Der Videoschiedsrichter zieht Linien. Das ist sein halber Job:
eine beim Verteidiger, eine beim Angreifer, dazwischen die
Wahrheit. In Österreich zieht sie noch ein Mensch, per Hand,
dreimal hintereinander – Abspielzeitpunkt, Körperteil,
Körperteil. Drei Handgriffe für eine Entscheidung, die angeblich
schwarz-weiß ist.
David Reisenauer zieht auch Linien, nur andere. Der Vorstand
Spielbetrieb der Bundesliga verantwortet die Technik: die
Ausschreibung, den Wechsel von Hawk-Eye zu Sportec Solutions,
zwei zusätzliche Kameras pro Stadion plus Scoutingfeed. Im Lauf
des Herbstes hat der VAR damit mehr Bilder zur Verfügung als die
TV-Produktion, die uns daheim versorgt. Alles danach, alles was
mit Entscheiden zu tun hat: Linie überschritten. Dafür ist der
ÖFB zuständig.
Man kann diese Grenzziehung sauber finden. Man kann auch fragen,
warum der zuständige VAR-Manager des ÖFB für dieses Gespräch
nicht zur Verfügung stand. Und warum die Plattform, die bis
vergangene Saison jede Runde erklärt hat, was der VAR da
eigentlich tut, heute nur noch einen einzigen Satz kennt: Alle
News ab jetzt beim ÖFB.
Bald spricht der Schiedsrichter selbst ins Stadionmikrofon, die
geprüften Bilder laufen auf die Videowall. Transparenz, sagt die
Liga. Im Herbst, stadionindividuell. Warum er dafür nicht einfach
das Mikro des Stadionsprechers ausborgt, wird auch geklärt.
Und die Kurve singt weiter, ihr macht unseren Sport kaputt.
Reisenauer hört das. Mit nach Hause, sagt er, nimmt er es nicht.
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