Podcast Produktion

Vermeide diese typischen Podcast-Fehler

Bild: Ivan Samkov via Pexels
Vermeide diese typischen Podcast-Fehler

Wissen, was schief läuft – und es dann besser machen.

Gerade in der Vorbereitungsphase lohnt es sich, möglichst viel Rat und Tipps einzuholen, um dem eigenen Podcast einen guten Start zu ermöglichen. Dazu gehört auch zu wissen, welche typischen Podcast-Fehler immer wieder gemacht werden.

Dabei geht es weniger um rein technische Probleme, sondern vor allem Erwartungen und Denkweisen über den Erfolg des Podcasts. Dinge, die in der Regel nicht häufig angesprochen werden.

Podcast-Fehler Nummer 1: Ungeduldig sein

Wenn Du einen neuen Podcast für Dich entdeckst, hat dieser doch meistens schon zahlreiche Folgen veröffentlicht. Das freut natürlich Dein Hörer*innen-Herz, denn so hast Du neben den Neuerscheinungen noch jede Menge ältere Episoden, durch die Du dich durchhören kannst.

Und während Du dich also Woche für Woche durch das Material lauschst, fütterst Du fleißig die Statistik des Kanals.

Aber entdeckst Du jedoch einen Podcast, der seit 2 Jahren nicht mehr aktualisiert wurde, heißt es meißtens "schade, dass da keine neuen Episoden kommen".

Genauso wird es sich mit Deinem eigenen Podcast verhalten. Nur wenn Du dran bleibst und über lange Zeiträume kontinuierlich neue Episoden veröffentlichst, kannst Du eine solide Reichweite aufbauen. Für konstante Produktivität hilft es, immer einige Episoden im voraus zu Produzieren.

Je länger Dein Podcast besteht, desto größer kann Deine Hörerschaft werden. Podcast-Urgesteine haben eben nicht nach der 6. Folge aufgehört (egal wie wenig Abonnenten sie zu dem Zeitpunkt hatten).

Geduld hat also mit Erwartung zu tun.

Und diese Erwartung, innerhalb kurzer Zeit auf hohe Hörer- und Abonnenten-Zahlen zu kommen, ist vermutlich sehr vorgeprägt von Social Media Mechanismen. Follower und Likes steigen verhältnismäßig schnell an. Daran hat man sich inzwischen gewöhnt und überträgt diese Erwartung automatisch auch auf seine Podcast-Projekte (immerhin sind sie auch ein Online-Medium).

Aber dieser Vergleich geht nicht so richtig auf.

Denn: Ein Like ist viel schneller vergeben, als eine Episode gehört. Für Facebook- oder Instagram-Profile gelten eben andere Regeln als für Podcast-Hörende. Aufmerksam einer Episode zuzuhören und sich die Zeit dafür zu nehmen, ist im Vergleich zum Liken eines Bilds ein wesentlich achtsamerer Akt.

Ungeduld als Podcast-Fehler: Hörerzahlen wie Likes erwarten.

Und deshalb kannst Du Dich über jeden einzelnen Hörer und jede einzelne Hörerin freuen!

Erwartungen anpassen

Erwarte nicht nach den ersten Wochen schon horrende Hörerzahlen, sondern mach Dir bewusst, dass Dein Podcast sich erst durch Ausdauer und regelmäßige Veröffentlichungen nach und nach etabliert.

Einen Podcast zum Wachsen zu bringen und damit viele Leute zu erreichen, braucht eben Zeit.

Wie lange genau, das lässt sich nicht sagen und ist bei jedem Podcast unterschiedlich. (Und natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass Dein Podcast nicht auch innerhalb kurzer Zeit “durch die Decke” gehen kann!).

Und wann ist Dein Podcast für dich eigentlich erfolgreich? Das muss ja nicht zwingend mit Statistiken zusammenhängen. Vielleicht liegt die Erfüllung auch in anderen Aspekten, wie gutem Feedback, neuen Kontakten, oder womöglich findest Du den Audioschnitt einfach sehr erfüllend? ;)

2. Kein Tamtam machen

Einfach so einen Podcast starten und dies nirgends ankündigen nennt man auch Silent Launch. Tu das nicht, wenn Dein Kanal nicht untergehen soll.

Mach Tamtam!

