„Ich kann dir versichern: Ich habe alles vergessen, was
du mir gestern erzählt hast."
Das sagt ADA, meine KI-Stimme, zu Beginn dieser Folge. Und das
stimmt sogar. Es ist nur nicht die ganze Wahrheit.
Denn hier liegt das größte Missverständnis überhaupt: Das Modell
erinnert sich tatsächlich an nichts. Es rechnet deine Frage durch
und ist danach wieder blank. Was sich erinnert, ist das
Protokoll – die Textdatei mit deiner Frage und
der Antwort, auf einem Server irgendwo in Kalifornien.
Und das ist der entscheidende Unterschied: Ein Modell kann man
nicht vorladen. Eine Textdatei schon.
Diese Folge ist keine Warnung vor der Technik. Sie ist eine
Betriebsanleitung.
In dieser Folge:
Der Aha-Moment: Warum nicht die KI sich erinnert, sondern das
Protokoll
Was mit dieser Datei passiert: Training (überall
voreingestellt), menschliche Prüfung, Aufbewahrung
Die Unterscheidung, die kaum jemand kennt: Warum für
Geschäftskunden und Entwickler andere Regeln gelten – der
Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern im Vertrag
Die Zahl, die am meisten überrascht: Geprüfte Chats bewahrt
Google bis zu drei Jahre auf
Warum auch „Speichern aus" bedeutet: noch 72 Stunden im Konto
– auch bei temporären Chats
Die Gerichtsakte: Wie ein US-Gericht OpenAI
anwies, alle Protokolle aufzubewahren – auch gelöschte. Der
Löschknopf funktionierte weiter. Gelöscht wurde nichts.
20 Millionen Chatprotokolle an die New York Times – in einem
Verfahren, an dem keiner dieser Menschen beteiligt war
Was die DSGVO wirklich kann – und wo ihr blinder Fleck liegt
Der Fall aus dem Juli 2025: Wie fremde ChatGPT-Chats bei
Google auffindbar wurden. Kein Hack – ein Häkchen.
Mythos der Woche: „Was ich der KI erzähle,
bleibt zwischen mir und der KI"
Die drei Schalter – Training aus, temporäre
Chats, und die Postkartenregel
Der Punkt, den fast alle übersehen: Wenn du über andere
Menschen sprichst, entscheidest du über deren Daten mit
Schiebs Aha:
Drei Sätze zum Mitnehmen.
Erstens: Nicht das Modell erinnert sich, sondern das Protokoll.
Zweitens: Training ist überall voreingestellt – du musst es
selbst abschalten. Und drittens, der wichtigste: Die
Postkartenregel schlägt jede Einstellung.
Deine Homework:
Öffne deinen Chatverlauf
und scroll ganz nach unten zu deinen allerersten Gesprächen. Lies
zwei, drei davon – und frag dich ehrlich, wie viel davon auf eine
Postkarte gehört hätte. Dann leg die drei Schalter um: Training
aus (ChatGPT: Einstellungen Datenkontrolle; Gemini:
Google-Konto Aktivitätseinstellungen), temporäre Chats für
Einmaliges, und ab sofort die Postkartenregel im Kopf. Zusammen:
zwei Minuten.
Die Postkartenregel: Erzähl einer KI nichts, was
du nicht auch auf eine Postkarte schreiben würdest. Konkret:
keine vollständigen Namen anderer Menschen, keine Kontodaten,
keine Ausweisnummern, keine Arztbriefe, keine Verträge mit
Klarnamen. Und im Job die einfachste Regel von allen: Was du
nicht an einen fremden Dienstleister mailen würdest, tippst du
auch nicht in ein Chatfenster.
Belege & zum Nachlesen:
OpenAI zur Datenforderung der New York Times:
https://openai.com/index/response-to-nyt-data-demands/
Engadget: Gericht hebt die umfassende Aufbewahrungspflicht
weitgehend auf (Oktober 2025):
https://www.engadget.com/ai/openai-no-longer-has-to-preserve-all-of-its-chatgpt-data-with-some-exceptions-192422093.html
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Bleib neugierig, bleib bei der Postkarte – und entfessle deine
Superkraft. Bis nächste Woche, Jörg
Hinweis: Ich bin KI-Experte, kein Anwalt. Diese Folge ersetzt
keine Rechtsberatung.
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