"Mir geht's nicht so gut..."

Wir haben ausgewertet, wie krank Podcaster sind

29. Juli 2022 , aktualisiert: 03. August 2022

Wie ist es eigentlich um die Gesundheit von Podcastern bestellt? Wir haben über 57.000 Episoden ausgewertet, um herauszufinden, wie krank sie sich fühlen. Eine Erkenntnis: Viele sind einfach müde.

Bild: Pexels
Wir haben ausgewertet, wie krank Podcaster sind

Podcaster sind eine kommunikative Zunft, sie plappern, frotzeln, schnacken und labern. Nicht selten geht es dabei um ihr Befinden. Podcaster berichten immer wieder darüber, wie es ihnen geht, und wie sie sich fühlen - Das gilt dann jeweils für den oder die einzelnen Podcaster. Wie spannend wäre es, auszuwerten, wie es der gesamten Szene geht?

Neue Analysetools wie PodMon geben einen Einblick in die Daten, die bislang nur schwierig aus Podcasts zu gewinnen waren. Es sichtet, transkribiert und wertet große Mengen an Podcasts auf die darin benutzten Begriffe aus. Viele tausende Hörstunden an Audiomaterial werden so durchsuchbar. PodMon und podcast.de konnten 57.814 Episoden der Top 1.000 deutschsprachigen Podcasts auswerten. Im Fokus stand dabei der Gesundheitszustand der Podcastenden. Der Messzeitraum umfasst Folgen, die zwischen dem 1. Januar 2022 und dem 7. Juli 2022 veröffentlicht wurden.

Bei der Gesundheits-Auswertung handelt es sich bereits um die zweite Zusammenarbeit zwischen PodMon und podcast.de. Die vorherige Analyse drehte sich um die Frage: "Wie häufig nutzen Podcaster Gender-Sprache"?.

PodMon analysiert Podcasts
Bild: PodMon

Auswertung auf Krankheits-Keywords in Podcasts

Im Pool der 23 Keywords waren typische Krankheitssymptome wie Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit. Auch Phrasen wie "mir geht es nicht gut" fanden ihren Weg in die Auswertung.

Um zu vermeiden, dass das bloße Sprechen über Krankheitssymptome in die Auswertung einfließt, hat PodMon sie an entsprechende Pronomina geknüpft. Das Wort "Husten" zählt also nur in die Wertung, wenn unmittelbar davor oder danach auch "ich", "mir", "mich" oder "mein" gesagt wurde. Referiert also beispielsweise ein Arzt in einem Gesundheitspodcast rein fachlich über Corona-Symptome, zählt das nicht als Treffer.

Podcaster leiden unter Müdigkeit, Erschöpfung und Erkältungssymptomen
Bild: podcast.de

Sprache ist dennoch vielfältig und nicht ganz einfach zu analysieren. Die maschinelle Analyse kann nicht bis ins letzte Detail klären, ob ein Podcaster sich niedergeschlagen fühlte oder womöglich niedergeschlagen wurde. Einzelfälle können Messungenauigkeiten hervorrufen, dennoch gibt die Auswertung einen Überblick über die Größenordnungen, in denen Krankheiten und ihre Symptome auftreten.

Die Leiden der Podcaster

Die gute Nachricht vorweg: nur drei Podcaster hatten Augenschmerzen. 63 Podcaster wurden von Übelkeit geplagt, 64 von Durchfall. Anders sah es dafür aber schon bei Kopfschmerzen und Migräne aus, Beschwerden darüber kamen 448 Mal in den 57.814 Episoden auf. Das entspricht das einem Schnitt von 0,77 Prozent.

Apropos Beschwerden: In 768 Fällen äußerten Podcaster, sich "nicht gut" oder "schlecht" zu fühlen. Auch Niedergeschlagenheit oder das Gefühl von Überlastung fällt in diese Kategorie. 1,33 Prozent geht oder ging es demnach während ihrer Episoden nicht gut.

Mit Erkältungssymptomen hatten insgesamt 901 Podcaster zu kämpfen. Sie beklagten Symptome wie Halsschmerzen, Schnupfen oder Gliederschmerzen. Fieber schlägt zusätzlich mit 463 Erwähnungen zu Buche.

Was die allermeisten Podcaster quält, ist indes Erschöpfung und Müdigkeit. 3,4 Prozent, also 1.917 von ihnen erklärten "Ich bin müde" oder nutzten ähnliche Formulierungen. Da sich unter der Grundgesamtheit der 1.000 Top deutschsprachigen Podcasts jedoch zahlreiche Sach- und Fachformate, befinden, die aus professionellen Gründen auf Befindlichkeitsäußerungen verzichten, dürften die realen Werte noch höher liegen.

Krankheits-Symptome bei Podcastern als Diagramm
Bild: PodMon / podcast.de

Podcaster dieses Genres sind besonders betroffen

PodMon konnte zudem ermitteln, in welchen Podcast-Genres die meisten Krankheitserwähnungen stattfinden. Der Wert wurde bereinigt und auf 1 normiert, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Genres Automotive und Literatur belegen dabei unaufgeregter Weise die letzten Plätze. In ihnen wurden nahezu gar keine Beschwerden erwähnt. Wenig überraschend sind auch Finanz- und Technik-Podcasts nicht allzu gefühlsbetont.

Das Mittelfeld machen Genres wie Nachrichten, Freizeit & Familie und Business aus. Sie weisen einen Krankheits-Score zwischen 0,4 - 0,6 aus. Platz 3 geht an Gesundheit & Fitness, Platz 2 belegt Lifestyle. Mit knappem Abstand folgen sie auf das Podcast-Genre mit den häufigsten Krankheits-Äußerungen.

Das Genre, in dem am meisten über Krankheiten, Befindlichkeiten, Schmerzen und Leiden gesprochen wird, ist indes Politik & Gesellschaft. In keinem anderen Genre berichten Podcaster so häufig über gesundheitliche Beschwerden.

In diesen Genres beklagen Podcaster die meisten Krankheiten.
Bild: PodMon

Wir freuen uns über Rückmeldung zu den Ergebnissen und weitere Vorschlägen für umfassende, inhaltliche Analysen unter redaktion[at]podcast[punkt]de.


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