Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche
  1. Startseite
  2. Podcasts
  3. BetDenkZettel Podcast
  4. Der Felserne Mt 16,13-20
„Wer man ist, das weiß man selbst am besten“, sagte dieser Tage
eine Politikerin in den Abendnachrichten über den
Kabinettsbeschluss zum neuen Selbstbestimmungsgesetz.

Ich habe da meine Zweifel. Manche Menschen kennen sich besser,
manche schlechter. Und viele wollen sich am liebsten gar nicht
kennen lernen, sondern jemand sein, der sie nicht sind. Und wenn
sie das dann erkennen und der Enttäuschungsschmerz nachlässt,
werden sie freier und froher als je zuvor.

Auch ich habe lange gebraucht, um mich halbwegs zu kennen. Dieser
Lernweg verlief über ziemlich schmerzhafte Umwege. Ohne Menschen,
die mich lieben und erkannt haben, was in mir steckt, was ich
vermag, wie und wer ich bin, wüsste ich sehr wenig von mir. Ohne
die ernüchternde, erhellende und bewährende Erfahrung meiner
selbst im Umgang mit ihnen würde ich wahrscheinlich noch immer
manchen Traum verteidigen von jemandem, der ich nicht bin und den
es nicht gibt.

In den Berufungsgeschichten der Evangelien geht es oft um das
Erkennen Jesu und das Erkanntwerden von ihm. Auch in dem Gespräch
zwischen Jesus und Petrus während der Reise an die Jordanquellen
bei Caesarea Philippi. Jesu fragt, was die Leute und was die
Jünger vom ihm sagen.

„Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“, bekennt
Petrus. Und daraufhin hört er, wer er selbst ist: „Du bist
Petrus“, sagt Jesus zu dem, den er gerade noch mit seinem Namen
„Simon Barjona“, „Simon, Sohn des Johannes“ angesprochen hatte.

Über die Bedeutung des Namens Petrus ist viel nachgedacht worden.
Das Wort kommt vom griechischen petra, der Fels. Der griechische
Name Petros heißt also nicht der Fels, sondern eher der Felserne.
Das kann sich entweder auf seine eigene Person beziehen, der die
Eigenschaften eines Felsens (wie Stabilität und Festigkeit)
zugeschrieben werden, oder auf seine Verbundenheit mit einem
Felsen, an dem er Halt und ein Fundament findet und so auch
selbst zu einer Festigkeit, Klarheit und Entschiedenheit kommt,
die ihm ohne die Verbindung zu diesem Felsen nicht eigen wäre.

Ich neige zu der letzteren Deutung. Denn im Evangelium wird uns
von Petrus beides gesagt: dass er eine gutwillige, dominante und
meinungsstarke Führungsfigur ist (und sein will), und dass er
zugleich ungestüm, zu schnell im Urteil, zu sehr von sich
überzeugt und am Ende feige ist und seinen Herrn verrät.

Beides, seine Stärken und Schwächen, wird Simon noch schmerzlich
kennen lernen. In der Verbundenheit mit Jesus, der ihn bis auf
den Grund erkannt hat, wird er lernen, sich selbst zu erkennen
und sich anzunehmen, zu wachsen und zu lieben und in all dem ein
Petros zu werden.

Der Felsen, auf dem die Kirche gebaut ist, ist nicht Petrus,
sondern Jesus selbst – und die Beziehung zu ihm. In diesem Sinne
deutet der heilige Paulus den Korinthern die Erzählung des
wasserspendenden Felsens, der mit dem Volk Israel durch die Wüste
zieht: „Sie tranken aus dem geistgeschenkten Felsen, der mit
ihnen zog. Und dieser Fels war Christus.“ (1 Kor 10,4)

Die Kirche, so könnte man sagen, ist darauf gebaut, dass Menschen
in Jesus Gott erkennen und von ihm erkannt werden. Petrus ist
„der Felserne“, weil er mit dem Felsen verbunden ist und von dem
Felsen her lebt, der Christus ist. Ihn hat er mit Gottes Hilfe
erkannt. Von Ihm lässt er sich erkennen. Durch Ihn lernt er sich
kennen und wird immer mehr der, der er von Gott her ist. Mit Ihm
erkennt er auch seine Nächsten und lernt sie lieben, damit auch
sie sich selbst und einander erkennen und in der Liebe wachsen.

Die Felsverbundenheit des Petrus ist ein Zeugnis, das im Dienst,
im Amt und in der Person des Nachfolgers Petri weitergegeben
wird.

Aber die Einladung, die Petrus und seine Nachfolger zu bezeugen
haben, ergeht an alle: Wir dürfen Christus erkennen und uns von
ihm erkennen lassen – und mit ihm auch einander erkennen.

Denn keiner kennt sich selbst von alleine. Den Menschen erkennt
nur, wer ihn liebt.

Fra' Georg Lengerke
Episode melden

„Der Felserne Mt 16,13-20“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

Abonnenten

Teilen

Mein Archiv

Deine Privatkopie der Folgen, die du nicht verlieren willst.

Podcast-Folgen verschwinden. Feeds werden auf die letzten Episoden gekürzt, Hoster räumen alte Dateien ab, Formate wechseln den Anbieter und lassen ihr Archiv zurück. Mit „Mein Archiv“ sichert podcast.de die Folgen deiner Podcasts für dich — angefangen bei den ältesten, denn die sind zuerst weg.

  • Deine gesicherten Folgen bleiben hörbar, auch wenn das Original offline geht.
  • Auch Folgen, die im heutigen Feed gar nicht mehr stehen — podcast.de kennt sie noch.
  • Herunterladen bleibt möglich, solange die Folge beim Podcaster liegt. Der zählt seine Abrufe wie bisher.
Startet bald

Sei beim Start von Mein Archiv dabei

Mein Archiv ist fast fertig. Trag dich ein, dann bekommst du eine E-Mail, sobald es losgeht – und bist von Anfang an dabei. Wir schreiben dir nur zum Start, keine Werbung, keine Weitergabe deiner Daten.

Du bekommst zuerst eine Bestätigungsmail. Abmelden geht jederzeit. Datenschutz