Tilda ist acht Jahre alt und hat uns eine Frage geschickt: Warum
können wir unsere eigene Nase nicht sehen? Sie sitzt mitten im
Gesicht, sie ist immer da - und man guckt sein ganzes Leben lang
drüber weg. Robin und Lou beantworten Tildas Frage. Und dabei
passiert etwas, mit dem niemand gerechnet hat. Denn die Antwort,
die fast überall steht, stimmt nicht. „Das Gehirn blendet die Nase
aus, weil sie sich nie verändert" - das hatte Robin auch geglaubt
und Tilda sogar so geschrieben. Es gibt diesen Effekt wirklich: Ein
Bild, das auf der Netzhaut ganz still steht, verblasst tatsächlich.
Nur gilt das für Dinge, die sich mit dem Auge mitbewegen. Die Nase
sitzt am Kopf, nicht am Auge - bei jeder Augenbewegung rutscht sie
an eine andere Stelle. Für die Nase passt die Erklärung also nicht.
Die echte Antwort ist einfacher und schöner: Was das eine Auge
hinter der Nase nicht sieht, sieht das andere. Das Gehirn nimmt das
Bild, in dem mehr zu sehen ist, und setzt beides zusammen. Dazu
kommt: Die Nase ist viel zu nah, um scharf gestellt zu werden.
Unscharf und nur von einem Auge gesehen - sie verliert diesen
Vergleich immer. Und die Entscheidung fällt nicht im denkenden Teil
des Gehirns, sondern ganz hinten im Kopf, lange bevor man etwas
merkt. Danach geht es um etwas, das noch verrückter ist: Jedes Auge
hat eine blinde Stelle, so breit wie drei Finger bei ausgestrecktem
Arm - und man merkt sie nie, weil das Gehirn sie zumalt. Forschende
in Osnabrück und Hamburg haben getestet, welchem Bild Menschen mehr
glauben: dem echten oder dem selbst ausgemalten. Es war das
ausgemalte. Die Folge sagt aber auch klar, dass das keine Panne
ist: Genau deshalb siehst du ein ganzes Bild und keine Löcher
darin. Das hörst du in dieser Folge Der Selbsttest, der sofort im
Hören funktioniert: ein Auge zu - und da ist sie Warum „sehen" und
„beachten" zwei verschiedene Sachen sind (Sockengefühl,
Brillenrand) Die verbreitete Erklärung - und warum sie für die Nase
nicht trägt Die echte Antwort: Was ein Auge nicht sieht, sieht das
andere Warum kein Auge die eigene Nase scharf stellen kann Wo im
Kopf die Entscheidung fällt - und dass es nicht der denkende Teil
ist Die blinde Stelle in jedem Auge und wie das Gehirn sie zumalt
Und eine Zahl, die wir bewusst nicht nennen - weil sie die Prüfung
nicht bestanden hat Für wen ist diese Folge? Für neugierige Kinder
ab 6 Jahren, die gern etwas an sich selbst ausprobieren. Für Eltern
und Großeltern zum Mitmachen - der Test funktioniert bei
Erwachsenen genauso. Für Lehrkräfte in Sachunterricht und Biologie
Klasse 1 bis 6 als Einstieg in Sehen und Wahrnehmung. Spielzeit
rund 13 Minuten. Probier das mal selbst - die Mitmach-Aufgabe Mach
ein Auge zu. Nur die flache Hand davor, die berührt dein Auge
nicht. Und jetzt schau mit dem offenen Auge zu deiner Nase hin,
schräg nach unten - nur mit den Augen, ohne den Kopf zu drehen.
Damit du nicht enttäuscht bist: Du siehst keine scharfe Nase. Du
siehst einen weichen hellen Keil am Rand, wie einen Berg im Nebel.
Und jetzt der beste Teil: Mach das andere Auge wieder auf. Sofort
ist der Keil weg. Die Regeln dazu: Mach das im Sitzen - nicht beim
Laufen, nicht auf dem Rad, nicht draußen an der Straße. Deine
Brille bleibt auf. Wenn du Kontaktlinsen hast: Hand nur davor, nie
ins Auge fassen. Drück nie auf dein Auge, und schau nicht in die
Sonne oder in eine Lampe. Ein paar Sekunden reichen - wenn es zieht
oder brennt, sofort aufhören. Und wenn deine Augen unterschiedlich
gut sehen: Dann geht der Test bei dir anders. Was du siehst, ist
dann genau richtig - nicht falsch. Wer ein Pflaster auf einem Auge
trägt, kennt den hellen Keil sowieso längst. Die blinde Stelle
selbst finden - Anleitung fürs Papier Das geht nicht im Hören,
dafür brauchst du ein Blatt Papier und einen Stift. Mal links ein
Kreuz und rechts einen Punkt, etwa 8 Zentimeter auseinander. Der
Punkt sollte kleiner als 2 Zentimeter sein. Leg den Stift weg.
