Warum es zwangsläufig zur Digitalisierung kommen musste

Warum es zwangsläufig zur Digitalisierung kommen musste

Dass es eines Tages zu einer Entwicklung wie der …
10 Minuten

Beschreibung

vor 7 Jahren
Dass es eines Tages zu einer Entwicklung wie der Digitalisierung
käme, war im Grunde schon seit der griechischen Antike absehbar. Es
mag gewagt klingen. Aber es enthält einen wahren Kern. Natürlich
konnte man sich seinerzeit die unglaublichen technischen
Entwicklungen der kommenden Jahrhunderte nicht einmal in den
tollkühnsten Fantasien ausmalen. Allerdings wurde schon im antiken
Griechenland der bis heute geltende Fortschrittsglaube begründet.
Und irgendwie ist es nur folgerichtig, dass sich am Ende eine
Wirtschaftsweise durchsetzen würde, die auf Kommunikation und
nochmals Kommunikation basiert.   Die Vehikel, in denen sich
die menschlichen Möglichkeiten der Kommunikation in perfekter Weise
vollenden, sind digitale Technologien.     Der Sinn
zwischenmenschlicher Kommunikation ist es, Gedanken, Fragen, Ideen
und Erkenntnisse auszutauschen, wobei die Kommunikation immer auf
der Grundlage der Verhältnisse stattfindet, die zu ihrem jeweiligen
Zeitpunkt herrschen. Dass sich in der Renaissance niemand über
Automobile, in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts niemand
über Smartphones unterhalten hat, ist nachvollziehbar.   Worin
wir uns derzeit befinden, wird gemeinhin „Informationszeitalter“,
unsere Gesellschaft „Informations“- oder „Wissensgesellschaft“
genannt.   Ein noch passenderer Begriff dürfte
„Kommunikationsgesellschaft“ sein. Die digitalen Techniken, auf
denen unsere Wirtschaft beruht, sind nämlich nichts anderes als
Kommunikationsmittel, innerhalb derer sich die neuen, individuellen
Kommunikationsformen entfalten.     Wie kam es dazu? Es
lohnt sich, die Sache aus der Nähe zu betrachten.   Träume
sind die Enzyme der menschlichen Evolution. Um sich seine Träume zu
erfüllen und die Sinne zu entfalten, erfindet der Mensch Dinge, die
ihm das Leben erleichtern. Außerdem liegt es in unserer Natur, die
Welt verbessern zu wollen. Insofern ist der momentane Zustand der
Weltgesellschaft nur als vorläufiges Zwischenstadium einer
Jahrtausendelangen Entwicklung zu betrachten. Ein Ende der
Entwicklung wird es, so lange Menschen diesen Planeten bevölkern,
nicht geben.   Ausnahmslos alle technischen Neuerungen haben
die Gesellschaften verändert, in denen sie sich durchsetzen
konnten. Dabei haben die Volkswirtschaften der sich immer mehr zu
digitalen Kommunikationsgesellschaften entwickelnden
Industrieländer Prozesse durchlaufen, die dazu führten, dass sich
der Ort der Wertschöpfung von der Ackerkrume über Maschinen
sozusagen letztendlich in die Cloud verlagerte.   Warum das so
ist? Nun, ohne Kommunikation geht gar nichts. Deshalb gehört es zu
den gängigen Theoremen der Wirtschaftsgeschichte, dass die gesamte
Entwicklung der Menschheit in mehrfacher Hinsicht auf der
Entwicklung ihrer Kommunikationsmittel basiert. Wenn wir dieses
Theorem weiterdenken, kommen wir irgendwann zu dem Ergebnis, dass
sich nach all den technischen Revolutionen quasi zwangsläufig die
am tiefsten im menschlichen Wesen verankerte Dimension durchsetzen
musste: Die Kommunikation. Sie ist nämlich nicht nur Bedürfnis,
sondern schlichte Notwendigkeit. Kommunikation ist Mensch, und
Mensch ist Kommunikation.   Erklärungen für die Ursachen der
langen Entwicklung von der Agrar- bis zur Informationsgesellschaft
liefert die qualitative Kommunikationsforschung. Ihr zufolge
zeichnen sich arbeitsteilige Industriegesellschaften insbesondere
durch ihren hohen Differenzierungsgrad aus.   Der
Systemtheoretiker Niklas Luhmann schrieb zu diesem Thema: „Die
Hauptphasen der gesellschaftlichen Evolution (…) sind markiert
durch Veränderungen in den jeweils dominierenden
Kommunikationsweisen (…) und man kann sagen, dass komplexere
Gesellschaftssysteme, wie immer sie entwicklungsmäßig erreicht
wurden, nicht ohne neuartige Formen der Kommunikation integriert
und erhalten werden konnten“.   Das heißt, dass Eingriffe und
Veränderungen in bestehende...
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