Kommentar: Sven Beckert und die Geschichte des Kapitalismus

Kommentar: Sven Beckert und die Geschichte des Kapitalismus

vor 7 Monaten
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Beschreibung

vor 7 Monaten

Wenn wir heute über den Kapitalismus sprechen, dann meist als
Krisensystem – soziale Spaltung, Klimazerstörung, geopolitische
Konflikte. Oft erscheint er alternativlos und naturgegeben. Genau
hier setzt der Historiker Sven Beckert an. In seinem neuen
Werk Kapitalismus. Geschichte einer
Weltrevolution zeigt der Harvard-Professor, dass
Kapitalismus keine natürliche Wirtschaftsform ist, sondern eine
historische Erfindung – geprägt von globalen Verflechtungen,
staatlicher Macht, Innovation, aber auch von Gewalt, Sklaverei
und Ausbeutung. Kapitalismus war, so Beckert, „von Anfang an
global“: Er verband Plantagen in Amerika mit Fabriken in Europa,
Kolonialherrschaft mit Finanzkapital und schuf damit das erste
weltweite System wirtschaftlicher Abhängigkeiten. Seine Dynamik
beruhte nie auf Gleichheit, sondern auf Ungleichheit – und genau
daraus bezog er seine Kraft. Beckerts zentrale These: Wir leben
heute nicht in einer Welt der Knappheit, sondern in einer Welt
der Möglichkeiten. Die Frage ist nicht mehr, ob genug produziert
werden kann, sondern wie verteilt, geschützt und gestaltet wird.
Damit wird Kapitalismus wieder diskutierbar – historisch,
politisch, gesellschaftlich.
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