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  4. „Man kann ja eh nichts ändern" – die größte Lüge unserer Zeit
„Man kann ja eh nichts ändern." Dieser Satz ist die bequemste
Kapitulation unserer Zeit — und er ist historisch schlicht
falsch. Ich beginne dort, wo es uns am meisten angeht: Mai 1955.
Ein besetztes Sieben-Millionen-Land schickt Raab und Figl nach
Moskau, und am Vortag der Unterzeichnung verhandelt Figl die
Kriegsschuld-Passage aus der Präambel des Staatsvertrags — er
überzeugt Molotow persönlich. Wer heute erklärt, gegen Brüsseler
Verordnungen oder verkrustete Institutionen sei kein Kraut
gewachsen, sollte sich von einer Generation beschämen lassen, die
mit deutlich schlechteren Karten deutlich Größeres erreicht hat.
Dann die Beweisführung in Serie. Die Cliodynamik-Forschung um
Peter Turchin dokumentiert vier historische Fälle, in denen
Gesellschaften am Rand des Abgrunds umsteuerten — vom England der
Corn Laws bis zur amerikanischen Progressive Era. Lee Kuan Yew
machte aus einem Hafen ohne Rohstoffe mit 516 Dollar pro Kopf die
94.897-Dollar-Gesellschaft von heute — Faktor 184, seit 2010
dauerhaft reicher als der Ex-Kolonialherr. Jerry Rawlings, der
ambivalenteste Fall: Ich benenne die Exekutionen von 1979
vollständig — und erzähle dann, wie derselbe Mann 1983 als
Marxist den IWF ins Land holte, die Inflation von 123 Prozent
brach und 2001 die Macht verfassungsgemäß an seinen Gegner
übergab. Ghana ist heute eine von nur zwei „freien" Demokratien
Westafrikas. Und Javier Milei: Hier mache ich den Prognosen-TÜV
in eigener Sache. 2024 habe ich ihn einen „populistischen
Giganten auf tönernen Füßen" genannt — heute stehen 2,1 Prozent
Monatsinflation statt 25,5, zwei Jahre Fiskalüberschuss, Armut
von 52,9 auf 28,2 Prozent und ein Zwischenwahlsieg mit 40,7
Prozent in den Büchern. Wo ich falsch lag, sage ich es. Zum
Schluss die Galerie: Erhard, der 1948 die Preise ohne Erlaubnis
der Besatzer freigab; Deng, dessen Reformen 800 Millionen
Menschen aus der Armut holten; Joseph II.; und Washington, der
Macht zurückgab — zweimal. Ein Wort zur Ehrlichkeit, das mir
wichtig ist: Die argentinische Erholung ist nicht schmerzfrei —
die katholische Universität UCA meldet für das erste Quartal 2026
einen Wiederanstieg der Armut auf 30 Prozent, die Reallöhne
hinken, die Rentnerproteste laufen, und das $LIBRA-Verfahren ist
offen; all das kommt in der Sendung vor. Rawlings' Erfolge
rechtfertigen die Gewalt von 1979 nicht — die Lehre stammt aus
1983 und 2001, nicht aus dem Blut. Und die berühmte
Clay-Erhard-Anekdote („Meine Berater sagen dasselbe") ist
Überlieferung, kein Protokoll — ich kennzeichne sie so. Die These
braucht keine Beschönigung: Das „Unmögliche" wurde oft genug
möglich gemacht — von Leuten mit schlechteren Ausgangslagen als
unserer. THEMEN DER SENDUNG - Österreich zuerst: Wie Figl am 14.
Mai 1955 die Kriegsschuld-Klausel hinausverhandelte - Die
Forschung: Vier dokumentierte Fälle, in denen Eliten reformierten
statt kollabierten - Lee Kuan Yew: Faktor 184 — und die
Piccadilly-Anekdote vom unbemannten Zeitungsstand - Die
Singapur-Checkliste: Rechtsstaat, unabhängige Justiz, ehrliche
Verwaltung, Überschüsse - Jerry Rawlings: die Exekutionen von
1979 — und die doppelte Wende von 1983 und 2001 - Ghana heute:
eine von zwei „freien" Demokratien Westafrikas - Milei im
Prognosen-TÜV: meine Skepsis von 2024 gegen die Zahlen von 2026 -
Von 25,5 auf 2,1 Prozent Monatsinflation; Armut von 52,9 auf 28,2
— und die UCA-Warnung - Der Zwischenwahlsieg: 40,7 Prozent und
das gesicherte Veto-Drittel - Vaca Muerta: Rekordförderung und
der größte Energieüberschuss seit 2006 - Die Galerie: Erhard
1948, Deng 1978, Joseph II., Washington und Cincinnatus - Was
alle verbindet: Realitätsanker, Institutionen, Koalitionen — und
Machtverzicht als Krönung - Warum „man kann eh nichts ändern"
keine Analyse ist, sondern eine Kapitulation BÜCHER ZUR SENDUNG
Lee Kuan Yew, „From Third World to First" · Peter Turchin, „End
Times" · Christopher Clark, „Iron Kingdom" · Thomas Sowell,
„Knowledge and Decisions" · Niall Ferguson, „Civilization"
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