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Grimms Brüder - Der Eichsfeld-Podcast Archiv

41 Episoden
1 Stunde 36 Minuten
Sie ist eine Wundertüte, kündigt sie selbst zu Beginn an, und genau das wird diese Folge. Gisela Reinhardt, aufgewachsen als ältestes von sechs Kindern in einer Bäckerei in Holungen, ist zu Gast bei Grimms Brüder und erzählt aus einem Leben voller Wendungen, Ideen und Begegnungen. Wir sprechen über eine Kindheit zwischen Backofen und Laientheater, über den Weg als jüngste Souffleuse und erste DJ Nordthüringens bis fast an die Schauspielhochschule. Über die Landwirtschaft, in der sie den Lehrlingen das Melken beibrachte, obwohl sie es selbst kaum konnte, und über eine bittere Zeit als LPG-Vorsitzende kurz vor der Wende. Und über ihre eigentliche Berufung: fast 25 Jahre bei der Lebenshilfe, wo sie Bücher, Theaterstücke, Kochshows und ein Schulungsprojekt für den Umgang mit Menschen mit Behinderung ins Leben rief. Dazu berichtet Gisela Reinhardt von ihren Interviews mit Größen wie Tony Marshall und „Heinz Becker" und von einem Abend in Vietnam, an dem alte Erinnerungen an die DDR plötzlich wieder lebendig wurden. Und sie erzählt, warum sie heute als Trauerrednerin die richtigen Worte findet, wo anderen die Sprache fehlt.
1 Stunde 24 Minuten
Als Dreijähriger stand er auf dem Marktplatz in Niederorschel und dirigierte den Chor seines Vaters. Heute steht Dominik Beykirch vor großen Orchestern in ganz Deutschland. In dieser Folge erzählt der Dirigent, wie ihn eine Kindheit als Kantorensohn geprägt hat, warum seine Klavierlehrerin ihn irgendwann nach Weimar weiterreichte und wie aus dem Pianisten ein Dirigent wurde. Wir sprechen darüber, was ein Dirigent eigentlich tut, wenn die Musiker die Noten doch vor sich haben, und warum das ein bisschen wie Fußballtraining ist: Strategie, Psychologie, Menschenführung. Es geht um zehn Jahre am Deutschen Nationaltheater Weimar, um sein Debüt an der Semperoper Dresden, um wiederentdeckte Opern wie Lancelot und Samson und um die Frage, wie man ein Orchester für sich gewinnt, ohne sich anzubiedern. Außerdem: Buhstürme bei Premieren, ein zerbrochener Taktstock mitten in der Salome und ein Tipp für alle, die sich bisher nicht in die Oper trauen. Eine kluge, humorvolle Folge über eine Kunst, die nur im Moment existiert.
1 Stunde 39 Minuten
Er war 1990 der erste frei gewählte Bürgermeister von Leinefelde und hat eine Stadt durch ihre schwerste Zeit geführt: Gerd Reinhardt, Jahrgang 1945, ist zu Gast bei Grimms Brüder. In dieser Folge erzählt der gebürtige Leinefelder von seinem Weg vom Lehrer ins Rathaus und davon, was es heißt, eine Stadt neu zu denken. Wir sprechen über den Eichsfeldplan und den Aufstieg Leinefeldes zu Europas jüngster Stadt, aufgebaut rund um eine gigantische Baumwollspinnerei. Über den tiefen Einbruch nach der Wende, als die Arbeitsplätze wegbrachen und Tausende die Stadt verließen. Und über die mutige Antwort darauf: den Stadtumbau, für den Leinefelde mit dem Deutschen und dem Europäischen Städtebaupreis ausgezeichnet wurde und der international, bis nach Japan, Schule machte. Dazu geht es um die Ringau-Kirmes und ihre Wurzeln bei den Hundeshagener Wandermusikanten, um drei Glocken für die alte Kirche, um die Fusion zu Leinefelde-Worbis und um die Frage, warum kleine Orte von starken Städten profitieren. Eine Folge über Heimat, Mut und darüber, etwas zu tun, ohne Dank zu erwarten.
