Ein Plädoyer für den Fortschritt

Ein Plädoyer für den Fortschritt

  „In Zukunft werden die Menschen weniger Ze…
9 Minuten

Beschreibung

vor 7 Jahren
  „In Zukunft werden die Menschen weniger Zeit dafür
aufwenden, sich um die Technik zu kümmern (…), denn sie wird
übergangslos sein. Das Web wird einfach da sein. Das Web wird alles
sein und nichts (…)“ (Eric Schmidt, bis 2015 Executive Chairman von
Google).   Im Grunde begann die Diskussion über Sinn, Zweck
und Gefahren der Digitalisierung schon mit dem Aufkommen der ersten
Lochkartenrechner. Mit dem Start des Internet begann dann der
Streit über Vor- und Nachteile, vermeintliche Bedrohungen und
übertriebene Heilserwartungen teils äußerst merkwürdige Blüten zu
treiben.   Cool down!   Das Internet ist nur ein Medium.
Ein Medium ist „(bildungssprachlich) ein vermittelndes Element“ im
weitesten Sinne. Also etwas, das sich in der Mitte befindet. Genau
genommen ist das Internet sogar das Medium schlechthin: Es ist
Medium für andere Medien, es ist das erste Medium, das allen und
jedem offensteht. Damit unterscheidet es sich von den anderen
Medien wie Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehen. Das Internet ist
die Steigerung von allem: Das Internet ist das Medium per se.
  Digitalisierung bedeutet eigentlich nichts anderes, als sich
darauf einzulassen und das Notwendige, das Unvermeidliche zu tun.
  Digitalisierung bedeutet heute nicht mehr nur Rechen- und
Automatisierungsprozesse innerhalb von Betrieben, sondern auch und
ganz besonders die Verbindung und Vernetzung von Menschen und
Unternehmen mit der Außenwelt.   Pros und Contras   Pro:
Gerne wird argumentiert, das Internet sei der wohl demokratischste
Raum, der je existiert hat, weil er global ist und im Prinzip jedem
Menschen auf diesem Planeten zugänglich ist. Von diesem Standpunkt
aus erscheint es sinnlos, Menschen politisch oder wie auch immer
beeinflussen zu wollen. Schließlich können sie sich Informationen
überall und aus unendlich vielen Quellen besorgen und gegeneinander
abwägen.   Contra: Allein schon die Tatsache, dass es sich
beim Internet um ein globales Phänomen handelt, müsste alle, die
von diesem Medium als idealem Nährboden für Demokratie und
Demokratisierungsbewegungen schwärmen, hochskeptisch machen. Wenn
dem nämlich so wäre, würde das bedeuten, dass die Devise „je größer
desto besser“ der Wahrheit entspricht. Und es würde bedeuten, dass
Oligopole oder sogar Monopole anstrebenswerte Ziele sind. Dies
widerspricht aber diametral sowohl dem Demokratiegedanken als auch
dem Prinzip der Marktwirtschaft, weil ja beide ihre Stärken just
aus der Teilhabe auch der kleinen und schwachen Glieder der
Gemeinschaft beziehen.   Pro: Dem kann entgegengehalten
werden, dass Netzwerkeffekte überhaupt nur dann entstehen können,
wenn eine  Mindestanzahl von Usern dieselbe Plattform bzw.
dasselbe Medium benutzt. Es liegt in der Natur der Sache, dass umso
mehr Menschen vom Internet profitieren, je mehr dieselbe Plattform
oder dasselbe Format benutzen. Dies gilt für Emailprovider,
digitale Handelsplätze, Browser, Suchmaschinen und soziale
Netzwerke gleichermaßen. Je mehr User und je größer die daraus
folgenden Netzwerkeffekte, umso größer also die Neigung zu
exponentiellem Wachstum des Netzwerks. Diese Netzwerkeffekte sind
darauf zurückzuführen, dass sich in demselben Ausmaß neue Anwender
finden, wie der Kundenstamm wächst. Wenn die Nachfrage nach dem
Angebot eine kritische Masse überschreitet, kann es dazu kommen,
dass es den gesamten Markt übernimmt. Auf diese Weise entsteht ein
Monopol.   Groß und stark ist gut.   Interessanterweise
hält der Mitbegründer des Internetbezahldienstes PayPal, Thiel,
ausgerechnet diese  Form von Marktführerschaft für einen
Segen: „Wir glauben immer, dass Kapitalismus und Wettbewerb das
Gleiche sind. Aber die großen Kapitalisten der Geschichte haben
einzigartige Unternehmen aufgebaut. Das war so im späten 19.
Jahrhundert mit den Rockefellers, Carnegies und Mellons, und es ist
jetzt so in der Internetrevolution. Google...
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