Holger ruft an Archiv
264 Episoden
30 Minuten
**Gast: Judith Raupp** In deutschen Medien ist vor allem dann über den Kongo zu lesen, wenn eine Ebola-Epidemie ausgebrochen ist oder Rebellengruppen neue Orte einnehmen. Wie die Menschen ihren Alltag unter dieser Besatzung bewältigen, ist für deutsche Redaktionen weniger relevant. Dabei ist es auch wichtig, diese Geschichten zu erzählen, findet die Journalistin Judith Raupp, die seit 15 Jahren im Ostkongo lebt. Allerdings sei es nicht leicht, Redaktionen von Geschichten abseits von Kämpfen und Krankheit zu überzeugen.
37 Minuten
**Gast: Eva Wolfangel, Journalistin und KI-Expertin** Seit Monaten wabert eine Angsterzählung durch Medien und geht um die ganze Welt: Wird Künstliche Intelligenz uns alle umbringen? Im Juli hackten KI-Agenten ungefragt eine andere Plattform; die Chefs der KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI warnten vor dem UN-Sicherheitsrat vor ihrer eigenen Technologie; und ein ehemaliger KI-Forscher von Anthropic behauptete: Bis zum Ende des Jahrzehnts könne Künstliche Intelligenz die Menschheit auslöschen. Gleichzeitig hält der Chef des europäischen KI-Konzerns Mistral deren drastische Warnungen nur für eine Scheindebatte. Wer hat denn jetzt recht? Und wohin führt uns die Debatte über eine angebliche KI-Apokalypse überhaupt?
26 Minuten
Gast: Jens-Christian Rabe, SZ-Journalist und Comedy-Experte Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass das „ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann im Dezember zum letzten Mal ausgestrahlt wird. Seitdem wird viel in das Ende der Sendung hineininterpretiert. Klar ist jedenfalls: Mit seiner Mischung aus Unterhaltung und investigativer Recherche hat Böhmermann in den vergangenen Jahren viele Debatten geprägt – auch wenn es immer wieder Kritik an den Sendungen gab.
20 Minuten
**Gast: Johannes Schneider, Redakteur im politischen Feuilleton der „Zeit“** Es sei eine „relativ gut schnorrende Sendungsmaschine“ gewesen, sagt Johannes Schneider. Der Kulturjournalist und Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ hat sich am Wahlabend die Berichterstattung von ARD und ZDF über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt angesehen. Seine Kritik: Es seien Sendungen gewesen, „in denen die AfD sehr stark normalisiert wurde“. An verschiedenen Stellen, sagt Schneider, hätte er lieber „ein widerständigeres Fernsehen gesehen“. Doch die Kollegen seien sehr in der Deckung geblieben.
46 Minuten
**Gast: Lea Sahay, China-Korrespondentin der SZ** Aus Nepal sah man zerstörte Dörfer, hörte Interviews mit Betroffenen, sah die Bergung der Leichen. Und aus Tibet? Auch dort hatte die Flut katastrophale Auswirkungen. Doch unabhängige Bilder aus der von China kontrollierten Region gibt es nicht. Der chinesische Staat zensiert alles, was nicht seinem Wunschbild entspricht.
22 Minuten
**Gast: Lars Frohmüller, freier Journalist beim MDR** Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September steht kurz bevor. Für den MDR, der über das Bundesland berichtet, steht in diesem Jahr mehr auf dem Spiel als sonst: Stellt die AfD die Regierung, will sie den MDR „als erste Amtshandlung“ abschaffen – so steht es in ihrem Wahlprogramm. Das wäre theoretisch auch möglich. Kündigt die AfD direkt nach den Wahlen den MDR-Staatsvertrag, dürfte der ab 2029 nicht mehr in Sachsen-Anhalt senden. Wie denken darüber die Journalisten, die dort für den MDR arbeiten?
24 Minuten
**Gast**: Christian Spiller, Leiter der Sportredaktion der „Zeit“ „Woran hat es jelegen?“ Diese Floskel steht für inhaltsleere Interviews mit Athleten, die sie TV-Journalisten direkt nach dem Wettkampf geben. Wirklich spannende Einblicke gewähren solche Gespräche selten. Erfrischend anders lief es aber bei der Leichtathletik-EM in Birmingham. Dort sprachen Sportler überraschend ehrlich und emotional ins Mikrofon. Manche Athleten beschwerten sich im Nachhinein auch über zu kritische Fragen. Stellt sich die Frage: Was sollen diese Sportlerinterviews eigentlich?