1 Stunde 2 Minuten
Wieder einmal raus aus der Kemenate: Diese Folge haben die Grimms Brüder live auf dem Heiligenstädter Stadtfest aufgenommen, vor echtem Publikum, das kurzerhand mit auf die Bühne gebeten wurde, und mit reichlich Likör für alle. Vier Gäste geben Einblick in Stadt und Fest. Torwächter Hermann alias Günther Liebergesell erklärt endlich, warum die Heiligenstädter Möhrenkönige heißen, und erzählt aus 46 Jahren als Krankenpfleger. Möhrenkönig Rainer der Erste berichtet vom Leben als royaler Repräsentant, von Königinnentreffen und einer neuen Möhre mit eingebauter Tasche. Sole-Prinzessin Marlene die Erste, mit 17 die jüngste in der Runde, erzählt vom Missgeschick mit ihrem zerbrochenen Zepter und wirbt für das älteste Völkerschlachtdenkmal der Welt. Und Getränkelieferant Michael Böning verrät, was es heißt, seit 1991 das größte Volksfest des Eichsfeldes mit Getränken zu versorgen. Eine fröhliche, sehr Heiligenstädter Folge über Traditionen, Anekdoten und die Menschen hinter einem Stadtfest.
1 Stunde 49 Minuten
Man könnte aus seinem Leben ein Buch schreiben, sagt Uwe Albertsmeyer selbst – und nach dieser Folge glaubt man ihm das sofort. Der 1943 in Erfurt geborene Tüftler und Unternehmer ist zu Gast bei Grimms Brüder und erzählt aus 83 Jahren, in denen jede Menge passiert ist. Von einer gefährlichen Kriegskindheit, in der die Gestapo vor der Tür stand, über die Flucht zu Fuß von Erfurt ins Eichsfeld bis zu Zuckersteinen aus einem russischen Magazin. Vom Holzvergaser-Mercedes seines Vaters, den Fahrschulprüfungen im heimischen Wohnzimmer und der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker in Erfurt. Und von einer unglaublichen Reise: Als ein Kunde mit dem Wartburg auf der Krim liegen blieb, flog Uwe Albertsmeyer mit einem selbst zusammengebauten Motor in einer Holzkiste hinterher, um ihn wieder flottzumachen. Dazu ein zwillingsbereifter Campinganhänger mit Surfbrett-Halterung, ein Golf zu DDR-Zeiten und schließlich der Aufbau eines Autohauses nach der Wende, das heute fast 300 Mitarbeiter zählt. Eine Lebensgeschichte voller Improvisationstalent, Humor und Herzlichkeit.
51 Minuten
Erstmals nicht aus der Kemenate, sondern live und unter freiem Himmel: Die Grimms Brüder haben diese Folge mitten auf der Landesgartenschau 2026 in Leinefelde-Worbis aufgezeichnet, vor echtem Publikum und mit regionalem Eierlikör aus dem Eichsfeld-Pavillon. Zu Gast ist Daniela Preiß, Assistenz der Geschäftsführung. Sie erzählt, was hinter dem Motto „Aussöhnung zwischen Stadt und Landschaft" steckt und welche Herausforderungen zu stemmen waren: der Rückbau von 856 Garagen, der Grunderwerb, ein halbes Jahr Zeitverlust durch archäologische Funde und gleich zwei Hochwasser während der laufenden Schau. Dazu über eine Million Blumenzwiebeln, 146 Obstbäume und die schöne Entscheidung, die Pflanzen am Ende nicht unterzupflügen, sondern weiterzugeben. Im zweiten Teil ist der Künstler Christoph Haupt zu Gast, in der Region bekannt für die Regentrude in Heiligenstadt. Er spricht über seinen Weg zur Kunst, über den Unterschied zwischen Skulptur und Plastik, über den Bronzeguss und über sein Projekt „Transorte", für das er mit einer alten DDR-Straßenlaterne an die Orte seiner Kindheit reist. Auf der Landesgartenschau zeigt er im Blumenblock seine Ausstellung „Provinz".
