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Europa, unbeschriebenes Blatt Archiv

34 Episoden
39 Minuten
Das Filmmuseum Berlin, die Deutsche Kinemathek und die Berliner Filmfestspiele haben dem Film Europas in den 60er Jahren eine vielbeachtete, große Ausstellung gewidmet. Lebensgefühl und Aufbruchstimmung jener Jahre, zeigen in allen europäischen Ländern, aber auch über den Atlantik hinweg, Charakteristiken und Perspektiven, die unverwechselbar sind. Erst im Abstand werden die Kennzeichen sichtbar: Revolte, Fantasie & Utopie. Der Historiker Wolfgang Jacobsen berichtet. Erstausstrahlung am 13.10.2002
21 Minuten
Paris ist die Hauptstadt des 19. Jahrhunderts, die der Aufklärung und war schon die Metropole Galliens. In seinem neuen Buch "Alles über Paris" führt Ulrich Wickert, in Paris aufgewachsen, den Leser durch "ein Weltmuseum, das eine Stadt ist". Nirgends hat man, so zitiert er Friedrich Hebbel, soviel Welt zusammen wie in Paris. Das Stadtwappen zeigt ein Schiff und den Text: Fluctuat nec mergitur ("es gleitet und sinkt nicht"). Ulrich Wickert über sein neues Buch. Erstausstrahlung am 27.12.2004
35 Minuten
Zwischen der Ukraine und Russland eine zentrale Rolle. Eine solche Position ist nur möglich, weil die Schweiz nicht der EU und auch nicht der NATO angehört und zugleich politisch zum Westen gehört. So besteht die Schweiz aus einer Fülle von Besonderheiten. In diesem Land gibt es die wohl größte Zahl von Orten, an denen markante Friedenskonferenzen stattfanden. Die Schweiz hatte das Glück, in den zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert neutral geblieben zu sein. Die Schweiz ist ein Kernland Europas und hält sich zugleich unabhängig von der Administration in Brüssel. Die Geschichte von Wilhelm Tell ist eine Sage. Aber die Schweiz ist wie sonst einst nur die Republik Venedig und bis heute die Vereinigten Niederlande nicht aus einer Monarchie und durch Beamte zum modernen Staat geworden, sondern von unten nach oben durch direkte Demokratie und Verständigungen unter Nachbarkantonen. Ein Land mit solchen Wurzeln, wie sie sich noch heute in den obligaten Volksabstimmungen zeigen, funktioniert anders und ist auch anders legitimiert als viele multinationale Verträge, die auf ihre demokratische Legitimierung nicht immer transparent sind. Napoleon war 1803 "Mediator" der Schweizer Einheit. 1948 kam in der Schweiz eine Bundesverfassung zustande. Anders als für Deutschland hatte das Jahr 1848 für die Schweiz ein positives Ergebnis. Zu den Schätzen der Schweiz gehört auch ein ungewöhnlicher Reichtum der gesprochenen Sprache. Er ist im IDIOTICON, einer Entsprechung zum Grimmschen Wörterbuch, gesammelt. Die Schweizer Botschaft in Berlin hat ihren Sitz in einem Gebäude, das 1945 im zerstörten Berlin erhalten blieb. Nach der Wende zeigte sich, dass dieses Gebäude dem Bundestag und dem Regierungsviertel von allen Botschaften, die es in Berlin gibt, am nächsten liegt. Was sind Konflikte, was sind Synergien im Verhältnis von EU, Bundesrepublik und der Schweiz? Was macht ein Schweizer Botschafter? Begegnung und Gespräch mit dem Botschafter mit Tim Guldimann auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) 2015. Erstausstrahlung am 15.04.2015
42 Minuten
