Apropos ... ADHS bei Frauen!

Apropos ... ADHS bei Frauen!

24 Minuten
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Warum wir ticken, wie wir ticken – und was Du draus machen kannst!

Beschreibung

vor 1 Monat

Es hat Jahre gedauert, bis bei Anja Matthausch eine
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung – kurz ADHS -
diagnostiziert wurde. Auch wenn die Veranlagung bereits von
Geburt an mitgegeben wird, so zeigen sich gerade bei Frauen die
Symptome oft nicht eindeutig. Bei ADHS liegt eine neurologische
Veränderung im Gehirn vor. Es ist eine Stoffwechselstörung, keine
psychologische Störung. Und sie ist sehr individuell ausgeprägt.
Anja Matthausch veranschaulicht am eigenen Beispiel, wie sie
ihren Alltag mit ADHS gestaltet. Was den Umgang mit ADHS angeht,
gehören Akzeptanz und liebevolle Anerkennung unbedingt dazu. Zu
wenig wahrgenommen werde das Thema in der Öffentlichkeit. Ihr war
es ein Herzenswunsch, ihr Anliegen mitzuteilen.


Das ADHS-Gehirn möchte überall hin, nur nicht
geradeaus


Eine große Herausforderung ist das Energiemanagement. ADHSler
sind schneller erschöpft. Alles kostet mehr Energie und wird eher
anstrengend als bei normalen Menschen. Es fällt schwer, mehrere
Dinge gleichzeitig zu tun oder in zu schneller Abfolge. Ein Bild,
das die Schwierigkeit mit ADHS verdeutlicht, ist, dass man auf
der Autobahn fährt und ständig das Auto mit dem Lenkrad wieder
zurück auf die Spur bringen muss. „Die Natur des ADHS-Gehirns
ist, dass es überall hinmöchte, nur nicht geradeaus“, sagt Anja
Matthausch.


Warum ADHS bei Frauen schwierig zu diagnostizieren
ist


Weibliche Hormone und damit verbundene Zyklusschwankungen oder
Emotionen erschweren die Diagnostik bei Frauen. Es gibt kein
stabiles Symptombild. Hinzu kommt die Sozialisierung. Während
Männer dahin tendieren, eher zu delegieren, haben Frauen einen zu
hohen Anspruch an sich selbst und nehmen zu viele Dinge an.
Verhaltensweisen werden oft als Persönlichkeitsmerkmale
verstanden, auch vom ADHSler selbst. Dies im Umfeld zu
kommunizieren ist eine weitere Aufgabe. Nach außen benennt sie
ihre Störung selten. Eher kommuniziert sie es über die Bitte zur
Hilfestellung.


Kein Zeitgefühl – Tools für den Alltag


Struktur ist ein großes Wort im Kontext von ADHS. Wichtig ist es,
Leitplanken, innere Strukturen zu schaffen. ADHSler können sich
nur schlecht lenken und dies nur mit größerem Aufwand. Es gibt
nicht den linearen Weg. Viele Dinge müssen sie anders angehen.
Darum braucht es Hilfestellungen. Auch deswegen, weil ADHSler
kein gutes Zeitgefühl haben. Etwas passiert jetzt, oder
irgendwann. Methoden, welche den Alltag erleichtern können, sind
die Zeit fühlbar zu machen. Sinnvoll sind Kalender und
Timer-Systeme, aber auch digitale Tools und Blätter Papier, auf
denen alles festgehalten wird, was nicht behalten werden kann.


Mit oder ohne Medikamente und Bewegung für die
Ruhe


Je nach Ausprägung kann der Einsatz von Medikamenten minimiert
werden. Er kann aber auch sehr hilfreich sein, sagt sie. Um mit
weniger auszukommen, brauche es ein Umfeld, das genügend Freiraum
bietet, um eigene Strukturen setzen zu können. Ein zu begrenztes
Umfeld schränkt ADHSler ein.  Zur Ruhe kommt Anja Matthausch
über körperliche Aktion. Hilfreich sind moderates Training wie
Yoga, Radfahren oder Joggen. So bekomme sie Ruhe in den Kopf. Das
gelingt besser über die Bewegung, als über mentale
Gedankenarbeit. Förderlich ist auch ein minimalistischer
Lebensstil. „ADHSler können nicht gut priorisieren. Darum ist es
besser, nicht alles zu voll zu packen. Je weniger Entscheidungen
ein ADHSler treffen muss, umso besser“, sagt Anja Matthausch.
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freuen uns auf dein Feedback! Marion und Saskia vom Podcast-Team

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