Eph 4,11-12 Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als
Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und
Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen (Sch2000)
Kommentar von MacDonald (CLV) 4,11 Nun werden die Gaben
namentlich genannt. Zu unserem Erstaunen handelt es sich um
Dienststellungen, nicht um natürliche Gaben oder Talente. »Und er
hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten und
andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer.«
»Apostel« waren die Männer, die direkt vom Herrn eingesetzt
wurden, das Wort zu predigen und Gemeinden zu gründen. Es
handelte sich um diejenigen, die den Auferstandenen gesehen
hatten (Apg 1,22). Sie hatten die Vollmacht, Wunder zu wirken (2.
Kor 12,12). Diese dienten als Mittel, die Botschaft, die sie
verkündigten, zu beglaubigen (Hebr 2,4). Gemeinsam mit den
neutestamentlichen Propheten bestand ihre Aufgabe in der Gründung
der Gemeinden (Eph 2,20). Die Apostel, die hier in dem Abschnitt
genannt sind, sind nur diejenigen, die nach der Himmelfahrt
Christi Apostel waren. »Propheten« waren Männer, die im Namen und
Auftrag Gottes redeten. Sie erhielten direkte Offenbarungen vom
Herrn und gaben sie an die Gemeinde weiter. Was sie im Heiligen
Geist sprachen, war Gottes Wort. Im eigentlichen Sinne gibt es
keine Apostel und Propheten mehr. Ihr Dienst ging zu Ende, als
die Grundlagen für die Gemeinde gelegt waren und der
neutestamentliche Kanon abgeschlossen war. Wir haben schon
betont, dass Paulus hier von neutestamentlichen »Propheten«
spricht; sie wurden von Christus nach seiner Himmelfahrt
eingesetzt. Wer hier von einer Erwähnung alttestamentlicher
Propheten ausgeht, bringt in diesem Abschnitt Schwierigkeiten und
Ungereimtheiten ins Spiel. »Evangelisten« sind diejenigen, die
die Gute Nachricht vom Heil predigen. Sie sind von Gott
ausgerüstet, verlorene Menschen für Christus zu gewinnen. Sie
haben die besondere Gabe, den unheilvollen Zustand eines Sünders
zu erkennen, sein Gewissen zu wecken, Einwände zu beantworten, zu
Entscheidungen für Christus zu ermutigen und den Bekehrten zu
helfen, im Wort gegründet zu werden. Evangelisten sollten von
einer Ortsgemeinde ausgesandt sein, der Welt das Evangelium
verkündigen, und die Bekehrten wieder einer Ortsgemeinde
zuführen, in der sie genährt und im Glauben gestärkt werden.
»Hirten« sind Männer, die als Unterhirten für die Schafe Christi
dienen. Sie leiten die Herde und geben ihr Nahrung. Ihr Dienst
besteht in weisem Rat, in Korrektur, Ermutigung und Zuspruch. Das
Werk des »Hirten« ist mit demjenigen der Ältesten der
Ortsgemeinde eng verwandt. Der Hauptunterschied besteht darin,
dass die Hirtenschaft eine Gabe ist, die Ältestenschaft dagegen
ein Dienst. Das NT zeigt mehrere Hirten in einer Ortsgemeinde
(Apg 20,17.28; 1. Petr 5,1.2), nicht nur einen einzigen Hirten
oder Ältesten. »Lehrer« sind Männer, die aufgrund der göttlich
zugeeigneten Fähigkeiten erklären können, was die Bibel uns sagt.
Sie können auslegen, was damit gemeint ist, und sind imstande,
diese Wahrheiten dann auf die Herzen und Gewissen der Heiligen
anzuwenden. Während der Evangelist einen Bibeltext außerhalb
seines Kontexts behandeln kann, versucht der Lehrer darzulegen,
wie der behandelte Abschnitt in den Zusammenhang passt. Weil die
»Hirten und Lehrer« in diesem Vers verbunden sind, schließen
einige, dass es sich hier um eine einzige Gabe handelt, sodass es
»Hirtenlehrer« heißen müsste. Doch das ist nicht notwendigerweise
der Fall. Jemand kann ein Lehrer sein, ohne das Herz eines Hirten
zu haben, und ein Hirte mag in der Lage sein, das Wort
anzuwenden, ohne dass er die Lehrgabe besitzt. Wenn in Vers 11
»Hirten und Lehrer« von der Person her identisch sind, dann
müsste nach derselben grammatischen Regel dies auch für Apostel
und Propheten in Eph 2,20 gelten. Ein letztes Wort hierzu. Wir
sollten sorgfältig zwischen göttlichen Gaben und angeborenen
Talenten unterscheiden. Kein Unerlöster, so sehr er auch
talentiert sein mag, kann ein Evangelist, ein Hirte oder Lehrer
im Sinne des NT sein. Auch kann kein Christ diese Aufgabe
erfüllen, es sei denn, dass er diese besondere Gabe erhalten hat.
