Das Zytomegalievirus der Maus (MCMV) zählt zur Familie der
Herpesviridae und hat verschiedene Strategien entwickelt, um dem
Immunsystem des Wirts zu entgehen. Einer dieser Mechanismen
beeinflusst die Antigenpräsentation durch MHC-Klasse-I-Moleküle und
wird durch das virale Genprodukt von m152 vermittelt. Dieses
kodiert für ein Glykoprotein von 40 kDa Größe und wird in dieser
Arbeit m152/gp40 genannt. M152/gp40 blockiert den Transport von
MHC-Klasse-I-Molekülen zur Zelloberfläche und erkennt nur Moleküle
der Maus, nicht aber des Menschen. Diese speziesspezifische
Erkennung von MHC-Klasse-IMolekülen ist bisher nur für m152/gp40
bekannt und es wurden daher in der vorliegenden Arbeit
Eigenschaften von MHC-Klasse-I-Molekülen untersucht, welche diese
Speziesspezifität begründen. Es konnte gezeigt werden, dass die
Spezies des gebundenen ß2- Mikroglobulins, sowie die Anzahl der
Glykosylierungen der schweren Kette keinen Einfluss auf die
Erkennung von MHC-Klasse-I-Antigenen durch m152/gp40 haben. Die
Eigenschaft von m152/gp40, MHC-Klasse-I-Moleküle des Menschen nicht
zurückzuhalten, wurde genutzt, um mit Hilfe chimärer
MHC-Klasse-I-Moleküle den Bereich, der von m152/gp40 erkannt wird,
einzugrenzen. Dieser liegt hauptsächlich in der a1-Domäne, weil die
a2- Domäne nur eine schwache Retention bewirkt. Zwar können
MHC-Klasse-I-Moleküle, die nur den luminalen Bereich umfassen, von
m152/gp40 zurückgehalten werden, doch akkumulieren diese im ER und
nicht im „ER-Golgi intermediate compartment“ (ERGIC) / cis-Golgi,
wie Wildtyp-H-2Kb. Es wird diskutiert, ob dies ein Hinweis auf
einen aktiven Transportmechanismus von MHC-Klasse-I-Molekülen aus
dem ER ins ERGIC ist. Neben der Untersuchung der Funktion von
m152/gp40 aufgrund der Expression des Gens allein, wurde der
Einfluss der drei viralen Genprodukte von m04, m06 und m152 auf die
MHC-Klasse-I-Oberflächenexpression mit Hilfe von
MCMV-Deletionsmutanten untersucht. Anhand der Analyse der
Oberflächenexpression verschiedener MHC-Klasse-I-Allele nach
Infektion mit Wildtyp-MCMV oder MCMV-Mutanten konnte gezeigt
werden, dass in MCMV nur m06/gp48 und m152/gp40 die
Oberflächenexpression von MHC-Klasse-IMolekülen reduzieren. Von den
untersuchten Allelen werden H-2Kb und H-2Kk nur schwach
zurückgehalten. Es wurde gezeigt, dass dies auf die Funktion von
m04/gp34 zurückzuführen ist, wobei m04/gp34 generell die Funktion
von m152/gp40 und kaum die Funktion von m06/gp48 behindert. Für
weitere Allele konnte gezeigt werden, dass diese unterschiedlich
stark von den einzelnen viralen Proteinen zurückgehalten werden. So
wird H-2Dd nur von m06/gp48 und m152/gp40 gemeinsam gut
zurückgehalten, wohingegen H-2Db von m152/gp40 alleine gut
zurückgehalten wird. Eine mögliche Rolle der unterschiedlichen
Oberflächenexpression von MHC-Klasse-I-Allelen nach MCMV-Infektion
für die Inhibition von NK-Zellen wird diskutiert.
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