Jackson Irvine ist vieles gleichzeitig: Posterboy des FC
St. Pauli, Reizfigur, Leader und Kapitän, Absteiger, Verletzt und
WM-Fahrer. Er wäre gerne Modeikone, seine Frau wäre wohl gerne
poshy Modezarin. Beide leben im Viertel und verkörpern das
moderne St. Pauli so intensiv, dass es manchmal weh tut.
Und es kann passieren, daß Jackson Irvine einfach bleibt. Für
immer. Das sagte mir zumindest Alfetta in einem unserer
Podcasttelefonate ohne Aufnahme.
Anlass war der rüde Angang von Sportchef Bornemann auf die
Aussage von Jackson Irvine, dass sich alle Führungsfiguren im FC
St. Pauli doch bitte nach diesem Abstueg hinterfragen sollen —
und dass er anstreben, seinen Vertrag hier zu erfüllen.
„Es sind auf allen Ebenen Fehler passiert, diese müssen
aufgearbeitet werden. Wir haben zwei Jahre etwas aufgebaut, im
dritten Jahr haben wir es eingerissen.„
Getroffene Hunde beißen, meint Alfetta, und fügt hinzu: Für
Bornemann und Oke ist Jackson Irvine eine Bedrohung. Wer weiß,
vielleicht wird er ja bald Aufsichtsratsmitglied oder sogar Okes
Nachfolger? Genosse ist er ja schon.
Jackson Irvine triggert das FCSP Establishment. Und zwar auf
vielen Feldern.
Sportlich untadelig: da hat man einen Trainer,
der öffentlich die Mannschaft disst, währenddessen Irvine mit
einem kaputten Fuß aufläuft, um die Mannschaft (die offenkundig
keine ist) zu stabilisieren. Auf Kosten der eigenen Gesundheit,
ja mit dem hohen Risiko, seinen Traum von der WM deswegen platzen
zu sehen. Soviel Engagement kann auch anecken.
Im Viertel verwurzelt: Irvine lebt im Viertel
und hat wohl auch vor, hier auf St. Pauli zu bleiben. Seit Fabian
Boll habe ich keinen Profi in braunweiss öfter auf der Straße
oder auf Vernissagen getroffen als ihn.
Politisch unbequem: am meisten hat sich unsere
aktive Fanschaft und das aus ihr bestehende Establishment im
Aufsichtsrat an Jacksons Haltung zu Palästina gerieben – ich
auch. Hinter dem Konflikt steht aber auch eine ambivalente
Haltung kritischen internationalen Stimmen gegenüber. Kurz: Wer
die Deutungshoheit der etablierten FCSP-Szene infrage stellt,
kriegt eins aufs Maul.
Jackson Irvine probt derweil, wie es es sich in einem
Aufsichtsrat anfühlt – erst einmal bei Lemonaid und nicht in
unserem – aber, was nicht ist, kann ja noch werden …
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