Halte dein linkes Auge zu und schau mit dem rechten Auge auf das
Kreuz. Jetzt bewege das Blatt langsam vor und zurück, etwa im
Bereich von 25 bis 35 Zentimetern Abstand. Irgendwann ist der Punkt
weg - einfach verschwunden. Bei etwa 29 Zentimetern Abstand trifft
es genau. Wenn es unangenehm wird: aufhören, die Stelle läuft dir
nicht weg. Kapitel 00:00 Kurz vorweg und Tildas Frage00:52 Wirklich
wahr! Begrüßung01:10 Siehst du deine Nase wirklich nicht?02:13 Die
Antwort, die alle geben03:57 Die echte Antwort: das andere
Auge06:07 Probier das mal selbst07:55 Die blinde Stelle in deinem
Auge10:19 Wirklich-Wahr-Stempel: unsere Quellen11:20 Die Antwort in
einem Satz11:44 Outro und Cliffhanger zur Montags-Folge Häufige
Fragen zu dieser Folge Stimmt es nicht, dass das Gehirn die Nase
ausblendet, weil sie immer gleich bleibt? Für das Beachten stimmt
es - so wie du deine Socken mittags nicht mehr spürst. Für das
Sehen trägt es nicht. Der Effekt, auf den sich diese Erklärung
stützt, gilt nur für Bilder, die auf der Netzhaut still stehen. Die
Nase sitzt am Kopf und wandert bei jeder Augenbewegung mit.
Ausführlich in unseren Quellen. Wie viel Sichtfeld nimmt die Nase
weg? Das sagen wir bewusst nicht. Wir hatten eine Zahl gefunden,
aber die Messung dahinter hat gar nicht die Nase getestet -
dieselbe Forschungsgruppe kam auf derselben Seite ohne Nase zum
gleichen Wert. Was sich belegen lässt: Jedes Auge sieht nach außen
deutlich weiter als nach innen zur Nase. Liegt die Nase im blinden
Fleck? Nein, das ist ein häufiger Denkfehler. Der blinde Fleck
liegt etwa 15 Grad nach außen, die Nase jenseits von 60 Grad nach
innen - entgegengesetzte Seiten des Blickfelds. Zwei verschiedene
Phänomene, die nichts miteinander zu tun haben. Wie groß ist die
blinde Stelle wirklich? Etwa 4,8 bis 4,9 Grad im Durchmesser,
direkt gemessen an 24 beziehungsweise 27 Personen. Das entspricht
drei Fingern nebeneinander bei ausgestrecktem Arm - und zwar bei
Kindern und Erwachsenen gleichermaßen, weil kürzere Arme und
kleinere Finger sich gegenseitig ausgleichen. Quelle: Ehinger et
al., eLife 2017. Hat die Wissenschaft Tildas Frage schon erforscht?
Kaum. Es gibt viel Forschung über Augen, aber zur eigenen Nase im
Blickfeld fast nichts - genau genommen eine Übersichtsarbeit ohne
eigene Daten und eine Erwiderung darauf. Tildas Frage ist eine
offene Frage. Wenn dir diese Folge gefällt, hör auch Folge 042 -
Was ist da los? Warum Schleim das Schlauste ist, was dein Körper
baut Folge 041 - Wow! Warum kannst du dich nicht selbst kitzeln?
Folge 037 - Frag nach! Deine Nase kann 1 Billion Düfte Quellen und
Belege Ehinger, Häusser, Ossandón & König (2017), eLife - der
blinde Fleck, gemessen; und der Befund, dass wir dem ergänzten Bild
mehr glauben (Open Access) Spillmann, Otte, Hamburger &
Magnussen (2006), Vision Research - wie wenig Rand zum Auffüllen
genügt (Universitätsklinik Freiburg) Shimojo & Nakayama (1990),
Vision Research - warum das andere Auge übernimmt Leopold &
Logothetis (1996), Nature - wo im Gehirn die Entscheidung fällt
Tong & Engel (2001), Nature - der blinde Fleck im Sehrindenbild
Spector, Visual Fields, Clinical Methods - die Ausdehnung des
Gesichtsfelds (frei lesbar) Ovenseri-Ogbomo et al. (2012), Clin Exp
Optom - warum die Nase zu nah zum Scharfstellen ist Ditchburn &
Ginsborg (1952), Nature - der Effekt, der die Nase eben nicht
erklärt Wer steckt hinter Wirklich wahr!? Wirklich wahr! ist der
Wissenspodcast für Kinder ab 6 Jahren. Robin und Lou nehmen euch
dreimal pro Woche mit auf Neugier-Reisen - montags Wow!, mittwochs
Was ist da los?, freitags Frag nach!. Bei „Frag nach!" beantworten
wir Fragen, die Kinder uns geschickt haben. Staffel 4 heißt „Dein
Körper weiß mehr als du denkst" und läuft vom 7. September bis 2.
Oktober 2026. Wir sagen dir bei jedem Fakt, woher er kommt und wie
sicher sich die Forschung schon ist. Und wenn wir uns geirrt haben,
sagen wir das auch - in dieser Folge sogar mitten im Skript.
Schreib uns! Du hast auch eine Frage? Schick sie an
post@hearooz.de. Vielleicht wird daraus eine ganze Folge - so wie
bei Tilda. Eine Produktion von KB&B - Family Marketing Experts
für das Podcastlabel HEAROOZ. Mehr auf hearooz.de. Die Stimmen in
diesem Podcast sind KI-generiert. Alle Inhalte werden vor der
Produktion von Menschen recherchiert und geprüft. Mehr dazu auf
hearooz.de.
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