International Archiv
100 Episoden
28 Minuten
Jahrzehntelang galt Pakistan als sicherer Hafen für Millionen afghanische Flüchtlinge, die vor Krieg und Verfolgung in ihrer Heimat flohen. Damit ist Schluss. Bis Jahresende will Pakistan die Flüchtlinge abschieben. In Afghanistan erwarten sie Armut, Hunger und die radikal-islamistischen Taliban. Mehrafzon Jalili hatte grosse Träume. In Afghanistan studierte die 24-jährige Zahnmedizin. Dann kamen die Taliban, ihr Vater wurde ermordet, die Rest-Familie floh ins Nachbarland Pakistan. Gut vier Jahre später steht wieder alles auf der Kippe. Erst setzten sie die pakistanischen Vermieter auf die Strasse. Dann wurde auch ihr Not-Lager in einem Park in Islamabad mitten in der Nacht von der Polizei gestürmt. Pakistan will bis Jahres-Ende alle afghanischen Flüchtlinge ausschaffen. Darunter auch solche, die vor der Machtübernahme der Taliban für westliche Regierungen oder das Militär gearbeitet haben. In Afghanistan drohen ihnen Folter und Tod. Frauen wie Mehrafzon Jalili dürfen unter den Taliban nicht studieren, nicht arbeiten, nicht einmal singen. «Afghanistan ist wie ein Friedhof geworden», sagt Jalili. Pakistan - politisch instabil, hochverschuldet und vom Militär dominiert - gibt den afghanischen Flüchtlingen pauschal eine Mitschuld an den vielen Terroranschlägen in Pakistan - und bestraft sie. Die Flüchtlinge würden zu Sündenböcken gemacht, kritisieren Menschenrechtsorganisationen. Die internationale Gemeinschaft, die helfen könnte, schaut weg.
9 Minuten
In Irland wurden uneheliche Kinder bis in die Sechziger Jahre ihren Müttern weggenommen und in Heimen vernachlässigt. Im Talk erzählt Christopher Weingart, wie er per Zufall auf die Lokalhistorikerin Catherine Corless aufmerksam wurde, die den Anstoss zur Aufarbeitung dieses nationalen Traumas gab.
31 Minuten
Jahrzehntelang wurden ledige Schwangere im katholischen Irland dazu gezwungen, ihre Babys in Heimen zu gebären und dort zu lassen. Hunderte Kleinkinder starben in der Obhut von Staat und Ordensschwestern, andere wurden an Familien im Ausland verkauft. Ein nationales Trauma das lange verborgen blieb. Die Lokalhistorikerin Catherine Corless sitzt an ihrem Küchentisch nahe der westirischen Stadt Galway. In ihren Händen hält sie eine Liste mit Namen. 796 sind es insgesamt. Es sind die Namen der Kinder, die im nahen Mutter-Kind-Heim St. Mary's ums Leben kamen. Bis 1961 mussten ledige schwangere Frauen aus der Region ihre Kinder im St. Mary's gebären und im Alter von einem Jahr dort zurücklassen. Die Kinder wurden später adoptiert oder kamen in Pflegefamilien. Was die Mütter wollten, spielte keine Rolle. Zu mächtig war die katholische Kirche mit ihren Moralvorstellungen. Jahrzehntelang herrscht Schweigen über die toten Kinder von St. Mary's – bis Corless beginnt, ihre Liste zu schreiben. Doch mit der Liste ist ihre Suche noch nicht zu Ende. «Als mir klar wurde, dass im Heim Kinder gestorben sind, musste ich herausfinden, wo sie begraben wurden.» Corless macht sich gegen alle Widerstände auf die Suche und spürt ein Geheimnis auf, das das ganze Land verändern wird. Durch ihre Recherche hat Corless eines der dunkelsten Kapitel der irischen Geschichte ans Tageslicht geholt. «International» zeichnet ihre Suche nach und porträtiert Menschen, die die Kindheit im St. Mary's überlebt haben.
13 Minuten
Das Goldgeschäft ist gerade in unsicheren Zeiten lukrativ. Doch was passiert eigentlich mit jenem Gold, das illegal abgebaut wird? SRF-Afrikakorrespondent Fabian Urech ist dieser Frage in Ghana nachgegangen. Im Talk erzählt er ausserdem, was das Gold in Ghana mit dem Preis von Schokolade zu tun hat.
24 Minuten
Ghana ist der führende Goldproduzent Afrikas. Das westafrikanische Land exportiert den kostbaren Rohstoff in alle Welt – auch in die Schweiz. Doch der Abbau von Gold ist komplex, schwer kontrollierbar – und manchmal auch illegal. In Ghanas Goldregion rund um die Stadt Tarkwa liegen Welten zwischen den internationalen Industrieminen und den Goldschürfern, die illegal und oft mit einfachsten Mitteln nach dem kostbaren Rohstoff suchen. «Es ist gefährlich und schwierig, da hinunterzusteigen», erklärt ein Kleinmineur, der ohne Bewilligung arbeitet. «Aber es ist einer der einfachsten Wege, zu Geld zu kommen». Zwei Welten: Hier die gut bewachten Hightech-Minen, mit modernsten Maschinen, zertifiziertem Gold und ausgefeilter Logistik. Dort die schmutzigen, einfachen und illegalen Kleinminen. Und doch vermischen sich diese beiden Welten öfter als offiziell zugegeben wird. Denn dort, wo illegal abgebaut wird, und wo der Schürfabfall zu scheinbar wertlosen Haufen aufgeschüttet wird, liegt nicht nur Erde. Sondern sehr viel Geld. Und ein ganzer Graubereich des globalen Goldhandels.
