Herbert und Mara nehmen sich die Figur vor, auf der die halbe
Wirtschaftstheorie ruht: den vollkommen rationalen Menschen.
Herbert beschreibt den homo oeconomicus der Lehrbücher — ein Wesen,
das alle Informationen kennt, alle Folgen durchrechnet und stets
die beste Wahl trifft. Mara stutzt: So entscheidet doch niemand,
den sie kennt. Genau hier öffnet sich der Widerspruch. Kein Mensch
verfügt über vollständige Information, unbegrenzte Zeit und
grenzenlose Rechenkraft. Der Nobelpreisträger Herbert A. Simon
nannte das die begrenzte Rationalität: Wir maximieren nicht, wir
nehmen das erste, das gut genug ist — wir suchen nicht das Beste,
sondern das Ausreichende. Wir arbeiten mit Faustregeln, mit
Gewohnheiten, mit dem, was gerade verfügbar ist, und lassen uns
davon lenken, wie eine Wahl uns vorgelegt wird. Durch die drei
Linsen wird sichtbar, was jede einzelne übersieht: Im Markt
verhalten sich Menschen nicht wie das Modell — sie folgen
Daumenregeln statt dem Optimum, weshalb Märkte anders reagieren,
als die Theorie erwartet; die Institutionen — Standardverträge,
Voreinstellungen, Normen, Routinen — sind zum Teil dazu da, die
Komplexität zu bändigen, die unser Kopf nicht fasst; und die Macht
liegt bei dem, der die Entscheidung gestaltet, der die
Voreinstellung setzt und den Rahmen wählt, in dem wir wählen, denn
wer die Auswahl arrangiert, lenkt sie, ohne zu zwingen. Darüber
liegt wieder das Gezeitenbild: Kein Lotse berechnet jede Strömung;
er liest ein paar Marken und fährt nach Erfahrung. Die vollkommene
Rechnung ist eine Fiktion; die Näherung ist das, womit wir
tatsächlich navigieren. Übergang nicht als Störung, sondern als
Grundzustand. Die Folge prägt das Glossarwort begrenzte
Rationalität. Dieser Podcast basiert auf einem Originalskript von
Dr. Herbert-Michael Zapf. Er ist Professor für Wirtschaft,
Geopolitik und Strategie an der ESCP Business School in Paris und
an der Brest Business School (BBS) in Brest. Die Audiofassung wurde
mit Unterstützung von Google NotebookLM produziert und redaktionell
überarbeitet. Herbert ist auf dem Cover als reale Person zu sehen;
Mara ist ein fiktiver, KI-generierter Avatar ohne reales Vorbild.
Beide Podcaststimmen wurden mithilfe künstlicher Intelligenz
erzeugt.
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