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  4. Nur nicht wie die anderen Lk 18,9-14
„Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen
bin,“ sagt der Pharisäer im Gleichnis (Lk 18,11). „Die anderen
Menschen“, das sind Räuber, Betrüger, Ehebrecher

oder auch „dieser Zöllner dort“, der ganz hinten im Tempel vor
sich auf den Boden schaut.

Es ist das eine, dankbar dafür zu sein, wie ich bin. Es ist etwas
anderes, dankbar dafür zu sein, wie ich nichtbin.

Das Problem mit dem Pharisäer ist nicht, dass er sich für anders
hält als die anderen, sondern, dass er sich für besser hält.

Das Problem ist nicht, dass er kein Sünder sein will, sondern,
dass er meint, keiner zu sein.

Das Problem ist nicht, dass er fromm ist und betet, sondern, dass
er „bei sich“ betet und zu sich selbst, letztlich sich selbst
anbetet und mit Gott verwechselt

Es kann ja durchaus richtig sein, nicht so sein zu wollen wie die
anderen: Eine der größten Versuchungen des Volkes Gottes von den
frühen Tagen der biblischen Offenbarung bis in die Kirche unserer
Tage ist die, so sein zu wollen „wie alle anderen Völker“ (1Sam
8,20). Der Apostel Paulus mahnt die Christen, „nicht wie die
anderen“ zu sein, „die keine Hoffnung haben“ (1 Thess 4,13).

Heute würde er uns vermutlich daran erinnern, dass wir nicht so
sein oder werden sollen, wie jene, die sich – von ihren
unverstandenen und übermächtigen Gefühlen hingerissen – von
totalitären Ideen und ihren Denkern ideologisch verführen lassen.

Aber es gibt auch ein verzweifeltes, törichtes
„Anders-sein-Wollen“ als alle anderen. Und das ist leider nicht
auf die Pubertät beschränkt. Es gibt Menschen, die sind so sehr
mit ihrer eigenen Identität beschäftigt, dass andere Menschen in
ihrer Wahrnehmung nur noch als Hilfen oder Hindernisse bei ihrer
Identitätsfindung vorkommen.

Viele meinen genau zu wissen, wie sie nicht sind, wissen aber
keineswegs, wie sie sind. Wer den ganzen Tag mit seinem
Anders-Sein beschäftigt ist, der verpasst das Sein, das
Miteinander-Sein und das Füreinander-Sein.

Ob als Stadtbewohner oder Wohnungsnachbar, als Kunde oder
Besucher, als Freund oder Verwandter, als Seelsorger oder als
Priester: Je näher ich Menschen an mich heranlasse, umso häufiger
und unausweichlicher werde ich daran erinnert, dass ich mitten
unter Sündern lebe – und einer von ihnen bin.

Unter Heuchlern und Lügnern,

unter Dieben und Betrügern,

unter Ehebrechern und Pornosüchtigen,

unter Selbstmitleidern und Mitläufern,

unter Zeittotschlägern und Lebensmüden.

Und ich frage mich täglich, wie das in diesem Dschungel denn
bitte gehen soll mit der Heiligkeit Gottes, zu der wir berufen
sind.

Vielleicht so:

Guter Gott,

vor vielem im Leben der anderen

bin ich bewahrt worden.

Ich danke Dir.

Ansonsten bin ich wie sie – nur anders.

DU wirst ein Mensch wie ich – nur anders.

Damit ich werde wie DU – nur anders.

Gott, sei uns Sündern gnädig.

Amen.

Fra' Georg Lengerke
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„Nur nicht wie die anderen Lk 18,9-14“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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