Eph 5,18 berauscht euch nicht mit Wein, was Ausschweifung ist,
sondern werdet voll Geistes; (Sch2000)
Kommentar von MacDonald (CLV) 5,18 »Und berauscht euch nicht mit
Wein, worin Ausschweifung ist.« In vielen christlich geprägten
Ländern wirkt ein solches Gebot unnötig und schon fast
schockierend, weil völlige Abstinenz bei sehr vielen Christen die
Regel ist. Doch sind wir dankbar dafür, dass die Bibel für
Gläubige aller Kulturen geschrieben wurde. In zahlreichen Ländern
gehört Wein bei einer normalen Mahlzeit auf den Tisch. Die
Schrift verurteilt nicht allgemein das Weintrinken, sondern den
Missbrauch. Wein als Medizin wird ausdrücklich empfohlen (Spr
31,6; 1. Tim 5,23). Der Herr Jesus selbst hat bei der Hochzeit zu
Kana in Galiläa Wasser in Wein verwandelt (Joh 2,1-11). Doch der
Genuss von Wein wird in folgenden Situationen zum Missbrauch und
ist dann untersagt: Wenn er zu Ausschweifungen führt (Spr
23,29-35),
wenn Weintrinken zur Gewohnheit wird (1. Kor 6,12b),
wenn Weintrinken das schwache Gewissen eines anderen
Gläubigen verletzt (Röm 14,13; 1. Kor 8,9),
wenn das Zeugnis eines Christen in der Gesellschaft dadurch
beeinträchtigt wird und deshalb nicht der Ehre Gottes dient (1.
Kor 10,31),
wenn der Gläubige sich nicht sicher ist, ob er Wein trinken
darf (Röm 14,23).
Die von Paulus empfohlene Alternative lautet, »voller Geist« zu
werden. Dieser Zusammenhang mag uns zunächst erstaunen, doch wenn
wir beide Zustände vergleichen und einander gegenüberstellen,
können wir erkennen, warum der Apostel sie auf diese Weise
verbindet. Erstens gibt es mehrere Ähnlichkeiten: In beiden
Zuständen befindet sich der Betreffende unter der Herrschaft
einer anderen Macht. Im ersten Fall ist es die Herrschaft des
Alkohols, im zweiten die Herrschaft des Heiligen »Geistes«.
In beiden Fällen befindet sich der Mensch in einem
außergewöhnlichen Zustand. Zu Pfingsten wurde das Erfülltsein mit
dem Heiligen Geist fälschlicherweise als Trunkenheit gedeutet
(Apg 2,13).
In beiden Fällen wird der Wandel des Betreffenden verändert.
Das gilt für den Betrunkenen hinsichtlich dessen, wie er sich
äußerlich verhält, und für den vom Geist Erfüllten bezüglich
seines moralischen Verhaltens.
Doch gibt es zwei Punkte, in denen sich die beiden Zustände
deutlich voneinander abheben: Trunkenheit führt zu
»Ausschweifung« und Zügellosigkeit. Die Erfüllung mit dem
Heiligen Geist hat dies grundsätzlich nie zur Folge.
Im Falle der Trunkenheit verliert der Betroffene die
Selbstkontrolle. Doch die Frucht des Geistes ist
»Selbstbeherrschung« (Gal 5,23; Anm. ER). Ein Gläubiger, der
»voller Geist« ist, wird niemals die Kontrolle über sein Handeln
verlieren, denn der Geist des Propheten ist dem Propheten
untertan (1. Kor 14,32).
Manchmal erscheint die Erfüllung mit dem »Geist« in der Bibel als
souveränes Geschenk Gottes. So war zum Beispiel Johannes der
Täufer »mit Heiligem Geist erfüllt« von seiner Mutter Leib an (Lk
1,15). In solch einem Fall erhält man den Geist, ohne dass vorher
Bedingungen erfüllt werden müssten. Man betet nicht darum, und
man arbeitet nicht daran. Vielmehr eignet der Herr diese Gabe
nach seinem Wohlgefallen zu. Hier in Epheser 5,18 wird dem
Gläubigen geboten, sich vom Geist erfüllen zu lassen. Das setzt
ein Handeln seinerseits voraus. Er muss bestimmte Bedingungen
erfüllen. Er empfängt dies nicht automatisch, sondern die
Erfüllung mit dem Geist ist die Folge des Gehorsams. Aus diesem
Grund sollte man die Erfüllung mit dem Heiligen Geist von anderen
Diensten des Geistes am Gläubigen unterscheiden. Die Erfüllung
mit dem Geist ist nicht gleichbedeutend mit den folgenden
Aufgaben: Die Taufe mit dem Heiligen Geist. Dies ist ein Werk des
Geistes, das den Gläubigen in den Leib Christi einfügt (1. Kor
12,13).
Die Innewohnung. Durch diesen Dienst nimmt der Tröster
Wohnung im Leib des Christen und befähigt ihn zur Heiligung, zur
Anbetung und zum Dienst (Joh 14,16).
Die Salbung. Der Geist selbst ist die Salbung, die das Kind
Gottes alles Göttliche lehrt (1. Joh 2,27).
Das Unterpfand und das Siegel. Wir haben schon gesehen, dass
der Heilige Geist als Unterpfand das Erbe für den Gläubigen
gewährleistet, und als Siegel garantiert er den Heiligen das zu
erbende Gut (Eph 1,13.14).
