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Beschreibung
vor 6 Monaten
Was vielfach als Rückzug der Vereinigten Staaten aus der
internationalen Ordnung beschrieben wird, erweist sich bei
näherer Betrachtung als tiefgreifende Umdeutung ihres
außenpolitischen Selbstverständnisses. Der Abbau multilateraler
Bindungen, die selektive Anwendung völkerrechtlicher Normen und
die gleichzeitige Bereitschaft zu militärischer und ökonomischer
Machtausübung deuten nicht auf Isolationismus, sondern auf eine
strategische Reorganisation amerikanischer Ordnungspolitik. Der
Beitrag ordnet diese Entwicklung historisch ein, rekonstruiert
den Wandel des Völkerrechts von der kolonial geprägten
Staatenordnung über den universalistischen Anspruch der
Nachkriegszeit bis zur Gegenwart und analysiert die aktuelle
US-Politik als funktionale Rückkehr von Großraumlogiken. Im
Zentrum steht die Frage, ob sich die Vereinigten Staaten von der
Rolle des Garanten einer universellen Rechtsordnung verabschieden
und sich zunehmend als ordnende Macht eines begrenzten
geopolitischen Raums begreifen – mit weitreichenden Folgen für
die internationale Ordnung.
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