Lass’ Deine Social-Media-Kanäle nicht stumm, wenn es um die Ankündigung und Verbreitung Deines Podcasts geht. Sorge dafür, dass Dein Podcast mehrfach angekündigt wird, bevor die erste Folge online ist. So gibt es gleich ein paar Leute, die ihn ab Stunde Null kennen, was für eine besondere Bindung sorgen kann.

Greife auch auf bestehende Kontakte aus Deinem Umfeld zurück und bitte Deinen Bekanntenkreis, den Podcast weiter zu empfehlen.

Nach dem Start

Solltest Du Deinen Podcast bereits gestartet haben, dann mach’ fleißig weiter mit der Sichtbarkeit auf Social Media. Sorge durch jede Menge Posts und Verlinkungen für Sichtbarkeit, um im Gedächtnis der Leute zu bleiben.

Interagiere mit Interessengruppen durch inhaltliche Fragen und Diskussionen und erwähne Deinen Podcast so oft es geht (oder zeige das Cover immer wieder). Auf diese Weise werden Dir auch immer neue Ideen und Themen für zukünftige Folgen zufliegen.

Manch ein Podcaster behauptet sogar, die Verbreitung macht 50% der Arbeit – nach dem Aufnehmen und Hochladen der Episoden.

Und wenn nicht?

Im Ausschlussverfahren gedacht: Wie würden Außenstehende auf Deinen Podcast aufmerksam werden, wenn Social Media wegfallen würde? Sie müssten gezielt in den Podcast-Apps oder auf Google nach dem Themenbereich Deines Podcasts suchen.

Selbst dann ist nicht garantiert, dass sie auch auf Deinen Podcast stoßen. Dann blieben noch die Charts von Apple Podcast und Spotify. Aber auch hierfür sollte Dein Kanal gut laufen, um höhere Listenplätze zu belegen. Und wie kriegst Du Deinen Podcast zum laufen? Richtig...Mach Tamtam!

3. Ein unlesbares Coverbild

Ja, Dein Podcast-Cover sollte zwischen 1400x1400 und 3000x3000 pixel groß sein. Aber es wird so gut wie nie in dieser Größe dargestellt. Die meisten Leute hören Podcasts mit dem Handy, und die dortigen Apps zeigen das Cover eher in einem Zehntel seiner eigentlichen Größe.

Alle Schriften und Symbole, die nicht GROSS UND FETT das Cover ausfüllen, sind also auf mobilen Geräten nicht mehr lesbar.

Faustregeln

Daraus ergibt sich der Grundsatz: Verwende fette Schriften und schlichte, klare Hintergründe. Bei heller Schrift auf dunklem Grund darf die Schriftgröße noch weiter erhöht werden. Verwende nicht zu viele Elemente, gib dem Auge des Betrachters wenige klare Ankerpunkte.

Unleserliche Coverbilder gehören zu den typischen Podcast-Fehlern.

Aber nicht nur Lesbarkeit ist wichtig. Auch zählt, dass Dein Cover ansprechend ist und was es transportiert. Natürlich darfst Du hier frei gestalten oder gestalten lassen. Wenn der Podcast wirklich gut ist, kann jedes Cover zur Legende werden.

Doch überlege Dir, was für einen Eindruck Du machen möchtest. Das Cover ist in der Regel die erste visuelle Verknüpfung, die die Leute mit Deinem Podcast haben. Daher solltest Du die Außenwirkung des Covers nicht vernachlässigen.

Im Zweifel kannst Du Bekannte fragen, wie Deine Entwürfe auf sie wirken. Idealerweise hast Du jemanden mit gestalterischen Fähigkeiten zur Hand, um Dir helfen zu lassen.

4. Kein roter Faden

"Einfach drauf los reden, was einem so in den Sinn kommt – es wird sich schon was ergeben!"

So denken viele, die mit ihrem Podcast starten. Das kann funktionieren, kann aber auch dazu führen, dass die Hörerzahlen konstant auf der Bremse stehen.

Das Ding ist – wie unter Punkt 1 schon angemerkt: Die Leute investieren ihre Zeit ins Podcast Hören. Dafür wollen sie auch etwas bekommen. Zum Beispiel gut recherchierte Nachrichten, tolle Geschichten, Interviews, informativen Mehrwert oder richtig gute Unterhaltung.

Was soll das überhaupt?