Der Aufstand der Griechen gegen das Osmanische Reich begann 1821. Er wurde von den Großmächten England, Frankreich und Russland mit starker Emotion gefördert und führte 1830 zum ersten Königreich der Hellenen unter dem Bayerprinzen Otto. Noch während des Aufstands kam es zum ersten Staatsbankrott. Der zweite von bisher insgesamt drei lag 1883 nach einem wirtschaftlichen Innovationsschub, dem das griechische Eisenbahnsystem und der Kanal von Korinth zu verdanken sind. Als dramatisch gilt der Zweikampf zwischen dem Vollblutpolitiker Venizelios (der die Partei der Reeder, des britisch-französischen Geldes und der Wohlhabenden vertrat) mit dem König Konstantin (jetzt aus einem norddeutschen Fürstenhaus und Vertreter des Mittelstands, der Beamten und der kleineren Landbesitzer). Wie fast immer in der griechischen Geschichte schwankten die Mehrheiten. Die Regierungen lösten einander ab. Mal ging der König, mal der Vollblutpolitiker ins Exil. Man wird, sagt der Griechenlandkenner Zelepos, die neugriechische Geschichte und die Gegenwart dieses Landes nur verstehen, wenn man die einzelnen Teile betrachtet, aus denen sich das Land zusammensetzte und die bisher keineswegs integriert sind: Ein Land, das fast nur aus Besonderheiten besteht, in den Menschen selbst und in den Landschaften. Als Griechenland zu Ende des Ersten Weltkriegs gegen Deutschland und Österreich-Ungarn in den Krieg eintrat, gab die von diesem Land ausgehende Offensive den Mittelmächten den Rest. Kein unwichtiges, aber ein unsortiertes Land. Prof. Dr. Ioannis Zelepos, Neogräzist an der Ludwig-Maximilians-Universität München, berichtet. Erstausstrahlung am 09.09.2015
22 Minuten
Griechenland besteht in seiner Geschichte seit der Antike und in seiner Gegenwart nicht bloß aus der Hauptstadt Athen, dem Festland und der Peloponnes, sondern vor allem aus seinen 1.000 Inseln: „Nichts ist so verschiedenartig wie die Einzelteile des griechischen Archipels“. Die adriatischen Inseln im Westen gehörten früher zum Einflussbereich Venedigs. Sie haben eine andere Musik, andere Sitten, andere Bauweise und andere Gemeinwesen und Clans als die Inseln in Ägäis. Auch von diesen unterscheidet sich fast jede von den anderen. Geht man nicht von einem Einheitsurteil (meist einem Vorurteil) über Griechenland aus, sondern untersucht die einzelnen Regionen in Geschichte und Gegenwart, erhält man auch für die Lösung der Probleme des Landes einen besseren Blick. Dem Bürgermeister von Thessaloniki sind zum Beispiel Reformen gelungen. Die Riesenstadt Athen sucht Rat bei diesem Politiker für die eigenen Probleme. Athen selbst bildet als Megalopolis einen scharfen Gegensatz zu den agrarischen Regionen des Landes. In dieser Hinsicht erweist sich das Phänomen Griechenland als ein prismatisches Gebilde. Joannis Zelepos, LMU München, berichtet über die Vielfalt Griechenlands. Erstausstrahlung am 04.01.2016
22 Minuten
Täglich muss sie Entscheidungen treffen in einer Welt der Unübersichtlichkeit: Angela Merkel. Unter den Regierungschefs Europas ist sie am längsten in Dienst. Stefan Kornelius begleitet sie in seinem Buch auf ihren Reisen, den Stationen ihrer Regierungstätigkeit und in historischen Momenten. Erstausstrahlung am 08.04.2013
23 Minuten
Europa ist kein Territorialstaat. Es wird die bestehenden, gewachsenen Länder nicht ersetzen, sondern zusammenführen. Europa kann weder militärisch noch nach seinem zentralen Willen eine bloße Großmacht sein. Worin liegt die besondere Chance dieser europäischen Struktur? Dr. Hugo Bütler, Chefredakteur der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ), berichtet. Erstausstrahlung am 03.04.2000
22 Minuten
