Sloppy
Defending”. Englisch passt manchmal Mic-drop-mäßig gut.
Natürlich gab es eine Diskussion in unserer POPcast-Signalgruppe
nach dem Spiel.
Alfetta bemerkte, es sei augenfällig, dass der Blessin-Ball (in
Anlehnung an sein Gegenteil, den Walter-Ball) taktisch auf die
Null spielt. Wenn wir dann irgendwie das 1:0 schießen, dann
kommen am Ende Ergebnisse wie gegen Hoffenheim (ideal gelaufen),
Bremen (auch da fiel das 1:0 für uns) oder wenigstens gegen die
Eintracht heraus (0:0). Wenn wir allerdings den ersten Treffer
kassieren, hat dieses Team, dieser Trainer, dieser Kader keine
Antwort parat. Und das schon die ganze verdammte Saison lang.
Kassieren wir das 0:1, können wir das jeweilige Endspiel
abpfeifen.
Das ist hart, aber die Realität.
Mir tat es weh, mitanzusehen, wie Jackson nach einem der vielen
Fehlpässe dem Gladbacher Mittelfeldspieler beinahe hinterher
humpelte, die Schultern nach unten hängend, ohne Spannung im
Körper - ohne Zuversicht. Bei Eric Smith kenne ich das nicht
anders diese Saison. Er wirkt wie ein Schatten seiner selbst, nur
das - inzwischen überheblich wirkende - abkappen der Füße beim
Pass erinnert an seinen großen Kampfesmut mit Überblick, die uns
alle im Podcast-Team zu Fans hat werden lassen.
„Wir laufen dann dem Ergebnis hinterher, öffnen Räume und hätten
am Ende auch wieder drei, vier Gegentore bekommen können. Das ist
frustrierend, weil es mich an den Oktober erinnert.“ - sagt
Jackson Irvine.
Wir haben dasselbe Spiel gesehen.
„Ein Mangel an Konzentration, ein Mangel an Überzeugung… wir
haben heute keinen Biss gehabt. Das war wirklich richtig schwach
und wir müssen nächste Woche sehr viel besser sein.“ sagte Irvine
ggü der Mopo und schloss: „Wir sahen aus wie das
strauchelnde Team, das wir vor Monaten waren, das ärgert mich am
meisten.“
Ja, das kam auch bei mir so an. Wenig Energie, kein gutes Timing
in Zweikämpfen und Pässen - vor allem da wo es eng wird, im
letzten Drittel. So kann man kein 0:1 aufholen. Wenn der Mut
fehlt, das zu tun, was Gladbach bei uns abgeschaut hat: mutiges
und energisches Forechecking (ja, so nenne ich das immer noch :).
Alfetta verortet uns nach Gladbach einen Tabellenplatz zu hoch;
diesen Relegationsplatz zu verteidigen, ist die Losung der
nächsten Spiele. Denn auch Konkurrent Wolfsburg parkt unter
Hecking gerne Busse vor seinem Strafraum. Spannend zu sehen, wenn
die Taktik aufgeht, wer dann im wirklichen Endspiel am Millerntor
als erstes sein Kämpferherz entdeckt.
Aber bis dahin gibts ja noch sieben Endspiele - und der hsv
erlebt auch noch einen Frühling ;)
“Nolympia” - St. Pauli und die Olympiabewerbung Hamburgs
Als ich die vergangene Woche zu meinem Hamburg Newsletter
recherchierte, fiel mir natürlich das Thema “Olympia
Hamburg” vor die Füße. Wie äußert sich da der Verein
eigentlich zu?, habe ich mich gefragt; aber nicht viel
Erhellendes gefunden. Oke ist dafür (muss er wohl auch aus
stadtpolitischen Gründen, immerhin wollen wir unser Stadion
ausbauen und die Kollaustraße, da brauchen wir das Wohlwollen der
Mächtigen), der Verein selbst hat keine Meinung - zumindest keine
öffentliche, keine abgestimmte. In einem Laden, in dem jeder Pups
vorher genehmigt werden muss, heißt das vielleicht, dass die
Nolympia-Fraktion groß ist?
Obige Umfrage ist zwar marktforscherisch nicht sauber, aber für
unsere Follower im Fediverse schon eingermaßen eindeutig. Und ich
vermute, so sehen das viele im FCSP und im Viertel:
92% von immerhin knappp 50 Teilnehmenden sind gegen
Olympia in Hamburg. Und das bin ich auch.
Meine Gründe sind vielfältig, aber im Kern reduziert es sich auf
die Frage: Traue ich diesem Senat eine ehrliche schwarze
Null zu? Meine Antwort dazu in a nutshell:
Nein, denn …
* Wer schon bei der ersten Vorstellung des Finanzplans schummelt
und bspw. Milliarden für die Sicherheit rausrechnet …
* Wer die Parole von den “nachhaltigen Spielen in Paris 2024”
nachplappert, wider besseren Wissens …
* Wer sich schon bei der Elbphilharmonie um den Faktor 11!
verschätzt hat …
dem vertraue ich nicht. (Und da habe ich die traditionell guten
Filzdecken zwischen Immobilienwirtschaft und SPD noch gar nicht
aufgedröselt oder das Gezerre um das neue HSV Stadion, das
Olympia (also wir alle) dem Vorstadtklub schenken sollen)
* Details zu Paris 2024 findet ihr in der aktuellen Ausgabe des
Ring2 Hamburg Logbuchs
Was war sonst noch?
* Manchmal treffen Tapeten des Stadtnachbarn ja voll ins
Schwarze, so wie einst der Doppelhalter beim 1. Derby am
Millerntor: “Nach dem Spiel auf einen Galao in der Schanze?” -
fand ich gut. Eine Neuauflage des beliebten Chants “McDonalds,
St. Pauli und die CDU” gabs zuletzt am Volkspark zu bestaunen:
“St. Pauli - Fritz Kola und die CDU” - ist auch
lustig.
* Unsere U23 liegt nach dem 0:5 zuhause gegen
Schöningen abgeschlagen und mit nun fünf Punkten auf einen
Relegationsplatz am Kellerboden. Trotz Nemeth und Hara im Spiel
schafft diese Mannschaft es nicht, eine zu sein. Wenn die U23
absteigt ist das strategisch eine Katastrophe. Für die schon
schlecht funktionierende Jugendarbeit ist ein komplettes
Abreissen zur Profimannschaft (mehr als 3 Ligen Unterschied)
fatal.
* 20% Rabatt auf alles außer … Ich habe es
endlich geschafft, meinen tollen Abonnent:innen ihre St. POP
Tassen einzupacken. Willst du auch stilvoll deinen Spieltagskaffe
trinken? Dann abonniere uns - oder kaufe dir direkt deinen
Lieblingsmerch in unserem Shop:
https://stpaulipop.myspreadshop.de/
Get full access to St. Pauli POP at
stpaulipop.substack.com/subscribe
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.