Verbrechen und Strafen Archiv
25 Episoden
41 Minuten
Ferdinand von Schirach ist Strafverteidiger in Berlin. Brisante Fälle aus seiner unmittelbaren Erfahrung hat er in seinem Buch VERBRECHEN, das ein Bestseller wurde, nacherzählt. Ein angesehener, freundlicher Doktor der Medizin erschlägt nach 40 Jahren seine Frau mit einer Axt. Eine junge Frau tötet ihren Bruder aus Liebe. Zwei Schlägertypen glauben auf einem Hauptbahnhof einen Rentner zusammenschlagen zu können und geraten an einen Profi, der sie in Notwehr tötet. Die Geschichten zeigen, wie einfallsreich und fantastisch die Wirklichkeit zu erzählen vermag. FAZ und SPIEGEL urteilen: wie Kino im Kurzformat. Erstausstrahlung am 24.01.2010
42 Minuten
Was ist die Zukunft der Todesstrafe? Was heißt Repression? Was bedeutet Prävention? Bietet die Härte der amerikanischen Justiz ein Vorbild für unsere Zukunft? Ist die "Wiederkehr des Vergeltungsstrafrechts" das Merkmal von Stärke oder von gesellschaftlicher Ohnmacht? Was heißt "Strafkoma"? Wie gemein muss Gemeinwesen sein? Kriminalforscher Prof. Dr. Joachim Kersten über das Strafen: Was ist die Zukunft der Todesstrafe? Was bedeutet Prävention? Wird Verbrechen durch die Evolution belohnt? Gibt es eine besondere "Begabung" für Kriminalität? Gibt es Anti-Gemeinwesen und wie entstehen sie? Wie wirksam sind überhaupt Strafen? Erstausstrahlung am 08.03.1999
12 Minuten
Scharfschützen gibt es seit den Jägervölkern und der Steinzeit. Heute bilden solche Scharfschützen den Kern von Eliteeinheiten der Supermacht. Sie finden sich aber auch in den Strukturen des Terrors und des Verbrechens. Kriminalforscher Prof. Dr. Joachim Kersten über die "Psychologie der Ferntötung". Erstausstrahlung am 14.03.2004
21 Minuten
85% aller Bankräuber sind Ersttäter. Seit der Zeit des Wilden Westens in den U.S.A. sind Banküberfälle Ziel von populärer Phantasie, aber auch wirkliches Objekt krimineller Praxis. Die heutigen Sicherheitssysteme haben diese Praxis nachhaltig verändert. Der Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger dokumentiert in dem von ihm herausgegebenen Buch VABANQUE Theorie, Praxis und Geschichte des Bankraubs mit Bankräuber-Medleys von Mac Orgelmüller. Erstausstrahlung am 04.03.2002
23 Minuten
Die Praxis der polizeilichen Fahndungs- und Aufklärungsarbeit ist das Gegenteil dessen, was man in TV-Serien oder Kriminalromanen dargestellt findet. Das logische Schlussfolgern spielt eine geringere Rolle, als die intuitive Wahrnehmung. Milieus und Reviere werden von Polizisten nach Auffälligkeiten geprüft. Der Verdacht entsteht da, wo etwas vom "gewohnten oder natürlichem Bild" abweicht. Prof. Dr. Joachim Kersten über: Wie entsteht Verdacht im polizeilichen Alltag? Erstausstrahlung am 20.11.1995
22 Minuten
In seinem Arbeitsleben hat der Prof. Dr. med. Volkmar Schneider mehr als 50.000 tote Körper gerichtsmedizinisch untersucht. Darunter im Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg. Nie empfand er seine Arbeit als Routine. Was sind für den Gerichtsmediziner Zeichen des Verdachts? Wie unterscheidet man Selbstmord von Mord? Woran erkennt man Gifte? Wie untersucht man die toten Körper? Prof. Dr. Volkmar Schneider leitet drei Institute, darunter die Gerichtsmedizin der Charité in Berlin. Erstausstrahlung am 30.05.2005
42 Minuten
U.S.-Wirtschaftsführer besiedeln zunehmend die Gefängnisse der USA. In den Hochsicherheitstrakten befindet sich die neue Kaderschmiede für das moderne Wirtschaftsverbrechen, für Bilanzfälschung und Kapitalvernichtung. Es geht um den Abschied von veralteten Standards und die Vorbereitung auf eine rücksichtslose WELT DER ENTGLOBALISIERUNG. Rechtsanwalt Duke Chapnick, Berater zahlreicher Wirtschaftsführer, zurzeit selbst inhaftiert, berichtet. Erstausstrahlung am 08.12.2002
