Hebr 12,1-2 Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben,
so lasst uns jede Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht
umstrickt, und lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der
vor uns liegt, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und
Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude
willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts
achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.
(Sch2000)
Kommentar von William MacDonald (CLV) 12,1 Wir sollten im
Gedächtnis behalten, dass der Hebräerbrief an Menschen in der
Verfolgung gerichtet ist. Weil sie das Judentum um Christi willen
verlassen hatten, stießen die Gläubigen auf großen Widerstand. Es
bestand die Gefahr, dass sie ihr Leiden als Zeichen verstehen
könnten, dass Gott an ihnen keinen Gefallen fände. Sie könnten
entmutigt werden und aufgeben. Wenn es am schlimmsten käme,
könnten sie versucht sein, zum Tempel mit seinen Zeremonien
zurückzukehren. Sie sollten nicht denken, dass ihr Leiden
außergewöhnlich war. Viele der Glaubenszeugen, die in Kapitel 11
beschrieben worden sind, litten sehr, weil sie dem Herrn treu
waren, und hielten dennoch aus. Wenn diese Zeugen unverzagt
ausharrten, wo sie doch viel weniger Vorrechte genossen, wie viel
mehr sollten wir ausharren, die wir die viel besseren Segnungen
Christi genießen. Die Heiligen des AT umgeben uns als »große
Wolke von Zeugen«. Das bedeutet nicht, dass sie Zuschauer der
Ereignisse auf Erden wären. Sie sind vielmehr Zeugen für uns
durch ihr Glaubensleben sowie ihr Ausharren und haben uns ein
großes Vorbild gegeben, dem wir nacheifern sollen. Dieser Vers
lässt unausweichlich die Frage aufkommen: »Können die Heiligen im
Himmel unser Leben auf Erden sehen oder vielleicht sogar wissen,
was kommt?« Das einzige Geschehen im Himmel, von dem wir in
dieser Hinsicht etwas Genaues wissen, umfasst die Bekehrung eines
Sünders: »So wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der
Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die die Buße
nicht nötig haben.« Das Leben des Christen ist ein Wettlauf, der
Disziplin und Durchhaltevermögen erfordert. Wir müssen uns von
allem trennen, was uns hinderlich sein kann. »Bürden« oder Lasten
können viele Dinge sein, die an sich harmlos sind und doch unser
Fortkommen behindern können. Dazu gehören z. B. materieller
Besitz, Familienbande, die Liebe zur Bequemlichkeit, mangelnde
Mobilität und vieles andere. Bei den olympischen Wettbewerben
gibt es keine Regel, die verbietet, Nahrungsvorräte oder Getränke
mit ins Rennen zu nehmen, doch ein Läufer könnte nie gewinnen,
wenn er sie mitnähme. Wir müssen auch »die uns so leicht
umstrickende Sünde ablegen«. Obwohl dies Sünde in jeder Form sein
kann, ist damit besonders die Sünde des Unglaubens gemeint. Wir
müssen auf die Verheißungen Gottes vollkommen vertrauen und auch
fest damit rechnen, dass ein Leben des Glaubens uns sicher zu
Siegern macht. Wir müssen uns vor der Vorstellung hüten, dass der
»Wettkampf« ein kurzer Sprint ist und alles im christlichen Leben
rosig sein wird. Wir müssen darauf vorbereitet sein, mit
Durchhaltevermögen auch Prüfungen und Versuchungen zu überstehen.
12,2 Während des gesamten Wettlaufs sollten wir alles andere aus
unserem Gesichtsfeld verbannen und unsere Augen auf »Jesus«
gerichtet halten, der vor uns herläuft. A. B. Bruce kommentiert:
Einer ragt aus der gesamten Menge heraus, … der Mann, der als
Erstes ein vollkommenes Leben durch Glauben in die Wirklichkeit
umsetzte, … der unbeirrt die bitteren Leiden am Kreuz ertrug und
der Schande nicht achtete, von einem Glauben aufrecht gehalten,
der sich so lebhaft die kommende Freude und Herrlichkeit
vorstellen konnte, dass das gegenwärtige Bewusstsein von Schmerz
und Schande überwunden wurde. Er ist der »Anfänger« oder der
Urheber »des Glaubens« in dem Sinne, dass er uns das einzige
vollkommene Beispiel dafür gegeben hat, wie ein solches im
Glauben geführtes Leben aussieht. Er ist auch der »Vollender des
Glaubens«. Er hat das Rennen nicht nur begonnen, sondern auch
siegreich beendet. Für ihn begann die Rennbahn im Himmel. Sie
erstreckte sich über Bethlehem, Gethsemane und Golgatha, ging
über das Grab hinaus und endete schließlich wieder im Himmel. Zu
keiner Zeit zögerte er oder wandte er sich um. Er hielt seine
Augen auf die kommende Herrlichkeit gerichtet, wenn alle Erlösten
mit ihm dereinst in Ewigkeit versammelt sein werden. Dies
ermöglichte es ihm, die »Schande nicht« zu achten und Leid sowie
Tod zu ertragen. Heute sitzt er »zur Rechten des Thrones Gottes«.
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