Dies sind einige der Dienste des Geistes, die er an einem
Menschen vollbringt, wenn dieser gerettet wird. Jeder, der in
Christus ist, erhält automatisch die Geistestaufe, die
Innewohnung, die Salbung, das Unterpfand und das Siegel. Doch mit
der Erfüllung ist es anders. Sie ist kein einmaliges Ereignis im
Leben eines Jüngers, sondern eher ein ständiger Prozess. Die
wörtliche Übersetzung des betreffenden Gebots lautet: »Werdet
erfüllt mit dem Geist.« Das kann als ein besonderes Ereignis
beginnen, doch es muss danach als ständiger Vorgang weitergeführt
werden. Die Erfüllung von heute reicht nicht bis morgen. Und
zweifellos handelt es sich um einen Zustand, der besonders
wünschenswert ist. Es handelt sich dabei um den idealen Zustand
für den Gläubigen auf Erden. Erfülltwerden bedeutet, dass der
Heilige Geist seinen Willen im Leben des Christen ungetrübt
erfüllen kann und der Gläubige deshalb den Plan, den Gott mit ihm
hat, während dieser Zeit erfüllt. Wie kann ein Gläubiger nun
»voller Geist« werden? Der Apostel Paulus erklärt es uns hier im
Epheserbrief nicht, sondern fordert uns nur auf, »voller Geist«
zu werden. Doch aus anderen Teilen des Wortes Gottes wissen wir,
dass man folgende Bedingungen erfüllen muss, wenn man »voller
Geist« werden will: Wir müssen alle erkannten Sünden vor Gott
bekennen und aus unserem Leben verbannen (1. Joh 1,5-9). Es ist
offensichtlich, dass eine so heilige Person wie der Geist nicht
vorbehaltlos wirken kann, wenn der Gläubige in seinem Leben Sünde
duldet.
Wir müssen uns vollständig Gottes Herrschaft unterstellen
(Röm 12,1.2). Das bedeutet die Hingabe unseres Willens, unseres
Verstandes, unseres Leibes, unserer Zeit, unserer Fähigkeiten und
unseres Besitzes. Jedes Gebiet unseres Lebens muss seiner
Herrschaft geöffnet werden.
Lasst das Wort Christi reichlich in euch wohnen (Kol 3,16).
Das bedeutet Bibellesen, Bibelstudium und Gehorsam gegenüber dem
Erkannten. Wenn das Wort Christi reichlich in uns wohnt, so folgt
daraus dasselbe (Kol 3,16), was auch aus der Erfüllung mit dem
Geist folgt (Eph 5,19).
Schließlich müssen wir von uns selbst befreit sein (Gal
2,20). Um mit einer neuen Flüssigkeit gefüllt zu werden, muss die
alte erst einmal aus der Tasse geschüttet werden. Um mit ihm
erfüllt zu werden, müssen wir erst von unserem eigenen Wesen
entleert sein.
Ein unbekannter Autor schreibt: So wie man die ganze Last der
Sünde hinter sich gelassen hat und in dem vollendeten Werk
Christi ruht, so sollen wir auch die gesamte Last unseres Lebens
und Dienstes hinter uns lassen und uns auf das Werk des uns
innewohnenden Heiligen Geistes stützen. Geben Sie sich hin, jeden
Morgen, damit Sie vom Heiligen Geist geleitet werden können und
damit Sie voller Lob sowie getrost losgehen und ihm überlassen,
für Sie Ihren Tag zu planen. Man sollte diese Gewohnheit den
ganzen Tag über pflegen, freudig in der Abhängigkeit von ihm zu
leben, ihm zu gehorchen und von ihm zu erwarten, dass er
erleuchtet, zurechtweist, lehrt, einsetzt sowie in und durch uns
tut, was seinem Willen entspricht. Man muss mit seinem Werk als
Tatsache rechnen, ohne zu sehen oder zu fühlen. Wir wollen nur an
den Heiligen Geist als Herrscher unseres Lebens glauben und ihm
gehorchen, und uns von der Last befreien, alles selbst machen zu
wollen. Dann wird die Frucht des Geistes nach seinem Willen zur
Ehre Gottes in uns entstehen.
Weiß man, wenn man »voller Geist« ist? In der Tat sind wir uns
unserer eigenen Unwürdigkeit und Sündhaftigkeit umso mehr
bewusst, je näher wir dem Herrn sind. In seiner Gegenwart
entdecken wir an uns nichts mehr, dessen wir uns rühmen könnten
(Lk 5,8). Wir sind uns keiner geistlichen Überlegenheit über
andere bewusst. Auch meinen wir nicht, dass wir »am Ziel«
angekommen wären. Der Gläubige, der »voller Geist« ist,
beschäftigt sich mit Christus und nicht mit sich selbst.
Gleichzeitig kann er jedoch erkennen, dass Gott an und durch sein
Leben wirkt. Er sieht, dass vieles Übernatürliche geschieht.
Umstände passen auf wunderbare Weise zusammen. Menschen werden
von Gott berührt. Die Dinge entwickeln sich nach einem göttlichen
Plan. Sogar die Naturgewalten sind auf seiner Seite, denn sie
scheinen an die Räder des Streitwagens Gottes gebunden zu sein.
Der Gläubige sieht all das; er erkennt, dass Gott für und durch
ihn wirkt, und doch kann er sich selbst dafür nicht rühmen. Im
innersten Wesen erkennt er, dass alles vom Herrn kommt.
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