Da stellt sich also ganz schnell die Frage nach dem Konzept des Podcast. Für wen machst Du das, und was willst Du den Leuten (über-)bringen?

Bleiben wir beim Beispiel Unterhaltung, weil es sich dort einfacher drauf los reden lässt als bei Nachrichten. Es gibt unzählige solcher Kanäle bei denen zwei oder mehr Freunde oder Freundinnen vor dem Mikrofon einfach irgendwas erzählen.

"Wisst ihr, was mir letzte Woche verrücktes passiert ist???"

Wie unterhaltend die kommende Geschichte wirklich ist, hängt sehr vom erzählerischen Talent ab.

Gedankenstütze

Sollte man als Moderator*in einmal nicht im komödiantischen Flow sein, helfen einige vorbereitete Stichpunkte oder ein festgelegtes "Thema der Folge" ungemein. Es muss kein detailreiches Skript sein, aber einige inhaltliche Eckpunkte festzulegen, kann dabei helfen, spannende Episoden zu machen.

Allein schon für den Episodentitel ist ein roter Faden gut – denn der Name einer Folge kann entscheidend dafür sein, ob jemand reinhört oder nicht. Denk dran: Ein kleines bisschen will die Hörerschaft schon vorab wissen, wofür sie sich die kommenden 20 bis 60 Minuten Zeit nimmt.

5. Tonqualität

Ein großer Anteil der Abbruchquoten von Podcast-Episoden geht auf die Tonqualität zurück.

Beobachten kann ich das wöchentlich, wenn mein Kollege sich die Kopfhörer vom Haupt reißt und sagt, "das kann man sich doch nicht anhören!". Und damit meint er nicht Inhalt oder Stimme, sondern schlicht und ergreifend den Sound.

Ob die Sprechstimme eines Menschen gefällt oder nicht, ist sehr subjektiv. Aber gegen Rauschen, quäkigen oder blechernen Aufnahme-Klang, oder eine schlichtweg zu leise Mischung kann man was tun. Und zwar am besten ganz am Anfang der Aufnahmekette.

Dabei gilt nach alter Toningenieurs-Weisheit: "Mist rein = Mist raus". Das heißt übersetzt, dass beispielsweise eine Handy-Aufnahme im U-Bahntunnel* auch mit etwaigen Nachbearbeitungen nicht so klingen wird wie eine Hörbuchaufnahme im profesionellen Tonstudio.

Ja, moderne Software zur Audio-Restauration und Veredelung kann einiges in unschönen Aufnahmen wieder gut machen. Aber am besten ist es, wenn Du keine "Reparatur" brauchst. Also steck' etwas Liebe in Deine Raumakustik und die Auswahl des Mikrofons. Deine Zuhörer werden es Dir danken.

*(extremes Beispiel, ich weiß)

Einfach angenehm

Hörbuch-Qualität muss auch nicht der Maßstab sein, tatsächlich wäre es langweilig, wenn jeder Podcast so nüchtern und trocken klingen würde. Die Messlatte für gute Hörbarkeit liegt hier:

  • Ist die Sprache verständlich und hebt sich von Hintergrundgeräuschen/-Musik ab?

  • Ist die Stimme frei von starken Resonanzen, die womöglich vom Inhalt ablenken (Dröhnen, Quäken, Piepen, S-Laute)?

  • Ist der Klang der Stimme ausgewogen ("muffig" oder "bassig" vs. "flach" oder "zischend")?

  • Sind die Stimmen gleichmäßig in Lautstärke und untereinander balanciert?

Volle Punktzahl für angenehmes Hören, wenn Du jede dieser Fragen mit Ja beantworten kannst!

Zum eigenhändigen Bearbeiten der Stimme mit einem Equalizer kannst Du die folgende Übersicht zu Rate ziehen. Jedes Frequenzband (Einteilung nicht allgemeingültig) hat seine Vor- und Nachteile. Je nachdem, ob ein bestimmter Bereich über- oder unterbetont ist.

Der allgemeine Lautstärken-Pegel für Podcasts liegt übrigens bei -16 LUFS. Du kannst Deine Audiodatei z.B. bei loudness.fm auf dieses Level bringen.

Stimme mit dem Equalizer bearbeiten: Diese Übersicht hilft Dir, Podcast-Fehler bei der Tonbearbeitung zu vermeiden