1 Stunde 46 Minuten
Buchautor, Karnevalist, Mundartpfleger und Mann der ersten Stunde in der friedlichen Revolution: Hans-Gerd Adler, Jahrgang 1941, ist zu Gast bei Grimms Brüder – und erzählt sein Leben in bestem Eichsfelder Platt. Von einer harten Kindheit in Lutter über die Weigerung, in der DDR mitzumarschieren, bis zum drohenden Jugendwerkhof. Von der kuriosen Geschichte, wie er der DDR half, teuren Zellstoff beim Toilettenpapier einzusparen – und die Auszeichnung trotzdem nicht bekam. Von seinen legendären Büttenreden als Karl-Marx-Double, die ihn vor die Parteispitze brachten, und vom kleinen Grenzverkehr, der Koffer voller Ziegelsteine. Und natürlich vom Herbst 1989: vom Montagsgebet, von der ersten Rede auf dem Friedensplatz, von seinem Buch über die Wende und einem siebentägigen Hungerstreik. Dazu ein Wartburg namens Johnny, ein Kreuz auf dem Lipsberg und jede Menge Eichsfelder Schnurren. Eine der persönlichsten und witzigsten Folgen, die wir bislang aufgenommen haben.
1 Stunde 10 Minuten
Sie kam mit dem Fahrrad und hatte selbstgemachten Rhabarberlikör dabei: Marie-Christin Liese, Leiterin des Eichsfelder Kulturhauses, ist zu Gast bei Grimms Brüder. Vom Heiligenstädter „Zeitungsmädchen" über ein Studium in Nordhausen bis ins Büro des Landrats – und dann, eher durch Zufall, an die Spitze eines denkmalgeschützten Hauses, das sie ihr zweites Kind nennt. Wir reden über den ersten Kulturhausneubau der DDR, über den unvergesslichen Geruch des Hauses, über Star-Allüren in der Garderobe und die Feuerwehr, die bei jeder Vorstellung mit im Saal sitzt. Über 20.000 Gäste im Jahr, über ABBA-Tributebands aus Italien, K-Pop für die Teenies und Ballett zur Weihnachtszeit. Und über die Frage, wie man ein 60 Jahre altes Schmuckstück fit für die nächsten 50 Jahre macht. Dazu gibt es ein Wiederhören mit einem ehemaligen Schlagzeuger des Heiligenstädter Kreiskulturorchesters, der heute in Meiningen spielt – und jede Menge Gründe, mal wieder ins Eichsfelder Kulturhaus zu gehen.
1 Stunde 5 Minuten
Wenn im Thüringer Landtag etwas passiert, ist Fabian Klaus meistens schneller als die eigene Pressestelle der Beteiligten. Als Reporterchef von Funke Thüringen hat er so ziemlich jede politische Wendung der letzten Jahre aus der ersten Reihe miterlebt – von der Thüringer Regierungskrise über Reichsbürger-Razzien bis hin zu Cyberattacken auf den eigenen Verlag. Dabei hat alles ganz unspektakulär angefangen: Ein Zwölfjähriger in Silberhausen schneidet Fußballtabellen aus der Zeitung aus und denkt, genau das will ich irgendwann machen. Dass er dabei nicht bei der zweiten Kreisklasse im Eichsfeld bleiben würde, war damals noch nicht absehbar. In dieser Folge erzählt Fabian, wie aus dem Praktikanten bei der TLZ in der Heiligenstädter Wilhelmstraße mit 22 Jahren ein Lokalredaktionsleiter wurde, warum gute Geschichten manchmal wie eine Eichsfelder Wurst noch ein, zwei Tage hängen müssen, was ihn am Begriff Lügenpresse wirklich umtreibt und wie man die Handynummer des Ministerpräsidenten bekommt – und wann man sie besser nicht benutzt. Obendrein: die erste Folge in der neuen Kemenate, mit Sektschale statt Likörchen. Und eine Lebensweisheit aus einer Bütttenrede, die sitzt.
