Das ist Kunst – Der Podcast der Deichtorhallen Hamburg Archiv
60 Episoden
41 Minuten
Der isländische Fotograf Ragnar Axelsson (geb. 1958) dokumentiert bereits seit mehr als 40 Jahren die Folgen des Klimawandels am Rand der bewohnbaren Welt. Dafür reist er in die abgelegensten und isoliertesten Regionen des Nordens. In beeindruckenden Schwarz-weiß-Bildern zeigt Axelsson die schwierigen Lebensbedingungen, aber auch die faszinierende Kraft der Natur, angesichts nicht mehr aufzuhaltenden Veränderungen. Besonders wichtig sind ihm vor allem die Beziehungen zwischen Menschen und Tieren in der Arktis – ein Ort, den Axelsson immer wieder besucht. In dieser Folge von DAS IST KUNST spricht Friederike Herr mit Ragnar Axelsson über seine Anfänge als Fotograf, wie er sich auf seine Expeditionen vorbereitet und warum er Schlittenhunde für die wahren Helden der Arktis hält. Das Gespräch ist in englischer Sprache zu hören.
55 Minuten
Dieter Roth (1930–1998) zählt zu den facettenreichsten Künstlern der Gegenwart. Sein Werk ist überbordend und revolutionär: Er experimentierte früh mit verschiedenen Drucktechniken und verwendete verderbliche Materialien wie Schokolade, Käse oder Bananen, die er durch eine Druckpresse quetschte oder einfach verschimmeln ließ. Roth beschäftigte sich aber auch intensiv mit Sprache, Literatur und Musik, veröffentlichte Zeitschriften, Bücher und Theaterstücke. Seine künstlerische Arbeit hat Roth zu Lebenzeiten nie abgeschlossen, dennoch inspiriert sein Werk viele Künstler*innen bis heute. In dieser Folge von DAS IST KUNST spricht Friederike Herr mit den Dieter-Roth-Expert*innen und Kurator*innen Ina Jessen und Dirk Dobke über Sonnenuntergänge aus Salamischeiben, Schokoladen-Porträts und Roths Kindheitserfahrungen im Nationalsozialismus.
49 Minuten
Omar Kholeif gehört zu den interessantesten jungen Kurator*innen der Gegenwart. Als Direktor*in der Sammlung der Sharjah Art Foundation forscht Kholeif zur zeitgenössischen Kunst, Politik, Urbanismus und Technologien. Weltweit hat Kholeif mehr als 100 Ausstellungen kuratiert, darunter IN THE HEART OF ANOTHER COUNTRY für die Deichtorhallen Hamburg. Darin erkunden 61 Künstler*innen den Heimatbegriff als Gefühl der Sehnsucht und Zugehörigkeit von Künstler*innen, die heute über die ganze Welt verstreut und weit von den Orten entfernt leben, zu denen sie sich ursprünglich zugehörig fühlten. Kholeif interessiert dabei besonders, wie physische Bewegung – Mobilität über Ländergrenzen hinweg – die Rahmenbedingungen des internationalen zeitgenössischen Kunstschaffens formen. In dieser Folge von DAS IST KUNST spricht Friederike Herr mit Omar Kholeif über Heimat, die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und die Musik von Rachmaninoff als Inspirationsquelle.
46 Minuten
Paul Mpagi Sepuya (*1982 in San Bernardino, Kalifornien, USA) gehört zu den weltweit bedeutendsten Künstlern der queeren Fotografie. In seinen Fotografien konzentriert er sich stark auf die Beziehung zwischen Künstler und Motiv. Oft erforscht er den Akt in Verbindung mit der Intimität der Studiofotografie. Sein Studio, in dem er Freunde und Musen fotografiert, erinnert mit seinen Objekten und Requisiten an die Foto-Studios des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sepuya setzt die Porträtfotografie in neue Zusammenhänge und deutet sie auf diese Weise zum Teil völlig um, seine Bilder berühren Themen wie Queerness, Blackness und Homoerotik. Das Fotostudio wird zu einem intimen, geschützten Ort für freien Ausdruck. In dieser Folge von DAS IST KUNST spricht Friederike Herr mit Paul Mpagi Sepuya über seine Einflüsse, die Arbeit im Studio und wie die Foto-Dunkelkammer und der Darkroom zusammengehören.
