Archivradio – Geschichte im Original Archiv
1016 Episoden
11 Minuten
Am 25. Juni 1991 beginnt das ehemalige Jugoslawien zu zerbrechen. Slowenien und Kroatien erklären ihre Unabhängigkeit. Sie wollen sich damit von der Herrschaft des serbischen Präsidenten Milosevic befreien, der in den Jahren zuvor die Provinzen immer mehr entmachtet und diktatorische Züge angenommen hat. Slowenien und Kroatien sind die beiden nördlichsten und wirtschaftlich stärksten Provinzen. Ihre Unabhängigkeit wollten sie eigentlich erst einen Tag später erklären, aber dann prescht zunächst Kroatien vor. Daraufhin schafft auch Slowenien noch am selben Abend Fakten. Dass Serbien die Unabhängigkeitserklärungen nicht einfach so akzeptieren würde, war klar, doch die Regierung in Belgrad ging gleich schon am nächsten massiv gegen die abtrünnigen Staaten vor. Die Länder der Europäischen Gemeinschaft erkannten Slowenien und Kroatien noch nicht gleich als unabhängige Staaten an. Das passierte erst ein halbes Jahr später, vor allem auch der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher setzte sich dafür ein, als Versuche, durch Verhandlungen die Gewalt einzudämmen nicht geholfen haben.
13 Minuten
Bundesligaprofis werden heimlich dafür bezahlt, dass sie Spiele verlieren – ein solcher Skandal fliegt 1971 auf. Ein Vereinspräsident lässt die Bombe platzen: Horst-Gregorio Canellas von Kickers Offenbach. Er feiert am 6. Juni 1971 seinen 50. Geburtstag und lädt prominente Gäste ein: Nationaltrainer Helmut Schön, die Spitze des DFB und die wichtigsten Vertreter der Sportpresse. Seine Gäste überrascht Canellas mit Tonbandaufnahmen.
26 Minuten
Im Zentrum des Strafprozesses am 20. Dezember 1961 im Bezirksgericht Frankfurt/Oder stand eigentlich nicht die Brandstiftung, sondern etwas ganz anderes: Praedel hatte als Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg an einem Erschießungskommando gegen sowjetische Zivilisten teilgenommen. Dafür war er von einem Sowjet-Gericht zu Zwangsarbeit verurteilt, 1955 jedoch begnadigt worden. Der Umstand, dass er dennoch einen Hass auf die Sowjetunion und die DDR entwickelte, führte für Richter Walter Ziegler zur Diversion, also der schweren Schädigung der DDR. Abgesegnet von der Justizministerin Hilde Benjamin und vom Minister für Staatssicherheit Erich Mielke erging nach einem Verhandlungstag das Todesurteil.
1 Stunde 27 Minuten
Am 16. August 1961 hörte Praedel, wie viele DDR-Bürger, die Rede des Berliner Bürgermeisters und späteren Bundeskanzlers Willy Brandt zum Mauerbau: „Wir wissen, welcher Hass, welche Bitterkeit, welche Verzweiflung heute und in diesen Tagen in ihren Herzen wohnt. Wir wissen, dass nur die Panzer sie zurückhalten, ihrer Empörung freien Lauf zu lassen!“ Ab da wollte Walter Praedel die DDR schädigen, und er suchte sich dafür einen Tag mit günstigem Wind und ohne Zeugen aus, den 12. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1961. Zwei Scheunen mit Heu brannten nieder, bevor die Feuerwehr anrückte und die beiden Viehställe vor dem Überschlagen der Flammen schützte. Praedels Alibi, er sei auf der Toilette gewesen, war schnell widerlegt. Er kam noch am selben Tag in U-Haft.
1 Stunde 30 Minuten
Walter Praedel war ein einfacher Mann. Er arbeitete bei der Feuerwehr, als Wald- und Erntearbeiter und zuletzt als Ofenbauer beim VEB Schamottewerk in Bad Freienwalde/Oder. Seine Kollegen und Verwandten mochten ihn. Vor dem Bau der Berliner Mauer reiste er ab und zu aus dem Osten der DDR nach Westberlin, besuchte Verwandte und nahm einige Male an Treffen der Pommerschen Landsmannschaft teil, einer erzkonservativen Vereinigung, die die Grenzen von 1945 wieder herstellen wollte. Hier entstand sein Vorbehalt gegen die DDR. Weiter trug dazu bei, dass er regelmäßig spätnachmittags den Westberliner Rundfunksender RIAS hörte. Als das Stalldach seiner Schwägerin trotz mehrerer Versprechen von der LPG nicht repariert wurde, schlug Praedels Aversion in Hass um.
1 Stunde 30 Minuten
Walter Praedel war 50 Jahre alt, als er im Oktober 1961 eine Scheune im Dorf seiner Schwägerin anzündete. Niemand kam ums Leben. Am 20. Dezember 1961 wurde ihm der Prozess gemacht. Im Januar 1962 starb er in Leipzig unter dem Fallbeil.
