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  4. Nicht die Gerechten Mt 9,9-13
Als ich vor Jahren am Fest des Apostels Matthäus in der Heiligen
Messe das Evangelium gerade gelesen, das Buch verehrt und auf den
Ambo zurückgelegt hatte, sah ich, dass mein damals vielleicht
zehnjähriger Neffe mit seiner Mutter flüsterte. Sie sagte ihm, er
solle sich mit seiner Frage nach der Messe an mich wenden: „Onkel
Georg, warum ruft Jesus die Sünder und nicht die Gerechten?“,
fragt er mich später vor der Sakristei.

„Tja, was meinst Du?”, frage ich ihn, um etwas Zeit zu gewinnen.
Er denkt kurz nach.

„Vielleicht, weil die Gerechten ja schon bei ihm sind und die
Sünder nicht?“ Hätten wir es dabei belassen, wäre es ein kurzes
Gespräch gewesen. Also frage ich zurück: „Und, meinst Du, dass es
viele gibt, die so gerecht sind, dass sie von Jesus gar nicht
mehr gerufen werden müssen?“ „Nee“, meint er, und grinst
verschmitzt, „irgendwann muss jeder gerufen werden.“

Einige Jahre später spricht mich an genau derselben Stelle vor
der Sakristei eine Frau an. „Also ich kenne einige, die gerade in
der Messe waren, für die das sehr, sehr wichtig war, was Sie
heute gesagt haben!“ Da fällt mir das erste Gespräch wieder ein
und dass es eben doch Menschen gibt, die sich für so gerecht
halten, dass sie meinen, das Wort Jesu ginge vor allem die
Anderen an.

Caravaggio stellt auf dem Bild der Berufung des Matthäus (in der
Kirche San Luigi dei Francesi in Rom,
https://de.wikipedia.org/wiki/Berufung_des_Hl._Matth%C3%A4us#/media/Datei:Caravaggio_(1571-1610)_-_De_roeping_van_Matte%C3%BCs_(1599-1600)_-_Rome_San_Luigi_dei_Francesi_10-01-2011_12-07-56.png)
den Moment dar, in dem Matthäus sich fragt, ob der Ruf Jesu
eigentlich ihm gilt. Er zeigt mit dem Finger auf sich selbst, und
das Gesicht mit den weit offenen Augen scheint zu fragen: Meinst
Du mich?

Es muss sein ganzes Leben geprägt haben, von diesem Wort
unbegreiflicherweise gemeint zu sein: „Folge mir nach!“

Fra’ Georg Lengerke
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„Nicht die Gerechten Mt 9,9-13“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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