Die Gaben des Geistes sind übernatürlicher Art. Sie ermöglichen
es einem Menschen, etwas zu tun, was für ihn aus menschlicher
Sicht unmöglich wäre. 4,12 Wir kommen nun zur Aufgabe oder zum
Zweck der Gaben. Sie sind »zur Ausrüstung der Heiligen für das
Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi« gegeben.
Dabei gilt folgende Reihenfolge: Die Gabe rüstet »die Heiligen«
aus.
Daraufhin dienen »die Heiligen«.
Als Folge davon wird der »Leib« erbaut.
»Das Werk des Dienstes« ist keine spezielle Beschäftigung für
Menschen, die eine besondere theologische oder sonstige
Ausbildung erhalten haben. Es geht um einen »Dienst«, nicht um
einen Beruf im heutigen Sinne. Es geht hier um jede Art
geistlichen Dienstes. Und dieser Vers lehrt weiter, dass jeder
Christ einen »Dienst« haben sollte. Die Gaben sind gegeben, um
alle Christen auszurüsten, dem Herrn zu dienen und auf diese
Weise den »Leib Christi« aufzuerbauen. Vance Havner erklärt das
auf seine unvergleichliche Art: Jeder Christ ist ausgesandt, denn
jeder Christ ist ein Missionar. Es ist einmal gesagt worden, dass
das Evangelium nicht nur etwas ist, dessentwegen man in die
Gemeinde geht, um es anzuhören. Vielmehr ist es auch etwas,
dessentwegen man die Gemeinde verlässt, um davon weiterzuerzählen
– und dazu sind wir alle berufen. Man hat auch gesagt: »Das
Christentum begann als eine Gemeinschaft von Laienpredigern, doch
es ist zu einer Organisation professioneller Kanzelredner
verkommen, die von Laienzuschauern finanziert wird.« Heutzutage
stellen wir Gemeindemitarbeiter an, damit diese die
»vollzeitliche Arbeit« im Werk des Herrn leisten. Dann setzen wir
uns sonntags hin, um zu sehen, was sie getan haben. Jeder Christ
sollte im vollzeitlichen christlichen Dienst stehen … Es gibt
natürlich den besonderen Dienst der Hirten, Lehrer und
Evangelisten – doch mit welchem Ziel? … damit die Heiligen zu
ihrem Dienst ausgerüstet werden.
Diese von Gott gegebenen Männer sollten nicht so dienen, dass
Menschen ständig von ihnen abhängig sind. Stattdessen sollten sie
auf den Tag hinarbeiten, an dem die Heiligen imstande sind,
selbst weiterzukommen. Wir können das durch folgendes Bild
veranschaulichen: Der Kreis im Mittelpunkt steht z. B. für die
Gabe eines Lehrers. Er dient denen in dem Kreis in seinem Umfeld,
sodass sie ausgerüstet, d. h. im Glauben auferbaut, werden. Dann
gehen diese hin und dienen anderen mit den Gaben, die Gott ihnen
gegeben hat. Auf diese Weise wächst die Gemeinde. Das ist die
göttliche Methode, den »Leib Christi« geistlich und zahlenmäßig
wachsen zu lassen. Die Beschränkung des christlichen Dienstes auf
einen ausgewählten Personenkreis behindert die Entwicklung des
Volkes Gottes, unterdrückt das Anliegen der Weltevangelisation
und hemmt das Gemeindewachstum. Die Unterscheidung in
Geistlichkeit und Laienschaft ist schriftwidrig und
wahrscheinlich das größte Einzelhindernis für die Verbreitung des
Evangeliums.
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