55 Minuten
Der Landarbeiter Walter Praedel hörte Willy Brandt im Radio und zündete am 7. Oktober 1961 – dem Jahrestag der DDR-Gründung – zwei Scheunen an. Niemand wurde verletzt. Der Strafprozess in Frankfurt/Oder im Dezember 1961 dauerte nur wenige Stunden und endete mit einem Todesurteil. Warum wurde Walter Praedel zum Tod verurteilt? Beklemmende Aufnahmen eines DDR-Strafprozesses. Von Maximilian Schönherr und Gábor Paál. | Manuskript zur Sendung: http://swr.li/prozess-praedel | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de | Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen
20 Minuten
Als der Prozesstag kurz vor Mitternacht endet, ersuchen Elli Barczatis und Karl Laurenz um richterliche Gnade. Beide werden im Dezember 1955 mit dem Fallbeil hingerichtet. – Ausführliche Hintergrundinformationen zum Prozess: http://swr.li/barczatis-laurenz
7 Minuten
Staatsanwalt Lindner erklärt den Verstoß der Angeklagten gegen Artikel 6 der DDR-Verfassung und fordert die Todesstrafe für beide wegen "Boykotthetze". Elli Barczatis schreit vor Entsetzen.– Ausführliche Hintergrundinformationen zum Prozess: http://swr.li/barczatis-laurenz
Der Spion, den sie liebte | DDR-Strafprozess gegen Elli Barczatis und Karl Laurenz | 23.9.1955 (3/5)
2 Stunden 36 Minuten
Laurenz erzählt, wie man ihn wegen parteischädigenden Verhaltens aus der SED ausschloss. Nach einer Verhaftung fand er keine Arbeit. Der Richter erkundet das Verhältnis von Laurenz zur SED. Laby lernte er als vermeintlichen Vertreter westdeutscher Bergbaumaschinen kennen. Laurenz dementiert einige Aussagen aus seiner U-Haft als Fehler. Die Folterung in U-Haft kommt nicht zur Sprache. Auf Fragen des Richters sagt Laurenz aus, dass Elli Barczatis nur sehr widerwillig Auskunft über politische Dinge gegeben hätte. – Ausführliche Hintergrundinformationen zum Prozess: http://swr.li/barczatis-laurenz
2 Stunden 11 Minuten
Elli Barczatis berichtet am 23.9.1955, dass sie die Treffen von ihrem Freund Laurenz mit Clemens Laby bis zu ihrer Verhaftung für rein kollegial hält. Als Vertraute von Ministerpräsident Otto Grotewohl konnte Barczatis Dokumente aus seinem Büro an Laurenz weitergeben. Sie glaubte, ihm so bei seiner journalistischen Arbeit zu helfen. Richter Ziegler fragt, woher der DDR-kritische Einfluss gekommen sei? "Auch von Laurenz," sagt sie und von westdeutschen Zeitungen. Damit endet die Vernehmung. – Ausführliche Hintergrundinformationen zum Prozess: http://swr.li/barczatis-laurenz
5 Minuten
Am Morgen des 23. September 1955 eröffnet der zweithöchste Richter der DDR, Walter Ziegler, den Prozess. Er schließt die Öffentlichkeit aus. Damit wird das Verfahren zu einem Geheimprozess. Nur Stasi-Mitarbeiter dürfen bleiben. Er fragt die Angeklagten nach Name, Geburtsdatum und Wohnadresse. Die eigentlich darauffolgende Verlesung der Anklage fehlt auf dem Mitschnitt. – Ausführliche Hintergrundinformationen zum Prozess: http://swr.li/barczatis-laurenz
55 Minuten
Der SED-Politiker Otto Fleischer wurde 1952 verhaftet, 1953 nach einem einwöchigen Schauprozess verurteilt. Die Stasi hat das Verfahren auf Tonbändern mitgeschnitten. Ein Gespräch zwischen Gábor Paál und Maximilian Schönherr mit zahlreichen Originalausschnitten.
1 Stunde 4 Minuten
Der DDR-Strafprozess gegen Otto Fleischer, Professor für Bergbau, und sieben weitere Bergbauexperten ist zu Ende. Wir hören die Verkündung des Urteils und die ausführliche Urteilsbegründung vom 26. September 1953. Die Angeklagten sind zermürbt und flehen das Gericht an.
16 Minuten
Am vorletzten Prozesstag, dem 25. September, dürfen sich die Angeklagten äußern. Der Staatsanwalt hat sein Plädoyer gehalten und für den Hauptangeklagten Otto Fleischer lebenslänglich gefordert. Zu hören ist das Ende von Fleischers sehr emotionaler Rede, gefolgt von den Ausführungen der viel gefassteren Mitangeklagten.
Archivradio – Geschichte im Original
Das Archivradio macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Historische Tonaufnahmen und Radioberichte vom Ersten Weltkrieg bis (fast) heute.