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Beschreibung
vor 1 Jahr
In einem kürzlich geführten Gespräch mit Professor Bai Tongdong
in Shanghai kritisiert der amerikanische Philosoph Michael Sandel
den überhöhten Stellenwert von Bildung in der Politik
progressiver Parteien. Zwar sei Bildung grundsätzlich wertvoll,
doch werde sie heute oft als einzige Antwort auf soziale
Ungleichheit betrachtet – mit problematischen Folgen. Wer nicht
aufsteigt, gilt als selbst schuld. Dieses Denken verschärft laut
Sandel die Spaltung zwischen Gewinnern und Verlierern in
einer meritokratischen Gesellschaft, in der Erfolg als
persönlicher Verdienst erscheint und Scheitern als individuelles
Versagen.
Sandel zeigt, dass dieser Glaube an Meritokratie – die Idee, dass
Leistung alles rechtfertigt – zur moralischen Überheblichkeit der
Erfolgreichen und zur Demütigung der weniger Privilegierten
führt. Statt Menschen auf den „Wettbewerb der Leistung“
vorzubereiten, müsse Politik die Frage stellen, wie eine
Gesellschaft gestaltet werden kann, in der auch Menschen ohne
Hochschulabschluss ein gutes und geachtetes Leben führen können.
Zentral sei dabei die Rückbesinnung auf die Würde der
Arbeit – unabhängig vom Bildungsgrad.
Sandel ruft zu einer neuen Politik des Gemeinwohls auf, die
soziale Anerkennung gerechter verteilt und echte Solidarität
wieder ins Zentrum stellt.
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