10 Minuten
Kaum ausgebaute Strassen, kein Handyempfang und viele kriminelle Aktivitäten: ARD-Südamerikakorrespondentin Anne Herrberg erzählt im International-Talk von Eindrücken und Hindernissen auf ihrer Reportagereise durch den Amazonas.
26 Minuten
Eigentlich will Brasiliens Präsident Lula da Silva die Zerstörung des Regenwalds stoppen. Aber sein Projekt zum Ausbau der Bundesstraße BR-319 mitten im Amazonas könnte das Gegenteil bewirken. Die Strasse droht zu einem Einfallstor für Landräuber zu werden. Die Bundesstrasse BR-319 ist der einzige Landweg, der die Millionenmetropole Manaus im Herzen des Amazonas mit dem Rest Brasiliens verbindet. Die Fahrt auf der BR-319 ist ein Abenteuer: Es gibt keine Tankstellen, keine Werkstätten, keine Handyverbindung. Zudem besteht ein grosser Teil der Strasse nur aus einem Lehmtrassee, das die meiste Zeit des Jahres kaum befahrbar ist. Zum Glück, sagen Umweltschützer und Indigene. Viele von ihnen befürchten, dass eine ausgebaute Strasse den Raubbau am Amazonas-Urwald beschleunigen würde. Sie könnte künftig all denen als Zufahrtsweg dienen, die im Gebiet ihren illegalen Aktivitäten nachgehen wollen: Landräuber und Goldgräber. Die Gefahr ist real. Bereits jetzt ist der Regenwald von der fortschreitenden Abholzung bedroht. Der Staat vermag die illegalen Viehzüchter und Goldschürfer nicht unter Kontrolle zu bringen. Das zeigt die Reportage, die uns über die umstrittene, holprige Verkehrsader mitten durch den Amazonas führt.
10 Minuten
Innerhalb von zwei Jahrzehnten hat die japanische Gesellschaft ihren Umgang mit Suiziden grundlegend verändert. Das einstige Tabu wurde gebrochen. Warum sich die Zungen gelöst haben und wie die landesweite Kampagne zur Prävention von Suiziden im Alltag spürbar wird, erzählt Martin Fritz in Tokio.
30 Minuten
In Japan nahmen sich immer mehr Menschen das Leben. Das schockierte die Öffentlichkeit. Die Zivilgesellschaft rüttelte die politischen Verantwortlichen auf, der Kampf gegen die «stille Epidemie» wurde zur nationalen Priorität. Zwanzig Jahre später zeigt sich: der Kampf war erfolgreich. Jedes Jahr 14 000 Suizide weniger. Anders gesagt: 14 000 verzweifelte Menschen in Japan, die wieder Hoffnung schöpfen – so die statistischen Zahlen im Zwanzigjahresvergleich. Die kollektive Anstrengung hat sich gelohnt. Wie es dazu kam, lässt sich in Akita im Norden von Japan gut nachvollziehen, einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit, in der besonders viele Menschen ihr Leben beendeten. Hisao Sato ist einer der Pioniere der landesweiten Präventionskampagne. Trauer um den Verlust eines engen Freundes schlug bei ihm in Zorn übers kollektive Wegschauen um. Er schuf um die Jahrtausendwende in Akita eine Anlaufstelle und begann, Verzweifelten Beratungen anzubieten. Nach und nach liessen sich die japanischen Behörden überzeugen, dass landesweit gehandelt werden müsse - und könne. Ein nationales Präventionsgesetz schuf die Grundlagen. Parallel dazu veränderte sich die Wahrnehmung: «Suizid war ein völliges Tabu. Doch die Menschen begannen, die Selbsttötungen nicht nur als Privatsache zu betrachten, sondern als gesellschaftliches Problem», sagt Sato in der Reportage aus Japan über den Erfolg der Präventionskampagne - und düstere Aspekte, die dennoch bleiben. Wer suizidale Gedanken hat, findet bei folgenden Anlaufstellen Soforthilfe: Pro Juventute für Kinder und Jugendliche, Telefon und SMS 147; Dargebotene Hand/Sorgentelefon für Erwachsene, Telefon und SMS 143.
10 Minuten
In der Privatstadt Próspera auf einer honduranischen Insel in der Karibik experimentieren Unternehmen mit Langlebigkeit, KI oder mit Chipimplantaten. Das ist möglich, weil hier Firmen kaum reguliert werden. Anna Lemmenmeier hat in Próspera den libertären Geist der Privatstadtpioniere eingefangen.