35 Minuten
Das Odesa Photo Days Festival hat es sich seit 2015 zur Aufgabe gemacht, die ukrainische Fotografie-Szene zu unterstützen und jungen Dokumentarfotograf*innen und Fotokünstler*innen eine Plattform zu geben. In diesem Jahr musste das jährlich stattfindende Festival aufgrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine abgesagt werden. Viele ukrainische Künstler*innen stehen vor der Ungewissheit ihrer Existenz und versuchen dennoch, die Ereignisse in ihrem Heimatland zu dokumentierendem so eine neue Form der Normalität während des Krieges zu zeigen. Kateryna Radchenko, künstlerische Leiterin und Kuratorin der Ausstellung THE NEW ABNORMAL im PHOXXI, spricht im Podcast von ihren persönlichen Erfahrungen der letzten Monate und wie Arbeit und Alltag im Krieg überhaupt funktionieren können.
25 Minuten
Die Hamburger Fotografin Charlotte March (1929–2005) hat die Modefotografie in den 1960er-Jahren entscheidend verändert. March wollte ihre Modelle anders aussehen lassen als damals üblich. Ihre Fotos brachen mit den gängigen Geschlechterrollen: Sie zeigte Frauen, die vor der Kamera rauchten oder Werbung für Bier machten. Männer inszenierte sie als empfindsam und sinnlich. Ihre Fotos für berühmte Magazine und Zeitschriften waren revolutionär und stilbildend, auch weil sie als eine der ersten Fotograf*innen in Deutschland wie selbstverständlich mit Schwarzen Models zusammenarbeitete. Noch heute ist ihr Einfluss in der Modefotografie zu spüren. In dieser Episode von "Das ist Kunst" spricht Friederike Herr mit Manu Sawhney, Charlotte Marchs ehemaliger Assistentin, und der freien Kuratorin und Publizistin Nadine Barth über Marchs Arbeitsweise, wie ihr es gelungen ist, sich kreative Freiräume zu schaffen und warum es sich lohnt, ihr Werk wiederzuentdecken.
30 Minuten
Die Erfinderin und Designerin Laura Kampf begeistert mit ihren einzigartigen DIY-Kreationen, die stets unter dem Motto „The process is the product“ laufen, Millionen Fans weltweit auf YouTube. Am 9. April 2022 wird sie die finale Mission des SPACE PROGRAM: RARE EARTHS des US-amerikanischen Künstlers Tom Sachs in den Deichtorhallen Hamburg als Commander begleiten. In dieser Spezialausgabe von Das ist Kunst spricht Friederike Herr mit Laura Kampf darüber, wie sie sich auf die Mission zum Planeten 4-VESTA vorbereitet, was sie an Tom Sachs' Kunst fasziniert und warum es wichtig ist, gerne zu scheitern.
25 Minuten
Mehr als 150 Kinderbücher hat der französische Künstler Tomi Ungerer geschrieben und illustriert. "Die drei Räuber", "Der Mondmann" oder "Zeraldas Riese" sind zu Bestsellern geworden und in vielen Kinderzimmer-Regalen zu finden. Seinen jungen Leser*innen wollte Ungerer stets einen Vorgeschmack auf das echte Leben geben und hat dabei auch düstere Themen nicht ausgespart. Damit hat er die Kinderliteratur nachhaltig verändert. Seine kompromisslose Ehrlichkeit sowie sein Erfolg mit erotischen oder bitterbösen Zeichnungen für Erwachsene gefiel jedoch nicht allen Kritiker*innen. In dieser Episode von "Das ist Kunst" spricht Friederike Herr mit Aria Ungerer, Tochter von Tomi Ungerer, und dem Journalisten Martin Verg über die Fantasiewelten in Tomi Ungerers Kinderbücher, künstlerische Einflüsse und welche Bücher Ungerer seinen eigenen Kindern vorgelesen hat.
24 Minuten
August Sander (1876–1964) gilt als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. In seiner berühmten Porträtreihe "Menschen des 20. Jahrhunderts" wollte er ein typologisches Gesamtbild der deutschen Gesellschaft seiner Zeit zeigen. In dem Film "August" des israelischen Videokünstlers und Filmemachers Omer Fast wird der Fotograf am Ende seines Lebens vom Tod seines Sohnes und seiner fotografierten Figuren heimgesucht. Fast verwebt assoziativ das Werk Sanders mit einer dramatischen, filmischen Erzählung. Die surrealen Traumsequenzen, Klang, Musik und Farbe lassen den Zuschauer*innen rätseln: Was ist echt? Was ist Fiktion? In "Das ist Kunst" spricht Friederike Herr mit Omer Fast über "August", Erinnerungen und was ihn an der 3D-Technik fasziniert.
