In meinem Geldbeutel ist ein gefaltetes Stück rosafarbenes Papier.
Mein Foto ist darauf zu sehen – da war ich gerade mal 18 Jahre alt.
Was das für ein Papier ist? Es ist mein Führerschein!Der
Führerschein ist ein offizielles Dokument. Ich habe den
Führerschein bekommen, nachdem ich meine Fahrprüfung gemacht hatte.
Seitdem darf ich Auto fahren. Ich erkläre Euch kurz, wie man in
Deutschland zum Autofahrer wird. Als ich 1994 meinen Führerschein
machte, musste ich 18 Jahre alt sein. Heute ist das anders: Man
kann schon ein Jahr früher Auto fahren. Ähnlich wie in den USA geht
das aber nur in Verbindung mit dem begleiteten Fahren – man darf
nicht alleine Auto fahren lernen, sondern muss einen Erwachsenen
mit dabei haben. Wer lernen möchte, ein Auto zu fahren, geht in
eine Fahrschule. Der Unterricht ist in zwei Teile unterteilt:
Theorie und Praxis. Im Theorieunterricht sitzt man wie in der
normalen Schule in einem Raum mit dem Fahrlehrer und lernt die
Verkehrsregeln. Eine Schulstunde dauert in Deutschland 45 Minuten –
in der normalen Schule genau wie in der Fahrschule. 26
Theorie-Stunden lang muss man also die Schulbank drücken, bis man
die theoretische Prüfung ablegen kann. 80% der Fragen muss man
richtig beantworten – sonst ist man durchgefallen. Der praktische
Unterricht erfolgt im Straßenverkehr: Gemeinsam mit dem Fahrlehrer
oder der Fahrlehrerin sitzt man in einem speziellen Auto. Dieses
Auto hat auch auf der Beifahrerseite Spiegel und ein Bremspedal. So
kann der Lehrer im Notfall eingreifen. Es ist gesetzlich
vorgeschrieben, wie viele Stunden man mindestens unterwegs sein
muss – zum Beispiel 5 Fahrstunden auf einer Landstraße, 4 auf der
Autobahn und 3 in der Nacht. Der Fahrlehrer entscheidet dann, wann
man gut genug ist, um an der Fahrprüfung teilzunehmen. Das ist
aufregend, kann ich Euch sagen! Man bekommt einen Termin zur
Prüfung, und da kommt dann ein fremder Mensch, ein so genannter
Prüfer, und setzt sich mit dem Fahrlehrer und dem Schüler ins Auto.
Er lässt den Schüler dann fahren, stellt ihm Fragen – und
beobachtet alles ganz genau. Ich musste damals auch rückwärts
einparken – gar nicht so leicht, wenn man nervös ist! 45 Minuten
dauert diese Prüfung – dann weiß man, ob die Prüfung bestanden ist
oder nicht. Wenn ja, bekommt man den Führerschein – wenn nicht,
muss man nochmal in die Fahrschule zurück. Heute übrigens ist der
Führerschein nicht mehr rosa. Die europäischen Länder haben sich
auf einen einheitlichen Führerschein geeinigt, und dieser ist klein
wie eine Kreditkarte und aus Plastik. Ich werde also bald meinen
Führerschein umtauschen gegen diesen schöneren Karten-Führerschein
– und dann bin ich auch das alte Foto endlich los... Autofahrer
unter 21 Jahren müssen übrigens nüchtern Auto fahren – sie dürfen
nur 0 Promille haben. Bei älteren Fahrern liegt diese Grenze bei
0,5 Promille. Wer gegen diese oder andere Verkehrsregeln verstößt
und damit sich und andere in Gefahr bringt, bekommt Punkte in
Flensburg – wer zu viele Punkte hat, der verliert seinen
Führerschein. Um ihn wiederzubekommen, muss man erneut in die
Fahrschule.Übrigens war der Führerschein in Deutschland ansonsten
ewig gültig – man machte ihn mit 18 und konnte fahren, bis man
starb. Heute ist das anders: Seit 2013 ist der Führerschein nur
noch 15 Jahre gültig. Danach muss man ihn neu beantragen – und ein
neues Foto machen lassen. Eine Fahrprüfung gibt es allerdings
nicht. Wie ist das in Eurem Land? Schreibt gerne in die
Kommentarfunktion! Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg129kurz.pdf
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