Es gibt Karrieren, die enden mit einem Abschiedsspiel. Und es
gibt Jan Zwischenbrugger, dessen Karriere mit einem Meniskusriss
und einem Stundenplan endete.
Zehn Jahre Altach, 233 Ligaspiele, davor drei Jahre und 83
Partien bei der Lustenauer Austria: Kaum jemand kennt das
Ländle-Derby von beiden Seiten des Rheins so gut wie er. Am
Samstag steigt es erstmals im neuen Lustenauer Stadion,
ausverkauft seit Wochen, und der Mann, der es jahrelang
mitgeprägt hat, wird es im Wohnzimmer schauen. Nicht aus Trotz,
sondern weil er sich bewusst von den Plätzen ferngehalten hat:
Tochter, Hausbau, Wochenenden, die zum ersten Mal seit zwanzig
Jahren keine Fixtermine mehr sind.
Stattdessen unterrichtet er Deutsch und Sport und stellt fest,
dass die Fußballexpertise im Lehrerzimmer stärker nachgefragt
wird als im Klassenzimmer. Dass eine Mittelschulklasse am
Montagmorgen leichter zu bändigen ist als ein Bundesligastürmer,
liegt an den Namen, die er aufzählt, wenn man ihn nach den
unangenehmsten fragt: Erling Haaland, Rasmus Højlund, Jonatan
Soriano.
Und dann ist da noch sein Ex-Klub, der nach vier Niederlagen in
Serie am Tabellenende steht und ausgerechnet im Derby beweisen
soll, dass das kein Zustand ist. Zwischenbrugger traut den
Altachern den Ball zu, seinem Freund Benedikt Zech die Stabilität
dahinter — und Lustenau die schnellen Nadelstiche. Nachhilfe in
Vorarlberger Fußballgeografie, gehalten von jemandem, der beide
Schulhöfe kennt.
Benedikt Zech gefällt das. Jan Zwischenbrugger wurde der Gruppe
"Turnstunde mit Bundesliga-Vergangenheit" hinzugefügt.
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Peter
K. Wagner
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