43 Minuten
Macht, Manipulation, Rache für Demütigung. Europas führender Kriminalpsychologe untersucht die Motive von Verbrechern. Im Hochsicherheitstrakt befragt er Serienmörder. In den Chefetagen der Wirtschaft spürt er nach Straftaten am Arbeitsplatz. Sein Buch "Bestie Mensch" wurde ein Bestseller. Begegnung mit dem Kriminalpsychologen Dr. Thomas Müller, Wien. Erstausstrahlung am 04.03.2007
36 Minuten
Romuald Karmakar veröffentlicht demnächst seinen ersten abendfüllenden Spielfilm DER TOTMACHER. Götz George spielt den Mörder Fritz Haarmann aus Hannover, der in der Zeit zwischen 1918 und 1924 Knaben und Männer tötete und im Jahr 1925 enthauptet wurde. Man nannte ihn einen Werwolf. An ihm entzündete sich die Volksphantasie. In dem Film des jungen Filmemachers Romuald Karmakar wird erstmalig das Protokoll der psychiatrischen Untersuchung dieses Massenmörders veröffentlicht. Der Universitätsprofessor für Psychiatrie Schultze befragt Fritz Haarmann (Götz George). Erstausstrahlung am 16.10.1995
42 Minuten
Eine Frau ersticht ihren Mann, weil sie glaubt, er wolle sie angreifen. An dem Tag, an dem er seinen Sohn getötet hat, wollte der Täter eigentlich auch seine Lebensgefährtin ermorden. Einer tötet die Lebenspartnerin, die ihn verlassen will. Ein Mann, der seiner dominanten Frau nicht sagen kann, dass er beruflich am Ende ist, tötet sie im Gefühl aus dem Gefühl seines Bankrotts heraus. Die Mehrzahl der Tötungen von Menschenhand gelten dem Intimpartner. In den klassischen Dramen und in der Oper tötet z.B. MEDEA ihre Kinder, um ihren untreuen Geliebten dort zu verletzen, wo er verletzbar ist: Sie vernichtet ihm seine Nachkommen. Am Schluss von CARMEN von Bizet und im Drama WOZZEK von Büchner tötet der verlassene Mann das Liebste, was er hat: "Du gehörst mir nicht und auch keinem Anderen" - das sind die letzten Worte des Wozzek. Der langjährige Chef der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, in der ersten Reihe der Gerichtspsychiater in Schwurgerichtsprozessen, berichtet aus seiner Praxis. Was unterscheidet Mord und Totschlag? Was bedeuten die Tatbestandsmerkmale "Heimtücke" und "Mordlust"? Wie geht der Psychiater mit solchen Begriffen des Gesetzes um? Begegnung mit Prof. Dr. med. Dr. h.c. Andreas Marneros. Erstausstrahlung am 29.09.2013
23 Minuten
Die todbringende Helferin des belgischen Mörders Dutroux kommt vorzeitig frei. Ohne Gerichtsurteil wird Bin Laden von Staats wegen getötet. Der Massenmörder Eichmann wird in Jerusalem seinerzeit hingerichtet. Die Todesstrafe hat sehr verschiedene Aspekte. Ihre Grenzen sind nach wie vor umstritten. In China und in den U.S.A. floriert sie. Das Grundgesetz hat sie für die Bundesrepublik abgeschafft. Fragen wie der finale Todesschuss und die Androhung von Folter im Fall Gäfgen zeigen die Grauzone der Debatte. Der Hochschullehrer und Strafverteidiger Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Volk, LMU München, berichtet. Erstausstrahlung am 17.12.2012
20 Minuten
Neuste Berichte bestätigen, dass die Todesstrafe in den USA häufig unprofessionell ausgeführt wird. Die Todesqualen der zum Tode Verurteilten dauern weit länger als bisher angenommen. Zeugen des Geschehens und solche, die von den Quälereien hören, fühlen sich durch die Eindrücke innerlich verletzt. Sammelkläger Rechtsanwalt David Scott (Peter Berling) vertritt die Anliegen dieser Mandanten. Die Todesstrafe, sagt er, brutalisiert, vor allem bei fehlerhafter Ausführung. Erstausstrahlung am 25.07.2005