21 Minuten
**Gast: Luis Paulitsch, Medienethiker** Rechtsalternative Portale wie der „Deutschland-Kurier“ oder „Tichys Einblick“ verbreiten seit einigen Jahren verstärkt Klimaskepsis und Klima-Desinformationen, die über soziale Medien sehr viele Menschen erreichen.
21 Minuten
**Gast: Daniel Drepper, Vorsitzender von „Netzwerk Recherche“** Ohne das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) wäre der Maskendeal des damaligen Gesundheitsministers Jens Spahn wohl nie ans Licht gekommen. Auch nicht die Lobby-Affäre von Philipp Amthor oder das Maut-Desaster um das Unternehmen „Toll Collect“. Denn mit Anfragen nach dem IFG können nicht nur Journalisten, sondern alle Bürger Informationen und Dokumente von Behörden einfordern. Doch aktuelle Pläne der Bundesregierung, das Gesetz zu überarbeiten, sorgen vor allem in der Medienbranche für scharfe Kritik.
20 Minuten
**Gast: Jürgen Döschner, ehemaliger Journalist und Klimaexperte** Die Hitzerekorde der vergangenen Wochen haben auch die Medien nicht kalt gelassen. Sämtliche Nachrichtenportale waren voll mit Servicemeldungen zur Hitzevermeidung, Wetterwarnungen sowie Texten über mangelnde Klimaanpassung in der Infrastruktur und Ursachen für den Klimawandel. ARD und ZDF zeigten sogar Sondersendungen zur Hitze. Bekommt die Klimakrise jetzt endlich die notwendige Aufmerksamkeit?
25 Minuten
Gast: Techjournalist Gregor Schmalzried Was haben Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und Ex-Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff gemeinsam? Sie alle haben Texte in deutschen Medien veröffentlicht, die offenbar maßgeblich von einer KI verfasst worden waren. Und seitdem diese Fälle an die Öffentlichkeit gekommen sind, diskutiert die Branche darüber, wie ein legitimer Gebrauch von Künstlicher Intelligenz im Journalismus eigentlich aussehen könnte.
21 Minuten
**Gast: Benedikt Till, Medienpsychologe** Wir haben auch hier bei Übermedien schon häufig die Berichterstattung über Terroranschläge und Amokläufe kritisiert: Zu häufig verbreiten Medien vorschnell falsche Informationen, bedienen mit Fotos oder Videos Schaulust und spekulieren über das Motiv von Tätern. Wie erst vor einem Jahr, beim Amoklauf an einer Schule in Graz. Was genau alles falsch läuft, hat der Medienpsychologe Benedikt Till gemeinsam mit der Kommunikationswissenschaftlerin Brigitte Naderer wissenschaftlich untersucht.
25 Minuten
**Gast: [Ronny Blaschke, Journalist und Autor]** Nächste Woche beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in den USA, Mexiko und Kanada. Rund 50.000 Journalisten haben sich dafür akkreditiert. Doch diese WM ist anders. Verschiedene Organisationen, darunter Reporter ohne Grenzen und das Committee to Protect Journalists, haben eine deutliche Reisewarnung ausgesprochen. Sie weisen Journalisten und Fans auf die eingeschränkte Meinungsfreiheit in den USA hin. Medienvertreter müssten unter anderem damit rechnen, dass bei der Einreise ihre Laptops und Social-Media-Kanäle durchleuchtet werden. Und auch danach sei Vorsicht geboten.
18 Minuten
**Gast: Eva-Maria Schnurr, Leiterin Geschichtsressort beim „Spiegel“** Seit Wochen bewirbt der „Spiegel“ sie prominent auf seiner Startseite: die durchsuchbare Datenbank, mit der Leserinnen und Leser zur NSDAP-Vergangenheit ihrer Verwandten recherchieren können. Machbar wurde das, weil die US-Nationalarchive im März den Mitgliederkatalog der NSDAP online veröffentlichten. Das nahm nicht nur der „Spiegel“, sondern auch die „Zeit“ zum Anlass, aus den vielen Daten mithilfe von Künstlicher Intelligenz ein Recherchetool zu bauen. Auch „Correctiv“ und „Katapult“ versuchten sich an einer gemeinsamen Datenbank, mussten diese jedoch wegen unsauberer Quellenarbeit wieder offline nehmen. Aber wie valide ist das Ganze eigentlich? Der „Spiegel“ musste sich auch Kritik gefallen lassen: Nicht immer würden Namen richtig erkannt, weitere online einsehbare Dokumente nicht wie versprochen verlinkt oder gar irreführende Treffer ausgegeben.