vertikal horizontal. Glaubens- und Gewissensfragen Archiv
24 Episoden
45 Minuten
Was bedeutet es für die Kirchen, wenn sich die Bundeswehr auf einen militärischen Konfliktfall vorbereitet? Der sogenannte „Geistliche Operationsplan“ rückt die Seelsorge im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall in den Blick. Militärseelsorger begleiten Soldatinnen und Soldaten, hören ihre Ängste und sprechen mit ihnen über Verantwortung und Gewissen. Doch wie lässt sich der militärische Auftrag mit der christlichen Friedensbotschaft vereinbaren? Wie unabhängig ist die Seelsorge innerhalb der Bundeswehr? Welche Unterstützung finden Menschen, die den Dienst an der Waffe verweigern? Und wer begleitet muslimische Soldatinnen und Soldaten?
30 Minuten
Bis 2035 wollen Landeskirchen und Bistümer im Norden einen entscheidenden Schritt zur Klimaneutralität schaffen. Damit stehen die Kirchen vor enormen Herausforderungen: Gebäude sind energetisch zu sanieren, Fuhrpark, Einkauf und Verbrauch müssen klimagerechter werden. Eine besonders komplizierte Aufgabe ist es, zu erreichen, dass auch verpachtetes Kirchenland klimagerechter bewirtschaftet wird. Worin sind vorhandene Widerstände begründet? Und wie lässt sich das Konfliktpotenzial bei kirchlicher Landverpachtung verringern?
29 Minuten
Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar 2020 wird in einer breiteren Öffentlichkeit über die Möglichkeit zum assistierten Suizid diskutiert. Prominente Beispiele wie das der Kessler-Zwillinge machen immer wieder deutlich: Menschen wollen für sich das Recht in Anspruch nehmen, selbstbestimmt aus dem Leben zu gehen. Das steht jedoch im Widerspruch zum Selbstverständnis christlicher Sterbebegleitung. Zwar hat das Bundesverfassungsgericht auch bekräftigt, niemand könne dazu verpflichtet werden, Suizidhilfe zu leisten. Doch dürfe es Menschen nicht unmöglich gemacht werden, freiwillig ihr Leben zu beenden. Wie gehen kirchliche Einrichtungen mit dieser Herausforderung um?
37 Minuten
In den vergangenen Jahren hat sich eine eigenständige Islamische Theologie entwickelt. Doch bisher haben nur wenige Imame und Seelsorgerinnen eine gut bezahlte Stelle in einer Moscheegemeinde gefunden.
37 Minuten
Den einen Schöpfergott, der in sieben Tagen die Welt erschafft, gab es in Erzählungen im Asiatischen Raum nie. Vielmehr existiert dort bis heute eine Vielzahl an unterschiedlichsten Geschichten mit vielfältigen Göttern und Schöpferwesen. In China ist es der Riese P’an Ku, der aus einem Weltenei schlüpft, in Indien zählt man an die 500 Schöpfungsmythen, auch dort entsteht die Welt aus einem Ei, oder wird ein riesiger Milch-Ozean zu Schaum geschlagen. Wie kann man diese bunte Vielfalt mit der Schöpfung durch den einen Gott, wie sie im Christentum, Judentum und Islam gelehrt wird, vergleichen? Warum entstand in Asien nicht auch eine monotheistische Religion? Und was hält zum Beispiel die Kommunistische Partei Chinas von den traditionellen Schöpfungsgeschichten?
35 Minuten
25 Jahre nach dem 11. September 2001 blicken wir auf die Folgen für das gesellschaftliche Klima und das interreligiöse Zusammenleben in Deutschland, vor allem in Norddeutschland. Was hat dieser 11. September für Ängste erzeugt, Misstrauen gegenüber muslimischen Menschen ausgelöst, wie hat er zu Ressentiments geführt, zu Polarisierungen in der Gesellschaft? Zudem: Was hat 9/11 aber auch freigesetzt an Bemühungen zur Integration muslimischer Menschen, zum Beispiel in Schulen und Universitäten?
35 Minuten
Aus Chaos wird Ordnung, aus Leere die Welt. So kennen wir die biblische Schöpfungsgeschichte. Im Judentum wird diese Geschichte im Tanach erzählt, dem Ersten Buch Mose. Doch wie werden die alten Texte interpretiert? Wie haben die Rabbinen über Jahrtausende hinweg Fragen gestellt und Antworten gefunden? Etwa, wenn es um die Schöpfung des Menschen geht? Und wie blickt das Judentum auf den weltschöpfenden Gott? Um diese Fragen geht es in der neuen Ausgabe von Vertikal Horizontal „Gott als Künstler. Die Schöpfung aus jüdischer Sicht“.
