Was macht man am besten, um eine uninspirierte und
vorhersagbare (gefühlte) Niederlage des FC St. Pauli zu
verarbeiten? Man geht am Sonnabend zum Fußball, sich andere
Hamburger Klubs beim Abstiegskampf anschauen.
Einige von euch waren beim SV Werder und kamen mit zwiespältigen
Gefühlen zurück. Willi und ich schauten beim Altonaer FC von 1893
vorbei - und sahen nicht nur einen Heimsieg, sondern
Abstiegskampf, wie er sein sollte, mit Herz und Kraft bis zur
letzten Minute - auch die Musik und das Bier im Stadion waren so
sehr viel besser, dass wir uns aufgeladen fühlen, wie es einst
auch der FC St. Pauli konnte, bevor er Alex Blessins
Brausefußball zum Opfer gefallen ist. ;)
Chapters
0:40 Willkommen bei St. Pauli Pop
6:56 Über die 1-0-Falle
9:09 Trainer und Taktikfragen
13:10 Altona 93 im Fokus
18:06 Live aus Altona
21:42 Ein Punkt für St. Pauli
24:54 Das Spiel gegen Köln
31:37 VAR-Diskussion
36:50 Nostalgie am Stadion
1:03:15 Olympiabewerbung Hamburgs
1:05:27 Schlussfolgerungen und Ausblick
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Wer 1:0 führt - ein Muster:
Der FC St. Pauli punktet in 80% der Fälle, in denen er 1:0 in
Führung geht - das ist die gute Nachricht. Allerdings gewinnt er
nur, wenn er noch ein Tor nachlegt. Und auch dann beginnt im
Schnitt ab Minute 64 das Zittern.
„Natürlich kann man darüber reden, dass wir nach dem
Führungstreffer nicht mehr die Ballzirkulation hatten und nicht
mehr in die Räume gekommen sind, um den Ball zu halten und für
Entlastung zu sorgen. Trotzdem glaube ich, dass der Matchplan
über 90 Minuten gut war“ - Hauke Wahl mit Stockholm Syndrom
Neuerdings stellen die Boys in Brown das Vorwärtsverteidigen beim
1:0 Null ein, und reden es sich auch noch schön. Dabei zeigen die
Spiele gegen Freiburg, Union und nun gegen Köln eindrucksvoll:
die Boys können es nicht, ein 1:0 verteidigen.
Die 60-Minuten-Marke: Das kritische Fenster ist
die Zeit zwischen der 60. und 75. Minute. Hier fallen die meisten
Gegentore nach eigener Führung. Wenn Blessin (Trainer) hier nicht
durch Wechsel stabilisiert, wird es wackelig.
Heimsiege nur nach 2:0 Führung: Gegen Augsburg,
Heidenheim, Stuttgart, Werder Bremen und Wolfsburg hieß es am
Ende jeweils 2:1.
Das Muster: St. Pauli erzielt oft kurz vor der
Pause das 1:0 (Saisonschnitt: 44. Minute). Die emotionale Wucht
des Stadions trägt sie oft zum 2:0, bevor in der Schlussphase das
„große Zittern“ beginnt.
Die Anfälligkeit: Trotz der Heimsiege kassiert
St. Pauli fast immer ein Gegentor (Schnitt: 64. Minute). Ein „Zu
Null“ nach 1:0-Führung ist am Millerntor seltener als ein
Fischbrötchen ohne Zwiebeln.
Ich steige mit euch klaglos ab, wenn ihr das Herz auf dem
Platz lasst und nicht in der Hose!
Fazit: St. Pauli kann es nicht; ein 1:0 über die Zeit
bringen. Mal hat der Gegner was dagegen, meist aber befällt die
Boys in Brown eine merkwürdige Schieterbüxigkeit, die Füße und
Köpfe lähmt. Allerdings darf man auf dem Kiez den Trainer nicht
infrage stellen, der bekommt vorsorglich einen Persilschein
ausgestellt.
Nach dem 1:1 vom Freitag bangt ganz Hamburg um den Verbleib in
Liga eins.
Altona 93 wehrt sich noch …
Wie Abstiegskampf erfolgreich betrieben werden kann, zeigt Altona
93 ein paar Kilometer weiter westlich. Gegen den Tabellennachbarn
im Keller, den SV Lohne, zeigten die Spieler des ehemaligen FCSP
Urgesteins André “Truller” Trulsen eine starke kämpferische
Leistung und kamen nach zwei Rückständen zurück, um ganz zum
Schluss das 3:2 zu feiern. So geht Abstiegskampf; da können sich
die beiden Erstligisten eine Scheibe abschneiden.
So spielt ganz Hamburg um den Abstieg mit, nur alle irgendwie
anders.
FC St. Pauli Fans gegen das IOC
Im Gegensatz zur Vereinsführung, die politisch eingezwängt in
stadtpolitische Notwendigkeiten vage herumlaviert, legen sich die
meisten FC St. Pauli Fanclubs fest. Sie stimmen gegen Olympia in
Hamburg.
Wir Fanclubs des FC St. Pauli wollen unsere Freiräume erhalten,
unsere Läden sollen noch lange bestehen bleiben. Wir wollen uns
weiterhin im und rund ums Stadion ausleben, durchdrehen und unser
Team anfeuern können. Bezahlbare Wohnungen und der Erhalt von
sozialen Einrichtungen im Viertel wie in der gesamten Stadt sind
uns wichtig. Keinen Fußbreit dem korrupten und rein
profitgierigen IOC! Und wir lassen uns nicht blenden …
Diese und andere Hamburg Meldungen findest Du in meinem 2.
Projekt: Ring2, dem Hamburg Logbuch.
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