1 Stunde 21 Minuten
Wer im Eichsfeld aufgewachsen ist, kennt den Namen. Pater Thomas – das war der Franziskaner auf dem Kerbschen Berg, der mit Gitarre und Band Kirchen zum Bersten brachte, der runter von der Kanzel ging und mitten unter die Leute, der eigene Songs schrieb und auf Jugendwallfahrten durch die DDR tourte. Hinter Pater Thomas steckt Thomas Schubert, geboren 1946 in Erfurt, aufgewachsen in Leipzig in einer Theaterfamilie, und eigentlich auf dem Weg zur Bühne – bis ihn die Franziskaner eines Nachts mit auf den Kerbschen Berg nahmen. In dieser Folge erzählt er, wie aus dem Schauspielersohn ein Ordenspriester wurde, was den Klosteralltag in der DDR ausgemacht hat, warum er 1989 die Kutte an den Nagel hängte und was ihn trotzdem bis heute als Franziskaner im Inneren beschreibt. Dazu: sein Abgang aus dem Orden, seine Ehe, drei Söhne – davon einer Doktor der Physik, einer Doktor der Molekularbiologie und einer Manager des spanischen Popsängers Alvaro Soler – und die Frage, ob er es heute anders machen würde. Die Antwort kennt ihr nach dieser Folge. Als Bonus gibt es noch zwei Songs zu hören, die Tommy seinerzeit geschrieben hat.
1 Stunde 34 Minuten
Jorita Solf ist im Eichsfeld bekannt wie ein bunter Hund – und das seit fast 30 Jahren. Die Sängerin, Songwriterin und Bühnenpersönlichkeit spricht in dieser Folge über ihren, alles andere als geraden Weg zum Mikrofon: Aufgewachsen in einer Musikerfamilie in Stendal, fast exmatrikuliert in Weimar – und dann doch Sängerin geworden, weil ein einziger Auftritt mit My Funny Valentine alles veränderte. Wir reden über das erste Konzert von Kamingeflüster, das für ein krebskrankes Mädchen auf die Beine gestellt wurde und zu einer Legende wurde. Über den Abend als Vorband vor Peter Maffay in Duderstadt. Über das Schreiben eigener Songs – meistens in einer Nacht, meistens am Klavier, meistens aus der Seele heraus. Über Fernsehen beim Perfekten Dinner auf VOX. Und über die Frage, was passiert, wenn mitten im Konzert die Tränen kommen und die Stimme versagt. Außerdem: eine Schallplatte, die Jorita dabei helfen soll, ihr musikalisches Repertoire noch um eine Disziplin zu erweitern. Welche das ist, wer neugierig ist, muss reinhören.
30 Minuten
Staffelende! Heiko und Volker sitzen in ihrer neuen Kaminate – der ehemaligen Dorfpost von Lutter – und lassen die Staffel noch einmal Revue passieren. Von Dieter Althaus über einen blinden Marathonläufer bis zur feurigen Bärenpark-Chefin Sabrina Schröder: Es war wieder eine Staffel, die bewiesen hat, dass das Eichsfeld an bemerkenswerten Menschen keinen Mangel hat. Dazu gibt es Zahlen, die sich sehen lassen können – 42.000 Downloads, 62 Länder, und irgendwo in der Slowakei hat offenbar endlich jemand eingeschaltet. Herzlich willkommen. Außerdem: große Neuigkeit für alle, die in den Sendepausen schon nervös werden: Ab sofort gibt es den Grimms Brüder-Podcast alle zwei Wochen – ohne lange Warterei. Den Anfang macht am 6. Juli Jorita Solf, und dann geht es Schlag auf Schlag weiter mit Pater Thomas, Fabian Klaus, Marie-Christin Liese und einigen mehr. Ach ja, und wer wissen will, wie ein Westpaket gerochen hat – diese Folge klärt das ein für alle Mal.
1 Stunde 7 Minuten
Sabrina Schröder hat einen Job, von dem viele Kinder träumen – und vor dem die meisten Erwachsenen ordentlich Respekt haben: Sie leitet den Alternativen Bärenpark Worbis, ein Zuhause für Bären, Wölfe und Luchse, die vorher alles andere als ein schönes Leben hatten. In Folge 24 erzählt uns Sabrina, wie aus einem tierverrückten Mädchen aus Sondershausen erst eine Biologin und dann eine Tierschützerin wurde – über ein Auslandssemester in Chile (samt Guppys und Salsa) und die Menschenaffen am Leipziger Max-Planck-Institut bis hin zur Leitung des Projekts hier im Eichsfeld. Wir reden darüber, warum ein Bärenpark eben kein Zoo ist, wie eine Rettungsaktion bis in die Ukraine abläuft und warum manche Tiere ihr seelisches Päckchen ein Leben lang mit sich tragen – wie Mikailo, der zehn Jahre in einem winzigen Käfig leben musste und heute noch vor Schmetterlingen flüchtet. Sabrina erklärt, warum sie bewusst keine Bärenbabys züchten, was es mit der „Positivliste" auf sich hat und weshalb in Deutschland erschreckend leicht ein Wildtier im Wohnzimmer landet. Natürlich darf auch unser (diesmal alkoholfreier) Likör nicht fehlen, am Ende gibt's eine Schallplatte mit Grüßen aus Böhmen – und Sabrina verrät uns ihren Lebensspruch, den sie sich sogar hat tätowieren lassen. Reinhören lohnt sich. Und danach am besten selbst mal nach Worbis fahren.
