Indien: „Viel Aktionismus rund um das Drama von Bhopal“

Indien: „Viel Aktionismus rund um das Drama von Bhopal“

Beschreibung

vor 9 Jahren
00:03:15:26 Es war der schwerste Industrie-Unfall der Geschichte:
Vor dreißig Jahren trat aus einer Pestizide-Fabrik im indischen
Bhopal giftiges Gas aus, über 3.700 Menschen starben. Im Lauf der
drei Jahrzehnte stieg die Zahl der Toten, die sich mit dem Gift in
Zusammenhang bringen lässt, auf über 15.000 Menschen; mehr als
600.000 Menschen haben bleibende Schäden davon getragen, auch heute
noch sind viele Kinder in Bhopal von Geburt an behindert. Leo
Cornelio ist der Erzbischof von Bhopal. Er sagte im Gespräch mit
uns: „Die Kirche hat sich von Anfang an sehr um Hilfe für die
Betroffenen in der Stadt bemüht. Mein Vorgänger, der damalige
Erzbischof Eugene D´Souza, mobilisierte Ordensleute, Priester und
Laien, dazu viele Freiwillige, die sich um die Kranken und
Sterbenden nach dem Desaster kümmerten. Damals wurden Lager für die
Aufnahme der Betroffenen eingerichtet, medizinische Zentren, vor
allem im Hauptbahnhof und rund um die Fabrik, es wurde Essen
ausgegeben – alles sehr organisiert.“ Die Bilder von damals kann
man sich heute kaum noch vorstellen. Cornelio selbst war damals
Provinzial der Steyler-Missionare in Indore (Zentralindien), nur
vier Zugstunden von Bhopal entfernt. Er erinnert sich: „Die Toten
gingen in die Tausende! Und noch viele weitere Tausende hatten
viele Jahre lang Atemprobleme und ähnliche Leiden. Noch heute
tragen die Kinder dieser Menschen die Konsequenzen, und noch heute
leistet die Kirche Hilfe und Unterstützung. Wir haben mittlerweile
ein soziales Werk, das von Laien und Ordensleuten betrieben wird,
sowie vier Schulzentren für behinderte Kinder. Einige von ihnen
haben Probleme mit dem Sprechen, andere haben Atemschwierigkeiten,
andere hören nicht usw., es sind Hunderte von Kindern. Viele sagen,
dass es wegen dieser Gastragödie vor dreißig Jahren heute so viele
behinderte Kinder in Bhopal gibt.“ Der Erzbischof formuliert da
sehr vorsichtig. Er weiß, wie hoch die Emotionen rund um den
dreißigsten Jahrestag schlagen, mit Demonstrationen und viel
Medienaufmerksamkeit. „Es stimmt, die Gefühle sind noch sehr stark
–aber das Problem ist, dass es noch viel Verwirrung gibt rund um
diese ganze Geschichte. Die Betroffenen sind nicht angemessen
entschädigt worden; die ganze Tragödie ist politisch
instrumentalisiert worden, und besonders bei einem solchen
Jahrestag gibt es immer viel Aktionismus. Zum Beispiel ist heute
Abend eine Filmpremiere über die Tragödie von Bhopal, und ich bin
dazu eingeladen; man sagt, dass auch der Ministerpräsident kommen
wird. Viel Aufmerksamkeit also einerseits, aber andererseits keine
angemessene Entschädigung noch irgendeine Hilfe für die tatsächlich
Betroffenen. Man hat immer wieder Geld versprochen, aber vielleicht
hat dieses Geld dann andere Wege genommen...“ (rv 04.12.2014 sk)

Kommentare (0)

Lade Inhalte...
15
15
:
: