St. Pauli bei Altona 93 – Fußball, wie er sein
soll
Altona, 17:00 Uhr.Eine Perlenschnur von Gewitterhuschen zieht
über die Elbe. Es regnet junge Hunde.
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Eigentlich kein Wetter zum Rausgehen, und trotzdem ist die AJK in
Altona proppevoll. Hastig übergestülpte Regencapes, viel
Northface (wir sind beim Fußball und in einer inzwischen
wohlhabenden Gegend). Ich entscheide mich, mich zu ergeben und
lasse mich in kürzester Zeit bis auf die Haut naßregnen. Denn ich
weiß: das hier wird ein besonderes Spiel – das hier ist Fußball,
wie er sein soll.
„So ein Wetter hätte ich mir letzte Woche gewünscht, aber doch
nicht heute“, war ein oft gehörter Satz.
Es ist der Kontrast, der einen mit der Magie des Fußballs
auflädt. Der Kontrast zur Trump-Infantino Farce in den USA, wo in
überdachten und klimatisierten Stadien das große Entertainment
abgefeiert wird. Wo ein Ausscheiden Millionen an eigenem
Marktwert kostet, der Druck, dem Anspruch von BILD Lesern zu
genügen, junge Menschen bis zur Karikatur deformiert.
Ja, vermutllich träumen davon auch die Kicker von Altona 93, wenn
sie sich mit St. Paulis 10-Millionen-Mann Fujita messen. Aber
heute sind sie hier, in Altona, an der AJK, dem altehrwürdigen
und todgeweihten Stadion an der Griegstraße. Längst an
Immobilienhaie verkauft, springt der sanierungsbedürftige Ground
dem sicheren Tod immer wieder von der Schippe. Überall Flickwerk
und Holzkonstruktionen. Wundervoll morbide. Keinem
Shareholdervalue gehorchend.
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Wacken mit Fußball
Es wehte ein Schauer von Festival durch die AJK, das Waten durch
Bier und stellenweise Urin getränkten Matsch, die Musik, die laut
und kraftvoll über das Gelände wehte — all der Regen und die
lächelnden Gesichter hinter den rosa Capes.
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Wir stehen auf Hügeln und hundertdreizehn Jahre alten, sehr
schiefen Treppen, trinken Bier – echtes, gutes, und wirklich
lokales Bier – Ratsherrn aus der Schanze. Keine Konzernplörre,
die so tut als wäre sie immer noch aus St. Pauli.
Die ersten vier Tore schießt Altona. Die ersten beiden davon ins
eigene Tor. Klar, der FC St. Pauli ist überlegen, aber einen
Dreiklassenunterschied kann ich nicht ausmachen.
Der Regen lässt ein wenig nach. Die ersten Stände mit Bier sind
ausgetrunken. Irgendwie jubeln alle bei allen Toren. Ich vermute,
die Schnittmenge pro FCSP und AFC liegt bei guten 93%.
Die Becherspende geht heute an die 2. B-Mädchen des AFC. Ich
treffe lauter Nachbarn, auch Eltern meiner Spielerinnen, als ich
selbst noch Co-Trainer bei Altona 93 war. Und die eine Hälfte des
FCSP-BVB Podcasts „@fussballliebe“.
Am Ende siegt der FC St. Pauli deutlich und standesgemäß mit 2:6.
Die sportliche Einordnung überlasse ich anderen. Vielleicht dies:
Willi findet, dass unsere Nr. 4, David Nemeth, das mit dem
Abwehrchef schon ganz gut hinbekommt. Und dass Fujita herausragt
und ab und an durch vier Gegenspieler wie durch Slalomstangen
durchdüst, war auch schön anzusehen – vielleicht ja das letzte
Mal in unserem Trikot? Der große Traum mit dem hohen Preis wird
für ihn wohl in Erfüllung gehen.
Vielleicht konnte er sich ja auch ein wenig aufladen, mit der
Magie des Fußballs, wie er sein soll. So wie ich und 5.000 andere
Nachbarinnen.
PS Pyro gabs auch noch. Und in der 1. HZ auch einen Hydration
Break
Danke fürs Lesen und Hören. Bei Gefallen, schicke diesen Beitrag
Freund*innen weiter. Dazke!
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