Einwanderer besiedelten die USA. Vandalen, Goten und Hunnen überrannten die Grenzzäune des römischen Reiches. Vergebens suchten die DDR-Behörden ihre Staatsgrenzen zu sperren. Wie verteidigt man Europa gegen illegale Einwanderung? Die Frage stellt sich an den Küsten Italiens, an der Ostgrenze der EU und an der Meerenge von Gibraltar. EG-Grenzschützer Pichota berichtet. Peter Berling als EU-Grenzexperte. Erstausstrahlung am 17.03.2003
23 Minuten
Die USA entwickelten seit 1945 einen Willen zur Vorherrschaft in der Welt, dem jede Heuchelei fremd ist. Diese Haltung führt in jüngster Zeit zu Kollisionen mit dem alten Europa, das mit Weltmachtgedanken, aufgrund bitterer historischer eigener Erfahrungen, besonders vorsichtig umgeht. Egon Bahr, Kanzleramtsminister unter Willy Brandt und heute als Sicherheitsexperte tätig, berichtet. Erstausstrahlung am 03.05.2004
10 Minuten
Im HAUS DER KUNST präsentierte der Architekt und Städtedesigner Rem Koolhaas seine Vision von Europa. In einer tumultartigen Bilderwelt ist die Geschichte Europas mit der Geschichte der Europäischen Union verknüpft. Eine Kartografierung der Gründe und Bilder, warum wir uns Europa zuwenden müssen. Rem Koolhaas berichtet. Erstausstrahlung am 13.02.2005
23 Minuten
Der prominente literarische Autor aus Wien, Robert Menasse, reiste nach Brüssel. Er suchte einen Romanstoff, der im Zentrum der Europäischen Union, und zwar unter den Brüsseler Beamten, handelt. Er fand bei seiner Recherche keines der Vorurteile, die über Schwächen der EU im Umlauf sind, bestätigt. Ihm geht es um eine positive Perspektive: gibt es einen Weg zu einem "Europa der Regionen"? Was heißt nach-nationale Demokratie? Wie Roman-tauglich sind EU-Beamte? Der Titel von Menasses Buch heißt "Der europäische Landbote", eine Anspielung auf eine berühmte Publikation von Georg Büchner. Begegnung mit dem Dichter Robert Menasse und über ihn mit der Europa-Zentrale in Brüssel, die uns alle betrifft. Erstausstrahlung am 09.09.2013
44 Minuten
Als Leiter einer Kommission von über 30 Kriminalisten und Experten ermittelte der Berliner Leitende Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis im Auftrag der Europäischen Union auf den Philippinen. Es ging um die Aufklärung und Eindämmung von Mordfällen. Zuvor war er im Auftrag des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen Chefermittler in Sachen des Attentats auf den Ministerpräsidenten Rafiq al-Hariri im Libanon. Detlev Mehlis führte diese Untersuchung im Namen der Völkergemeinschaft als Undersecretary des UNO-Generalsekretärs durch. Ministerpräsident Hariri wurde in seinem gepanzerten Fahrzeug durch ein Selbstmordattentat, das offenbar von hoher Stelle angestiftet war, mit einer ungewöhnlich großen Sprengladung, die 200 weitere Opfer forderte, umgebracht. Die Untersuchung, die von den unter Verdacht stehenden Kreisen ihrerseits mit Anschlägen bedroht wurde, wurde international stark beachtet. Die Aufklärung von Verbrechen "im Namen der Völker" und in ausgeprägten Mordfällen ist neu. Begegnung mit Detlev Mehlis. Erstausstrahlung am 11.09.2011
44 Minuten
Näher an der Küste Nordafrikas als an Siziliens Spitze liegt die Insel Lampedusa. Die Ufer sind steil und die primitiven Boote, gefüllt mit Flüchtlingen, können nur an wenigen Stränden landen. Das Wetter im Mittelmeer ist ungleichmäßig, oft tückisch. Die Bilder der Ertrunkenen haben sich im öffentlichen Bewusstsein eingeprägt. Was ist das für eine Insel? Im 18. Jahrhundert Fürst Potemkin und Katharina II wollen diese Insel als ein zweites Malta zum Stützpunkt für die russische Flotte machen. Im 19. Jahrhundert kurbelt der König von Neapel eine Besiedlung der Insel an. Heute gilt sie als südlicher Vorposten Europas im Krisenbereich anlandender Immigranten. Eine Abgeordnete der Insel im italienischen Parlament ist Politikerin der Lega Nord. Ulrich Ladurner, Autor der ZEIT, hat an Ort und Stelle die Felseninsel erforscht. Er berichtet über die Realitäten und Hintergründe der Migration aus Afrika nach Europa, die sich vor und auf dieser Insel mit oft tödlichem Ausgang konzentriert. Ein wichtiger und verblüffend interessanter Fleck im Mittelmeer. Erstausstrahlung am 06.04.2016
