Kol 3,12-13 So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und
Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut,
Langmut; ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen
den anderen zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat,
so auch ihr. (SCH2000)
Kommentar von MacDonald (CLV) 3,12 In Vers 10 hat Paulus gesagt,
dass wir den neuen Menschen angezogen haben. Nun zeigt er uns,
wie sich das in unserem täglichen Leben in die Praxis umsetzen
lässt. Zunächst spricht er die Kolosser als die »Auserwählten
Gottes« an. Das bezieht sich auf die Tatsache, dass sie von Gott
in Christus vor Grundlegung der Welt erwählt worden sind. Gottes
erwählende Gnade ist eines der Geheimnisse göttlicher
Offenbarung. Wir glauben, dass die Schrift eindeutig lehrt, dass
Gott in seiner Souveränität Menschen erwählt hat, zu Christus zu
gehören. Wir glauben nicht, dass Gott jemals jemanden zur
Verdammnis erwählt hat. Eine solche Lehre steht der Schrift
völlig entgegen. So wie wir an Gottes auserwählende Gnade
glauben, so glauben wir an die Verantwortung des Menschen. Gott
rettet Menschen nicht gegen ihren Willen. Dieselbe Bibel, worin
es heißt: ». . . auserwählt . . . nach Vorkenntnis Gottes« (vgl.
1. Petr 1,2; Anm. d. Übers.), sagt auch: »Jeder, der den Namen
des Herrn anrufen wird, wird errettet werden« (vgl. Röm 10,13;
Anm. d. Übers.). Als Nächstes spricht Paulus die Kolosser »als
Heilige und Geliebte« an. Heilig bedeutet hier geheiligt oder für
Gott von der Welt abgesondert. Wir sind von unserer Stellung her
heilig, und wir sollten in unserem Leben auch in praktischer
Hinsicht heilig sein. Weil Gott uns liebt, haben wir das
Verlangen, ihm auf jede Weise zu gefallen. Nun beschreibt Paulus
die christlichen Tugenden, die wir als Kleider »anziehen« sollen.
»Herzliches Erbarmen« beschreibt das mitleidsvolle Herz. »Güte«
spricht von selbstlosen Taten für andere. Es ist die Haltung der
Zuneigung und des Wohlwollens. »Demut« bedeutet die Bereitschaft,
auch niedrige Dienste zu verrichten und andere höher zu achten
als sich selbst. »Milde« zeugt nicht von Schwäche, sondern von
der Stärke, sich selbst zu verleugnen und allen Menschen
gegenüber in göttlich zugeeigneter Gnade zu wandeln. Vine
schreibt: Man nimmt allgemein an, dass jemand, der sanftmütig
ist, sich nicht durchsetzen kann. Doch auch der Herr war
»sanftmütig«, obwohl ihm die unendlichen Machtmittel Gottes zur
Verfügung standen. Wenn man es negativ beschreiben will, dann ist
Sanftmut das Gegenteil von Selbstbewusstsein und Eigeninteresse,
es ist Zufriedenheit des Geistes, die weder in Hochstimmung
versetzt noch verzweifeln lässt, einfach deshalb, weil sie sich
überhaupt nicht mit dem Ich beschäftigt.
Wenn »Demut« die »Abwesenheit von Stolz« ist, dann ist »Milde«
die »Abwesenheit von Zorn«. Mit »Langmut« ist Geduld, die sich
trotz provozierender Umstände nicht erbittern lässt, und
ausdauerndes Ertragen von Beleidigungen gemeint. Es gehören
Freude und eine freundliche Haltung anderen gegenüber dazu, die
mit dem Ausharren in Leiden einhergehen. 3,13 »Ertragt einander«
beschreibt die Geduld, die wir mit den Fehlern und Eigenarten
unserer Geschwister haben sollten. Wenn wir mit anderen
zusammenleben, ist es unausweichlich, dass wir ihre Fehler
kennenlernen. Wir benötigen oft die Gnade Gottes, um die
Eigenarten anderer zu ertragen, so wie es für sie schwer sein
muss, mit unseren zurechtzukommen. »Und vergebt euch gegenseitig,
wenn einer Klage gegen den anderen hat.« Es gibt nur wenige
Meinungsverschiedenheiten im Volk Gottes, die nicht schnell
gelöst werden könnten, wenn man diesen Aufforderungen folgen
würde. Vergebung sollte man anderen gegenüber üben, wenn sie sich
uns gegenüber versündigt haben. Wie oft hören wir die Klage:
»Aber der hat angefangen …« Das ist genau die Situation, worin
wir vergeben sollen. Wenn der andere nicht angefangen hätte, dann
gäbe es keine Ursache, Vergebung zu praktizieren. Wenn wir
derjenige sind, der angefangen hat, dann sollten wir hingehen und
um Vergebung bitten. Sind wir nachsichtig, nehmen wir nicht
Anstoß; leben wir in der Vergebung, rechnen wir Situationen nicht
mehr auf, wo wir Anstoß nahmen. Es kann wohl kaum einen größeren
Anreiz für Vergebungsbereitschaft geben, als in diesem Vers zu
finden ist: ». . . wie auch der Christus euch vergeben hat, so
auch ihr.« Wie hat Christus uns »vergeben«? Er vergab uns
grundlos. Dasselbe sollten auch wir tun. Er schenkte uns die
Vergebung. Dasselbe sollten auch wir tun. Sowohl in der Art und
Weise als auch im Ausmaß sollten wir unserem Herrn in dieser
wunderbaren Haltung folgen.
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