Heute stelle ich Euch wieder einen ganz besonderen Menschen vor,
und zwar Karl Valentin. Er war ein Münchner Komiker, der vor allem
durch seine komischen Weisheiten und Sprachspiele berühmt geworden
ist. Noch heute wird er oft zitiert. Manche nennen ihn den Charlie
Chaplin Deutschlands. Valentin wurde 1882 in München als Valentin
Ludwig Fey geboren. Er machte eine Lehre zum Schreiner und
Tischler, trat aber schon früh auf Bühnen auf. Er war ein großer,
schlaksiger Mann und sehr hager. Auch daraus machte er ein
Markenzeichen. 1911 traf er seine Bühnenpartnerin Liesl Karlstadt.
Neben der Theaterbühne war Valentin auch der Film wichtig. Er
drehte kurze Stummfilme und Sketche in einem eigenen Filmstudio.
Befreundet war er mit Bertolt Brecht, dem sehr bekannten deutschen
Dramatiker. Immer wieder eröffnete er eigene Theaterbühnen, keine
davon blieb lange offen. https://youtu.be/F2s1vdzq2aY Als das
Nazi-Regime an der Macht war, hielt Valentin sich zurück. Einige
Scherze wagte er aber dennoch. Beispielsweise: „Wie gut ist es
doch, dass der Führer nicht „Kräuter“ heißt!“ Sonst wäre der
Hitlergruß ja „Heil, Kräuter“ gewesen. In einem berühmten
Valentin-Sketch geht es um einen Mann namens Wanninger. Er ist
Buchbinder. Am Telefon versucht er, seinen Auftraggeber etwas zu
fragen. Doch anstatt eine Antwort zu erhalten, wird er ständig
weiterverbunden. Das kennt Ihr doch sicher auch, oder? Die
Call-Center haben dieses Phänomen ja in unserer Zeit noch
verstärkt. Jedenfalls sagen wir in Süddeutschland mittlerweile
dazu: Das war wie beim Buchbinder Wanninger. Wenn wir wieder ewig
in einer Warteschleife hängen. Auch andere Sprüche von Karl
Valentin sind heute noch in aller Munde und in der deutschen
Sprache verankert. Auch wenn nicht jeder weiß, wen er da zitiert.
Beispielsweise wird der Spruch „Es ist schon alles gesagt, nur noch
nicht von allen“ gerne zitiert, wenn es um aktuelle politische
Debatten geht, die kein Ende nehmen wollen und gleichzeitig keine
neuen Erkenntnisse bringen. Was mir persönlich an Karl Valentin so
gut gefällt, ist seine Einstellung zum Leben. Er beobachtete seine
Umgebung sehr genau und brachte Erkenntnisse dann auf den Punkt.
Zum Beispiel durch Sätze wie „Ich freue mich wenn's regnet, denn
wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Das ist genau die
Lebenseinstellung, die wir verinnerlichen sollten: Keine unnötige
Energie auf Dinge zu verwenden, die wir nicht ändern können.
Stattdessen lieber die Dinge anpacken, die wir beeinflussen können.
Gerade jetzt, in einer Zeit in der wir viel über Flüchtlinge lesen
und hören, denke ich oft an einen Spruch von Karl Valentin. Er
sagte damals: Fremd ist der Fremde nur in der Fremde. Das ist
natürlich nicht neu – das wissen wir. Aber oft denken wir nicht
daran, oder? Der Flüchtling, der heute bei uns hier ist, hat
natürlich eine Heimat, in der er nicht fremd ist. Oder nicht fremd
war, bevor diese Heimat zerstört wurde. Für mich zeigen diese
Sprüche von Karl Valentin vieles. Zum einen, dass er ein
ausgesprochen kluger Mann war. Zum anderen, dass er seiner Zeit
voraus war, denn die Sprüche sind teilweise 100 Jahre alt und
wirken immer noch modern. Zum dritten aber auch, dass sich manche
Dinge nie ändern, zum Beispiel die Ressentiments der Menschen
Fremden gegenüber. 1948 starb Valentin unterernährt an einer
Lungenentzündung. Ausgerechnet am Rosenmontag, also im Fasching.
Heute gibt es mitten in München, im Isartor, ein Valentin-Musäum.
Es ist absichtlich falsch geschrieben – wundert Euch nicht.
HINWEIS: Die Sprüche von Karl Valentin sind urheberrechtlich
geschützt. Bitte verbreitet diese nicht ohne Genehmigung weiter!
Ich habe eine Genehmigung der Valentin-Erben, die Sprüche hier zu
verwenden. Alle Sprüche von Karl Valentin sind Karl Valentin Erben,
c/o RA Fette. Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg134kurz.pdf
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