22 Minuten
Immanuel Kant hat den Verlauf der Französischen Revolution mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Ihr Scheitern im Terreur, was die Menschenrechte und den Freiheitsbegriff betrifft, und ihr politisches Ende nach dem Thermidor hat er als extreme kritische Herausforderung verstanden. Zugleich sagt er, dass ein elementarer Aufbruch zur Freiheit hin, auch wenn er zunächst scheitert, in der Geschichte der Menschen ein untrügliches Zeichen setzt. Das Politische hat ein Nachleben. Es wiederholt sich, nicht wie Marx sagt als Groteske, sondern dadurch, dass es beim zweiten oder siebten Mal sich glücklich verwirklicht. Die Philosophie von Georges Didi-Huberman stellt die Ausdrucksweisen der Künste und der Moderne in den Zusammenhang dieser Perspektive der "permanenten Aufklärung". Vieles in Programmen und Texten der Aufklärung erweist sich unter den bitteren Erfahrungen des 20. Jahrhunderts als Phrase. Georges Didi-Huberman nimmt den Schlusssatz in der ersten Ausgabe der DIALEKTIK DER AUFKLÄRUNG: (fortzusetzen), wörtlich. Sein letztes, in Deutschland noch nicht erschienenes Werk handelt von den Waffen des Geistes und der Waffe der Tränen. Besuch bei Georges Didi-Huberman in Paris. Erstausstrahlung am 04.07.2016
41 Minuten
Lusitanien, die ehemals römische Provinz am Atlantik, kommt schon im Hochmittelalter zu neuer Bedeutung. Wenig später ist das Königshaus über ganz Europa mit den führenden Familien versippt. Dabei bleibt das Gelände, das später Portugal heißen wird (anders als viele andere europäische Länder), ein in sich geschlossenes, mit sich selbst identisches Gebilde. Mit dem Fürsten und Unternehmer Heinrich dem Seefahrer und mit Vasco da Gama beginnt eine Eroberung der Welt zur See. In einem vom Papst garantierten Vertrag wird die damals bekannte Welt in zwei Hälften aufgeteilt: Die eine gehört zum spanischen, die andere zum portugiesischen Reich. Die Grenzziehung kann man heute noch in Lateinamerika verfolgen, wenn in Brasilien Portugiesisch, in den übrigen Teilen des Kontinents Spanisch gesprochen wird. "Sebastian, der Ersehnte", der aus einer grässlichen Niederlage in Marokko nicht zurückkehrt, gehört zu den markanten Zeichen von Portugals tausendjähriger Geschichte ebenso wie das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 und die aufgeklärt-autokratische Herrschaft des Marquis de Pombal, der Exodus des königlichen Hofes, als Napoleons Armeen vor Lissabon stehen, nach Brasilien. Die von England diktierte imperiale Arbeitsteilung lässt Portugal die Industrialisierung versäumen. Für verblüffende und dramatische Wendungen wie die Nelken-Revolution ist Portugal auch in der Moderne immer noch gut. Bewundernswert, wie die Schuldenkrise von diesem Land gemeistert wurde. Prof. Dr. Walther Bernecke, Historiker an der LMU München, berichtet. Erstausstrahlung am 08.06.2016
Europa, unbeschriebenes Blatt

Europa, unbeschriebenes Blatt

Was heißt: ich bin ein Europäer? Wie weit soll sich die EU ausdehnen? Was ist ein europäischer Patriotismus?