Ps 103,1-5 Lobe den HERRN, meine Seele, und alles, was in mir
ist, seinen heiligen Namen! Lobe den HERRN, meine Seele, und
vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Der dir alle deine
Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen; der dein Leben vom
Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit;
der dein Alter mit Gutem sättigt, dass du wieder jung wirst wie
ein Adler. (Sch2000)
Kommentar von MacDonald (CLV) 103,1 Einer der Gründe, weshalb wir
die Psalmen so sehr lieben, ist der, dass sie so schön
ausdrücken, was wir zwar oft empfinden, aber nicht in Worte
fassen können. Nirgends wird das deutlicher als im 103. Psalm. In
majestätischen Kadenzen des Dankes werden uns Empfindungen
gezeigt, die unsere tiefsten Gefühle der Dankbarkeit
widerspiegeln. Hier rufen wir unsere Seele auf, den HERRN zu
loben – und mit unserer Seele ist nicht nur der immaterielle Teil
unseres Seins, sondern unsere gesamte Person gemeint. Geist,
Seele und Leib vereinen sich, um den heiligen Namen des HERRN zu
preisen. 103,2 Und zum zweiten Mal erschallt der Aufruf zur
Anbetung, indem die bedeutsame Ermahnung angefügt ist, nicht
Gottes Wohltaten zu vergessen. Das ist eine nötige Erinnerung,
weil wir nur allzu schnell vergesslich sind. Wir vergessen, ihm
für einen gesunden Körper zu danken, für Gesundheit des Verstands
und dafür, dass wir sehen, hören, sprechen, essen und eine
Vielzahl anderer Gnadengaben genießen können. Alles nehmen wir so
selbstverständlich hin. 103,3 Aber mehr als all das sollten wir
ihm für die Vergebung unserer Sünden danken. Es ist ein
unaussprechliches Wunder der Gnade Gottes, dass karmesinrote
Sünden weißer als Schnee gewaschen werden können. Ich kann es dem
Mann nachfühlen, der nur ein Wort auf seinem Grabstein stehen
hatte: »VERGEBEN« – und auch dem Iren, der sagte: »Der Herr Jesus
hat mir alle meine Sünden vergeben, und er wird niemals damit
aufhören.« Das Bewusstsein, dass alle unsere Sünden durch das
kostbare Blut Christi weggetan sind – ja, das ist einfach zu
groß, als dass wir es begreifen könnten. Die zweite zu bedenkende
Wohltat ist die Heilung aller unserer Krankheiten. Bevor wir die
Probleme angehen, die damit verbunden sind, lassen Sie uns
bedenken, dass Heilung nach der Vergebung kommt. Das Leibliche
ist eng mit dem Geistlichen verbunden. Während nicht alle
Krankheiten direkte Folgen von Sünde sind, so gilt dies doch für
manche. Wo diese Verbindung besteht, muss die Vergebung der
Heilung vorausgehen. Aber das offensichtliche Problem ist damit
nicht erledigt. Der Vers sagt: »… der da heilt alle deine
Krankheiten.« Doch aus praktischer Erfahrung wissen wir, dass
nicht alle Krankheiten geheilt werden, dass wir alle früher oder
später sterben werden, wenn der Herr nicht in der Zwischenzeit
gekommen ist. Was also bedeutet dieser Vers? Wenn wir eine
Antwort suchen, machen wir gewöhnlich folgende Erfahrungen:
Erstens kommt alle echte Heilung von Gott. Wenn Sie krank gewesen
und dann genesen sind, können Sie Gott für die Heilung danken,
weil er die Quelle alles Heils ist. Einer der Namen Gottes im
Alten Testament ist Jahwe-Rapha – der HERR, dein Arzt. Jede wahre
Heilung kommt von ihm.
Zweitens kann der Herr alle Arten von Krankheiten heilen. Es
gibt für ihn keine unheilbare Krankheit.
Drittens kann der Herr durch Benutzung natürlicher Mittel im
Laufe einer gewissen Zeit heilen, aber auch durch ein
augenblickliches Zeichen. Seiner heilenden Kraft sind keine
Grenzen gesetzt.
Viertens heilte der Herr, als er hier auf Erden war, alle
Kranken, die zu ihm gebracht wurden (Mt 8,16).
Fünftens wird er während des Tausendjährigen Reiches
tatsächlich alle Krankheiten heilen (Jes 33,24; Jer 30,17) –
außer bei denen, die sich gegen ihn auflehnen (Jes 65,20b).
Aber was der Vers auch sonst noch bedeuten mag, er kann nicht
bedeuten, dass der Gläubige Anspruch darauf hat, alle Krankheiten
geheilt zu bekommen, weil wir an anderen Stellen des Psalms an
die Kürze unseres Lebens und die Gewissheit des kommenden Endes
erinnert werden (V. 15-16). Was mir der Vers sagt, ist dies: Wo
immer ein Gläubiger geheilt wurde, ist es Gottes Gnade gewesen,
und darum sollte er als der Heilende anerkannt und gepriesen
werden. 103,4 Er heilt aber nicht nur unsere Krankheiten, sondern
erlöst unser Leben auch von der Grube, dem Verderben. Natürlich
kann man das auf die Errettung vor der Hölle beziehen. Aber ich
meine, hier geht es um die beständige Bewahrung vor Gefahren,
Unfällen, Tragödien und dadurch vor dem Sinken ins Grab. Erst
wenn wir im Himmel sind, werden wir begreifen, wie oft wir durch
das persönliche Eingreifen unseres Gottes vor einem frühzeitigen
Tod bewahrt wurden. Die vierte Wohltat besteht darin, uns mit
Gnade und Erbarmen zu krönen. Das ist ein wunderbares Diadem für
solche, die früher lieblos und schuldig waren. Wir sind mit
ewiger Liebe geliebt und werden Tag für Tag mit seiner Gnade
überschüttet. 103,5 Dann wieder sättigt er uns mit Gutem, solange
wir leben. Das hebräische Wort hier ist ein wenig unklar.
Buchstäblich übersetzt heißt es »sättigt deine Zierde mit Gutem«.
Von daher hat man abgeleitet »dein Alter«, »deine Jahre« oder
»solange du lebst«. Aber auch wenn wir den genauen Wortsinn nicht
erkennen, besteht doch die Wahrheit, dass der Herr das Sehnen des
Herzens sättigt und den aufrichtig Wandelnden nichts Gutes
vorenthält. Das Ergebnis dieser fünf Wohltaten – Vergebung,
Heilung, Bewahrung, Krönung und Sättigung – ist die Erneuerung
unserer Jugend gleich der des Adlers. Krankheit und Gewalt mögen
den Körper schädigen, doch können sie den Geist nicht berühren.
»Wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch
der innere Tag für Tag erneuert« (2Kor 4,16). Auf der Erde gibt
es keinen Brunnen ewiger Jugend; aber der Geist kann von einer
Stufe der Kraft zur nächsten gehen. »Aber die auf den HERRN
hoffen, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie
die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden
nicht« (Jes 40,31).
Von dem Adler sagt man, er habe ein langes Leben und überragende
Kräfte. Aber auch sein Leben besteht nicht aus beständiger
Vitalität und erneuerter Jugend; auch er wird alt und stirbt.
Aber was der Psalmist damit sagen will, ist dies: Ein Mensch, der
in Gott zu Hause ist, erfreut sich dauernder Erneuerung und geht
von einer Kraft zur anderen, wie der Adler, der sich von einer
Höhe zur anderen aufschwingt.
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