1 Stunde 1 Minute
Manche reden über Inklusion. Juliana Löffler und Hans-Reinhard Hupe laufen sie einfach. Die beiden sind ein Paar, ein eingespieltes Lauftandem und die Köpfe hinter dem Guidenetzwerk Deutschland. Hans-Reinhard ist durch Retinitis Pigmentosa nach und nach erblindet – ans Aufhören mit dem Laufen hat er trotzdem nie gedacht. Stattdessen lief er erst hinter anderen her, später Hand in Hand mit einem Guide im Passschritt. Aus genau dieser Erfahrung ist eine Idee gewachsen: eine deutschlandweite, kostenfreie Plattform, die blinde und seheingeschränkte Läufer mit passenden Begleitern zusammenbringt – ein bisschen wie eine Dating-Plattform, nur fürs Laufen. Wir sprechen über den ersten gemeinsamen Schritt, über Kommandos, Vertrauen und Passschritt, über die selbstironischen „Blindschleichen", über eine Anschubfinanzierung von der Aktion Mensch – und über den Moment, als ein kleiner Verein in Berlin den „Stern des Sports in Gold" von Olaf Scholz überreicht bekam. Plus Publikumspreis obendrauf. Eine Stunde über Mut, Beharrlichkeit und den Satz, der eigentlich alles zusammenfasst: „Barrieren gibt es nur in Köpfen."
1 Stunde 48 Minuten
Für diese Folge haben wir uns was getraut: Zum ersten Mal nehmen wir den Grimms Brüder Podcast live vor Publikum auf – und zwar mitten im Modehaus Mühlhaus in der Wilhelmstraße. Rund 100 Gäste sind dabei, als wir drei außergewöhnliche Geschichten aus Heiligenstadt hören, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und die dennoch alle dasselbe zeigen: Was entsteht, wenn Menschen ihrer Sache wirklich treu bleiben. Guido und Alexander Mühlhaus erzählen, wie aus einem Gründerhaus in der Lindenallee eines der ältesten Modegeschäfte Thüringens wurde. Mode wird in Heiligenstadt seit 1875 verkauft, das heutige Haus steht seit 1906. Alexander führt das Unternehmen in der sechsten Generation – und ob eine siebte kommt, bleibt an diesem Abend bewusst offen. Dann ist Mariele Göbel von Maschinen-König zu Gast. Wer in Heiligenstadt aufgewachsen ist, kennt den Laden, die Leuchtreklame und mindestens eine Geschichte über einen Deckel, ein Lämpchen oder eine Glühbirne, die Mariele aus dem Regal zog, bevor man zu Ende gefragt hatte. Seit 1908 – gegründet von ihrer Großmutter Amalia – steht Maschinenkönig für genau das, was heute so selten geworden ist: echten Fachhandel mit echtem Gedächtnis. Im zweiten Teil begrüßen wir Maria und Klemen Leben, ein Musikerehepaar, das im Eichsfeld wohnt und die Welt bespielt. Maria ist Sängerin und Gesangslehrerin, Clemen slowenischer Akkordeon-Virtuose, Komponist und Doktorand an der Sibelius-Akademie in Helsinki. Gemeinsam haben sie während der Corona-Zeit die Klingenden Lebensweisheiten ins Leben gerufen – neu komponierte Stücke zu bekannten Redewendungen, die zeigen, dass Kunst zugänglich und kunstvoll gleichzeitig sein kann. Mit gut 110 Minuten ist das unsere bislang längste Folge. Und irgendwie auch die, bei der am meisten Schlehenlikör im Spiel war.