Der Tod spielt in jeder ernstzunehmenden Philosophie eine
extravagante Rolle. Diese bewegt sich zwischen zwei Polen, der
emotionslosen, rationalen Anzeige der Endlichkeit auf der einen
und der existentialistisch ultimativen Bedrohung des Sinns auf
der anderen Seite.
Der Tod kommt dabei als das Nichts daher, das dem Sein und dem
Sinn entgegensteht, und damit paradoxerweise, im Gewahrwerden der
eigenen Endlichkeit, doch wieder ein erhabenes Gefühl für
die Unendlichkeit oder einer anderen Wirklichkeit vermittelt.
Levinas nun treibt die existentialistische Sinnebene auf die
Spitze, in dem er den Tod eben nicht wieder, im Sinne der
abendländischen Philosophie und des Cogito ergo sum, primär
vom eigenen einsamen, nur auf sich bezogenen Subjekt versteht.
Der Tod ist vielmehr für ihn der Tod des Menschen, der mir
begegnet, der Tod des sogenannten Anderen. Es ist dies für
Levinas die absolute Bedrohung jenseits aller eigenen
psychischen Disposition, und damit seine besondere Form der
Unendlichkeit.
Levinas nimmt das Subjekt damit nicht durch sich selbst, sondern
durch den Mitmenschen in eine metaphysisch moralische Geiselhaft,
der es nie entkommen kann.
Haben wir, nach langer vergeblicher Suche, damit vielleicht
doch einen archimedischen Punkt gefunden, der uns die künstliche
Intelligenz moralisch zähmen lässt.
Denn ist nicht die künstliche Intelligenz nur dadurch so mächtig
geworden, weil sie die ultimative Konsequenz des rationalen, auf
sich bezogenen Subjekts ist, und sie den Menschen im funktionalen
Denken damit so weit hinter sich lassen kann?
Nur dadurch gelingt ihr doch die komplette Assimilation alles
Wirklichen in ihre eigene, alles menschliche
integrierende, superintelligible Totalität.
Wir werden sehen. Es ist einen Versuch wert.
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