56 Minuten
Seit 13 Jahren begibt sich der US-amerikanische Künstler Tom Sachs auf Erkundungsreise an die Grenzen anderer Welten. Mithilfe von Sperrholz, Heißkleber und Pappe inszeniert er spektakuläre Weltraummissionen und Space-Landschaften nach strengstem Raumfahrtprotokoll. Dabei thematisiert Sachs immer wieder unser Konsumverhalten, Technologie-Gläubigkeit und Markenkult. Die neueste Mission seines "Space Programs" in Hamburg führt ihn und seine Crew auf der Suche nach Seltenen Erden zum Asteroiden Vesta. In dieser Episode spricht Friederike Herr mit Tom Sachs über seine künstlerischen Prinzipien, Smartphone-Sucht, Teerituale und was er von James Brown gelernt hat.
32 Minuten
Aby Warburg (1866–1929) gilt als Meisterdetektiv der Kunstgeschichte. Sein berühmter „Bilderatlas Mnemosyne" zeichnet wiederkehrende Figuren, Motive und Elemente von der Antike über die Renaissance bis zur Gegenwartskultur nach. Warburgs Methode war neu und zukunftsweisend: Auch im digitalen Zeitalter gibt uns seine Spurensuche darüber Aufschluss, wie Bilder besser gelesen werden können. In dieser Episode von "Das ist Kunst" spricht Friederike Herr mit Uwe Fleckner, Leiter des Warburg-Hauses in Hamburg, über Aby Warburgs Leben und die Faszination des Bilderatlas.
25 Minuten
Fast gleichzeitig erkrankten die Eltern von Nancy Borowick unheilbar an Krebs. Die Fotografin beschloss, ihren letzten Weg mit der Kamera festzuhalten. Mit ihrer Serie „The Family Imprint“ gelang ihr so ein einfühlsames Porträt über die Kraft der Familie und das Abschiednehmen. In dieser Episode spricht Nancy Borowick über das Projekt, ihre Eltern und wie ihr die Fotografie dabei half, die Trauer zu bewältigen. Außerdem erklärt der Fotohistoriker Ulrich Rüter, warum die Fotografie und der Tod seit jeher eine enge Beziehung verbindet.
30 Minuten
„Musik verändert, was du siehst“, sagt der südafrikanische Künstler, Theater- und Opernregisseur William Kentridge. In seinem multimedialen Werk rund um Themen wie soziale Ungerechtigkeit, die Geschichte Südafrikas, Kolonialismus, Familie, Flucht und Vertreibung spielt Musik eine besonders wichtige Rolle. In dieser Episode taucht Friederike Herr in den akustischen Kosmos des Künstlers ein und erklärt, wie Kunst und Klang in Kentridges Werk zusammenhängen.
25 Minuten
Nach über einem Jahr Ausnahmezustand ziehen Museen und Ausstellungshäuser Bilanz: Wie haben sich die monatelangen Schließungen auf das eigene Haus ausgewirkt? Welche Veränderungen hat die Krise mit sich gebracht und können diese auch als Chance begriffen werden? Darüber spricht Friederike Herr mit der Ausstellungsmanagerin Annette Sievert und dem Deichtorhallen-Intendanten Dirk Luckow. Was sich für Besucher*innen verändert, wenn Kunst nicht mehr vor Ort betrachtet werden kann, kommentiert der Kunsthistoriker und Autor Wolfgang Ullrich.
36 Minuten
Das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Familie steht im Mittelpunkt der ersten Folge von »Das ist Kunst«: Wie familienfreundlich ist ein Leben zwischen Atelier und Ausstellungsbetrieb? Wie bildet sich Familie im Werk einzelner Fotograf:innen ab? Darüber spricht Friederike Herr mit der Fotografin Katharina Bosse, der Künstlerin Marcia Breuer von der Initiative »Mütter für die Kunst« und Ingo Taubhorn, Kurator der Ausstellung FAMILY AFFAIRS – FAMILIE IN DER AKTUELLEN FOTOGRAFIE. Wie es gelingen kann, Kunst und Familie zusammenzubringen, zeigt ein Blick auf den „Familienbetrieb“ von Katharina Sieverding.