23 Minuten
Ferdinand von Schirachs Buch "Verbrechen" handelt von Fällen, die er aus seiner Anwaltstätigkeit kannte. Jetzt publizierte er einen Roman mit dem Titel "Tabu". Auch hier zeigt sich seine enorme Erfahrung aus den Gerichtssälen. Es geht um den Hamlet-Stoff als eine moderne Kriminalgeschichte. Der Held verliert seinen Vater und muss miterleben, dass die Mutter unter Niveau neu heiratet. Es kommt zu einem vertrackten Tatbestand, einem "Mord ohne Leiche". Für den Helden geht es um eine "Ermittlung gegen sich selbst". Wer bin ich? Für den Autor geht es zugleich um den Prozess der Wahrheitsfindung und um die ihn nachdrücklich interessierende Verteidigung des Rechtsstaats, die vor allem in der Grauzone der Sachverhalte eine Herausforderung erhält. Von Schirachs neuer Roman und eine Begegnung mit dem Autor. Erstausstrahlung am 24.02.2014
43 Minuten
Nach einer Sportveranstaltung verschwindet in einem kleinen Ort in Oberitalien ein minderjähriges Mädchen spurlos. Die Leiche wird später auf einem Acker gefunden. Auf ihrem Körper finden sich fremde DNA-Spuren. In einer Großaktion wird aufgrund dieser Spuren nach dem Mörder gesucht. Dr. Letizia Ruggeri, die Untersuchungsrichterin, eine imposante, besonnene Ermittlerin, veranlasst in den Dörfern 18.000 DNA-Untersuchungen. Es wird ein mutmaßlicher Vater des Täters gefunden, keines von dessen Kindern aber kommt für die Tat in Betracht. Erst als ein Ehebruch dieses Vaters und ein daraus entstandenes uneheliches Zwillingspaar herausgefunden wird (ein Dorfskandal), gelangen die Behörden an den inzwischen angeklagten Mr. "Unbekannt Nr. 1". Dessen Familie, er selbst, die Anwälte wehren sich gegen die (auch in der Öffentlichkeit) abstrakt wirkende Anklage, die sich auf DNA-Indizien gründet. Blutsbande und Familienzusammenhalt stehen gegen Laborwissen. Die Debatte erregt und spaltet die Öffentlichkeit Italiens. Die Romanistin Prof. Dr. Ulrike Sprenger, Verfasserin den Proust ABC, kommentiert den aufsehenerregenden Konflikt, in dem zwei Zeitalter in einem Justizfall hart aufeinandertreffen. Erstausstrahlung am 07.10.2015
39 Minuten
Was die Europäer an den asiatischen Amokläufern im 19. Jahrhundert schockierte, sagt Prof. Dr. Joseph Vogl, war der "Terror der Nicht-Unterscheidung". Aus einem Anlass, der zu einem Gemetzel in keinem Verhältnis stand, also "ohne Grund" und gleicherweise grausam gegen Freund und Feind, rannten Mörder durch die Dörfer und töteten. Sie riefen: "Amok, Amok", was so viel heißt wie: "Vernichtet sie". Inzwischen gehören auch in den westlichen Ländern Amokschützen zu den großen öffentliche Zeichen, die eine Zeitenwende signalisieren. Die Amokschützen bevorzugen öffentliche Plätze, "befriedetes Gelände" wie Kaufhäuser, Universitätsgelände, Schulen und Kirchen. Wie Tötungsmaschinen töten sie unterschiedslos, was sich bewegt. Sie verhalten sich wie "Menschenfeinde", sie bekriegen eine statistisch abgesicherte Welt, sagt Prof. Dr. Vogl, als dasjenige, was aus jeder Versicherungsrechnung herausfällt. Sie signalisieren DAS ENDE DER EINFÜHLUNG. Prof. Dr. Vogl, von der Bauhaus Universität Weimar, berichtet. Mit Beispielen aus Java, Tasmanien, U.S.A., Schottland u.a. Erstausstrahlung am 04.08.2002
Verbrechen und Strafen
Gewalt und Kriminalität sind Bestandteil jeder Gesellschaft. Die Frage ist jedoch: Wie geht eine Gesellschaft mit Verhalten um, das ihren Regeln, Werten und Normen widerspricht?