36 Minuten
Die mobile Circus- und Schaustellerseelsorge begleitet Menschen, die einen Großteil des Jahres unterwegs sind, bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen und persönlichen Krisen und passt sich dabei ihrem besonderen Lebens- und Arbeitsrhythmus an. Während die Schaustellerseelsorge für viele von ihnen selbstverständlich ist und schätzungsweise rund 80 Prozent einer der beiden großen Kirchen angehören, steht die evangelische Arbeit finanziell unter Druck: Nach den bisherigen EKD-Beschlüssen sollen bis 2030 rund 71 Prozent der Mittel wegfallen. Der Podcast „vertikal horizontal“ begleitet Seelsorger Friedrich Brandi auf dem Hamburger Dom und zeigt, warum Gottesdienste zwischen Achterbahn und Ausschank mehr sind als eine kuriose Randerscheinung – und warum Schausteller um den Erhalt ihrer Seelsorge kämpfen.
25 Minuten
Von Anfang 1942 bis Ende 1944 wurden in Auschwitz mehr als eine Million Menschen umgebracht. Unter ihnen waren 27 Sinti aus Ravensburg, vom kleinen Kind bis zum Greis. Eine Stele an der Ravensburger St. Jodoks-Kirche erinnert an sie. Noch heute leben Sinti unweit des ehemaligen Internierungslagers „Ummenwinkel“. Das Kunstwerk der „Graue Bus“ in Weissenau gedenkt der Euthanasieopfer oder das jüdische Museum in Bad Buchau an die Vertreibung und Ermordung jüdischer Bürger im Nationalsozialismus. Zeitzeugen, Nachkommen der Opfer, Mitarbeiter des NS-Dokumentationszentrums und engagierte Bürger kommen zu Wort.
25 Minuten
Als ältestes Kloster auf deutschem Boden gilt die Benediktinerabtei Tholey im Nordsaarland. Doch auch 1.400 Jahre nach ihrer ersten urkundlichen Erwähnung ist die Abtei heute alles andere als eine Klosterruine - auch wenn es Anfang des 21. Jahrhunderts fast danach aussah: Kaum noch Mönche, die Bausubstanz zerfiel, der Abt trat zurück. Heute gilt die Abtei St. Mauritius allerdings als geistliches Zentrum in der grenznahen Region zwischen Pfalz und Frankreich, aber auch weit darüber hinaus. Nicht ohne vielfältige Schwierigkeiten konnte die Abtei seit 2008 umfangreich saniert werden, auch die Abteikirche aus dem 13. Jahrhundert, die zu den ältesten gotischen Kirchen Deutschlands zählt. Seit 2020 ist das katholische Gotteshaus zu internationaler Bekanntheit gelangt, denn es wurden drei Fenster des Künstlers Gerhard Richter sowie weitere Fenster der deutsch-afghanischen Künstlerin Mahbuba Maqsoodi eingebaut. Aber moderne Weltkunst würde das älteste deutsche Kloster wohl nicht so lebendig machen wie monastische Gastfreundschaft - unter anderem kulinarisch: Mehr Zeit in der Küche als in der Kirche verbracht haben soll der 2025 plötzlich und unerwartet verstorbene Abt Mauritius. Wie gelingt es den derzeit elf Mönchen, darüber hinaus Lebendigkeit auszustrahlen, attraktiv zu bleiben für spirituell begeisterte Pilgerinnen wie auch weniger religiös motivierte Touristen? Oliver Buchholz hat einen Tag in der Abtei Tholey verbracht, um herauszufinden: Was macht diesen Ort heilig?
25 Minuten
Schon als Bad Wilsnack zum ersten Mal in mittelalterlichen Urkunden auftaucht, geht es um ein Wunder. 1383 war das brandenburgische Städtchen in der Nähe der Elbe niedergebrannt worden. In den Trümmern der Kirche fanden sich drei Hostien. Darauf: rote Tropfen - Blut, davon war man im Mittelalter fest überzeugt. Als Ort, an dem Leib und Blut Jesu Christi greifbar sind, wurde Bad Wilsnack mit seiner neu aufgebauten Wunderblutkirche zum Wallfahrtszentrum. Inbrünstiger Glaube verband sich mit handfestem Tourismus - das ist bis heute geblieben. Wobei der Glaube an das Blutwunder inzwischen deutlich abgeklungen ist. Aber noch immer ist die Wunderblutkirche ein heiliger Ort, der auf seine Umgebung ausstrahlt: beim Kirchenrave genauso wie bei der Suche nach Heilung im Kurbad.
