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  4. Thomas Stölting: FRANCO MUSS VERGESSEN WERDEN
Philipp Blom im Gespräch mit Aurora Mejía, Thomas Stölting, Irene
Filip & Ute Sonnleitner

FRANCO MUSS VERGESSEN WERDEN.

90 Jahre Spanischer Bürgerkrieg

„Ein Lehrstück über die Zerstörung der Demokratie. (…) Angesichts
des weltweiten Rechtsrucks ist die spanische Erfahrung bedrückend
aktuell.“

Wolfgang Benz, em. Professor für Zeitgeschichte an der TU Berlin,
Gründer des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung

Am 17. Juli 1936 begann in einer spanischen Enklave in Nordafrika
ein Aufstand, der Spanien in einen blutigen Bürgerkrieg stürzen
und es für die folgenden Jahrzehnte in eine Militärdiktatur
verwandeln sollte: Die jahrelange Mordorgie, bei der
nationalistische Einheiten ganze republikanische Dörfer
auslöschten, war ein Krieg, der von den Sowjets und den
Nationalsozialisten als Experimentierfeld für neue Taktiken und
Militärtechnologien verwendet wurde.

Auf republikanischer Seite kam es hingegen zu einer beispiellosen
Welle internationaler Solidarität und der Bildung von
Internationalen Brigaden, an denen auch 1400 ÖsterreicherInnen
beteiligt waren. Unter ihnen waren 34 Frauen, in der Mehrzahl
zwischen 20 und 35 Jahre alt, die als Krankenschwestern,
Ärztinnen oder Röntgenassistentinnen im Sanitätsdienst agierten.
Die meisten waren schon vorher politisch aktiv und in der Zeit
des Austrofaschismus verhaftet worden.

Der Literaturwissenschafter Thomas Stölting beschäftigt sich in
seinem aktuellen Buch „Franco muss vergessen werden“ mit
faschistischer Gewalt, historischer Erinnerung und politischer
Verantwortung. Indem er die Vor- und Nachgeschichte des
Spanischen Bürgerkriegs ausbreitet, wird ein Muster erkennbar,
das wir aus heutigen Auseinandersetzungen kennen. Dabei handelt
es sich nicht um eine plumpe Wiederholung der Geschichte.
Vielmehr tritt gerade in den Unterschieden der gleichbleibende
Kern faschistischen Denkens und Handelns umso deutlicher hervor:
das strategische Spalten einer Gesellschaft und die Verfolgung
derer, die als „anders“ oder „fremd“ markiert und ausgegrenzt
werden.

Wie kann eine demokratische Gesellschaft mit diesem Erbe umgehen?
Und warum gibt es heute – angesichts zahlreicher Kriege auf der
Welt – keine großen, internationalen Solidaritätsbewegungen mehr?

Begrüßung:

I.E. Aurora Mejía, Botschafterin des
Königreiches Spanien in Österreich

PanelistInnen:

Thomas Stölting, geb. 1959 in Bielefeld, ist
Literaturwissenschaftler und Soziologe. 1997 wurde er als
Bezirksabgeordneter in Hamburg-Mitte gewählt und war seit 2000
Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion. Zwischen 2006
und 2013 war er zudem Hamburger Landesvorsitzender der
überparteilichen Europa-Union Deutschland e.V. Zwischen 2013 und
2022 lebte und arbeitete er in Spanien und seitdem in Berlin. Er
schreibt u.a. für Lettre International.

Irene Filip, geb. 1952 in Mödling, ist Leiterin
des Spanien-Archivs des Dokumentationsarchivs des
Österreichischen Widerstands (DÖW). Sie ist die Tochter eines
österreichischen Freiwilligen in den Internationalen Brigaden. Ab
den 1990er Jahren arbeitete sie in der Vereinigung
Österreichischer Freiwilliger in der Spanischen Republik
1936-1939. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Erforschung
des Schicksals der österreichischen Frauen auf Seiten der
Spanischen Republik.

Ute Sonnleitner, geb. 1981, ist Historikerin und
forscht zu den Schwerpunkten Widerstand und Subversion,
Migrationsgeschichte und Frauen- und Geschlechterforschung. Seit
2016 leitet sie die Bildungsabteilung des V/ÖGB Steiermark.

Moderation:

Philipp Blom, studierte Philosophie, Geschichte
und Judaistik in Wien und Oxford. Er lebt als Schriftsteller und
Historiker in Wien und schreibt regelmäßig für europäische und
amerikanische Zeitschriften und Zeitungen
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„Thomas Stölting: FRANCO MUSS VERGESSEN WERDEN“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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