25 Minuten
Es ist der zweitgrößte Hindu-Tempel Europas: Der Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel – und er steht in einem Gewerbegebiet im westfälischen Hamm-Uentrop. Nah am Wasser durch den Datteln-Hamm-Kanal - wie es die Rituale erfordern. Die Geschichte dieses Ortes beginnt Ende der 80er Jahre: Der junge Tamile Arumugam Paskaran flieht vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka und landet in Hamm. Dort richtet er zunächst einen kleinen Andachtsraum ein für die vor allem in Südindien verehrte Göttin Kamakshi. Inzwischen ist der Tempel in Hamm-Uentrop nicht nur spirituelles Zentrum für tausende Hindus in ganz Deutschland, sondern auch ein Ort des Dialogs zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Religionen. Das jährliche Tempelfest zieht regelmäßig über 20.000 Menschen an.
25 Minuten
Die besonderen Buchenwälder im Nationalpark Kellerwald sind seit 2011 UNESCO Welterbe und seit jeher ein Kraftort für viele. Jahrhunderte alte Knorreichen bieten Lebensraum für Urwald-Reliktarten - seltene Käfer und Insekten, deren Vorfahren noch die Dinosaurier kannten. Seit Urzeiten gilt der Wald als heiliger Ort. Er war der ursprüngliche Lebensraum unserer Vorfahren. Natur-Therapeutin Jessica Schmitz erlebt diese tiefe Verbindung beim Waldyoga. Bei einer Wildniswanderung lenkt Rangerin Renée Prochnow den Blick der Besucher wieder ganz bewusst auf unsere Grundbedürfnisse. Durchatmen und Staunen! Gott suchen und nah sein in der Natur – dazu drängte es die Menschen schon immer. Auf der Quernst, einer bewaldeten Anhöhe mit Weitblick auf den Kellerwald, beteten angeblich schon die alten Germanen. Diese Tradition haben die Menschen vor Ort wieder aufleben lassen und eine kleine Kapelle mitten im Nationalpark gebaut. Das ist einzigartig in Deutschland. Ein heiliger Ort inmitten urzeitlicher Wildnis.
29 Minuten
Auf dem Heiligengeistfeld ist der Teufel los. Dreimal im Jahr findet hier „der Dom“ statt – eines der größten Volksfeste in Deutschland. „Der Dom“ heißt so, weil früher, als hier noch die Kathedrale stand, die Gaukler und Marketender bei Hamburger Schietwetter im Gotteshaus ihre Dienste anboten. Neben dem „Dom“ überragt das Heiligengeistfeld ein eher unheiliger Ort: ein Flak-Bunker aus dem 2. Weltkrieg, der heute mit Fassadenbegrünung Hotelgäste und Clubbesuchende anzieht. Von dem Hochbunker schaut man direkt aufs „Millerntor“: jenem legendären Stadion des FC St. Pauli, das für viele Fans durchaus ein heiliger Ort ist. Aber wem ist schon bewusst, dass das ganze Viertel mit dem Rotlichtmilieu mittendrin den Namen eines Heiligen trägt: des Apostel Paulus? Gut, der katholische Kiezpfarrer weiß das natürlich. Schließlich ist seine Kirche – wie er gern betont – „der älteste Club auf St. Pauli“.
25 Minuten
Auf dem riesigen Gelände des Altöttinger Kapellplatzes können Tausende unterkommen. In der Mitte des Platzes steht die Gnadenkapelle, im Kern aus dem 8. Jahrhundert. Darin, im Halbdunkel der Kerzen, wartet die berühmte schwarze Madonna auf die vielen zehntausend Pilger, die immer noch jedes Jahr kommen, allein, in Gruppen, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Bus. Altötting ist eine Marke. Außen an der Gnadenkapelle zeugen unzählige Votivtafeln davon, dass die Mutter Gottes wirklich geholfen hat: in der Not, Krankheit und Gefahr. Geronnener Wunderglaube aus Jahrhunderten. Altötting wirbt damit, das „Herz Bayerns“ zu sein: auf jeden Fall ist es das Herz des bayerischen Katholizismus. Apropos Herz: makaberer Fakt, die Wittelsbacher Könige und Kurfürsten haben dort über Jahrhunderte in Altötting ihre Herzen bestatten lassen, ganz nah an der rätselhaft schwarzen Madonna. Wer heute Altötting besucht, lernt viel über die bayerische Geschichte und Lebensart, über die ganz spezielle Beziehung zu Maria, der „Patrona Bavariae“, zu Reliquienverehrung und Devotionalienhandel. Die Bedeutung als europäischer Wallfahrtsort ist dabei nicht zu unterschätzen. Drei Päpste waren hier. Die Pilger sind international.