Audio Drei Väter – ein Podcast

  • Kinder sind die größte Veränderung im Leben. Was dies für Mütter bedeutet, wird oft diskutiert. Hier reden die Väter.

    Der aktuelle Download „Die Beziehung: Toller Vater, mieser Freund“ des Drei Väter – ein Podcast ist am 28.05.2019 erschienen.
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Zuerst veröffentlicht
02.09.19 14:39 Uhr
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28.05.19 03:00 Uhr
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  • Michael Kafka (Gast)06.05.20 18:09 Uhr

    Liebe Väter, mein Name ist Michael Kafka, ich bin Gemeindereferent und Familienseelsorger in der Erzdiözese München und Freising, verheiratet und Vater einer Tochter. Mit großem Interesse habe ich einige Folgen Ihres Podcasts angehört. Viele Themen aus meinem Leben sind dabei vorgekommen und ich kann viele Erfahrung, die dabei geschildert wurden bestätigen, habe aber auch meine eigenen Gedanken und Erfahrungen dazu.
    Ich lebe mit meiner Frau, Tochter und Hund in einem kleinen Dorf in Oberbayern. Ich bin in der Nähe aufgewachsen, war in meiner Jugend bei den Pfadfindern aktiv und bin so über Umwege dazu gekommen, mich in der Kirche zu engagieren.
    Meine Frau ist zwar auch in München geboren und wir leben im Haus ihres Großvaters, sie ist aber in Paraguay und Brasilien aufgewachsen und erst als junge Erwachsene wieder nach Oberbayern gekommen.
    Meine Frau ist evangelische Diakonin von der Ausbildung her, arbeitet heute als Sozialpädagogin bei der Stadt Wasserburg am Inn.
    Zu unserer Geschichte: wie viele Paare wünschten wir uns Kinder, am liebsten mehrere, denn ich war Einzelkind und habe stets darunter gelitten, meine Frau hat eine Schwester, mit der sie schon häufig gestritten hat, aber dennoch froh war, sie zu haben.
    Leider kam es anders. Es wollte sich keine Schwangerschaft einstellen. Schließlich ließen wir uns untersuchen und es wurde festgestellt, dass ich zeugungsunfähig bin. Also versuchten wir es mit Kinderwunschbehandlung. Es war eine ziemlich lange und kräftezehrende Prozedur, wurde aber letztendlich zumindest ein Mal belohnt (leider kein zweites Mal. Wir haben es stets mit ICSI probiert, ohne Samenspende, das wäre für uns ethisch nicht vertretbar gewesen).
    Es stellte sich also eine Zwillingsschwangerschaft ein. Leider entwickelte sich aber eines der Zwerge nicht weiter und ging schließlich in der 9. Woche ab. Jetzt war das ganze System in Unruhe geraten, so dass meine Frau fast die ganze Schwangerschaft im Liegen verbrachte. Schließlich kam sie ins Krankenhaus. Nach zwei Wochen rutschte sie im Bad aus, es folgte eine Plazentaablösung, Notkaiserschnitt, Frühgeburt in der 27. Woche mit 33 cm und 620 Gramm.
    So hatten wir uns das alles nicht vorgestellt.
    In der Klinik durften wir Gott sei dank schon viel mitmachen. Schon am zweiten Tag durfte ich die Kleine auf die Brust bekommen (meine Frau lag noch auf Intensiv), wir durften sie versorgen und wuchsen so in den Alltag mit Kind gut betreut hinein.
    Während des Klinikaufenthaltes von vier Monaten hatte die kleine Kämpferin 3 Lungenentzündungen, Gelbsucht, eine schwere Operation am Duktus (ein Gefäß zwischen Herz und Lunge, das normalerweise von selber zugeht, musste mechanisch geschlossen werden), mehrere andere Sepsen, die wir nicht so ganz mitbekommen haben usw.
    Es wurde natürlich versucht, sie möglichst gut aufzupäppeln, aber sie hat immer zu wenig getrunken bzw., wenn wir sie über die Magensonde gefüttert haben, immer wieder gespuckt. Es wurde alles versucht, aber sie schaffte einfach nicht die Menge an Nahrung, die sie hätte aufnehmen sollen. Bis dann ein findiger Arzt recherchiert hat und herausfand, dass es wohl an einem Kleinwuchs – Syndrom liegen müsse, dem sogenannten Silver-Russel Syndrom.
    Wir sind in der Zeit nach der Klinik durch viele Therapien gegangen, essen war immer ein Thema. Seit sie vier Jahre alt ist bekommt unsere Tochter Wachstumshormone, was sehr gut wirkt, sie ist heute fast so groß wie ihre Klassenkameradinnen.
    Nach der Klinikzeit stand die Entscheidung im Raum: wer bleibt zu Hause. Ich hatte immer gesagt, dass ich auch einen Teil Elternzeit übernehmen würde. Meine Frau war zu diesem Zeitpunkt mehr als ein Jahr auf sich selber zurückgeworfen und nicht mehr in der Arbeit gewesen. Just in dieser Situation bekam sie ein Angebot für eine neue Stelle. Ich dagegen war ständig hin und her gerissen zwischen Arbeit, zu Hause und Klinik und sehnte mich nach einem festen Ort, etwas, auf das ich mich allein konzentrieren konnte. Somit war die Entscheidung gefallen, ich blieb insgesamt 2 Jahre und 3 Monate zu Hause und war klassischer Hausmann, also das volle Programm. Meine Frau war Hauptverdienerin mit Schichtdienst, da blieb nicht viel Zeit, um im Haushalt zu helfen.
    Finanziell war es nach dem Wegfall des Elterngeldes ein Drahtseilakt. Mit Unterstützung aus der Familie und ein paar kleinen Einkünften aus Ehevorbereitungskursen und kleinen Einheiten in Berufsschulen, die ich machte, schafften wir das aber auch.
    Ich habe von diesen Jahren so sehr profitiert, ich kann es nur jedem raten, das zu erleben. Neben dem, dass man ein Kind aufwachsen sieht und dieses Wunder erleben kann, war es auch beruflich für mich von Vorteil. Das ist ein Punkt, den ich immer wieder anmerke, es wird immer behauptet, dass man aus dem Beruf raus ist und dann wieder neu anfangen muss. So ein Schmarrn sag ich da auf gut bayrisch. Ich habe so viel gelernt in Sachen Arbeitsorganisation, Selbstorganisation, Durchhaltevermögen, Strukturiertheit. Jede Firma könnte von Arbeitnehmern profitieren, wenn sie diese Erfahrungen für die Arbeitswelt nutzbar machen würde, indem diese gezielt reflektiert und auf die Arbeitssituation übertragen werden. Das wäre mal ein Thema für die Familienministerien!
    Es kam nun die spannende Frage: wie fülle ich meine Rolle als Hausmann und Vater aus? Vorbilder hatte ich keine. Mein Vater war ein Kriegskind, Jahrgang 1940, den habe ich kaum wahrgenommen, konnte also nur eine Negativfolie sein. Mir ist erst später bewusst geworden, was das heißt, nämlich dass schon eine Generation vor uns Schwierigkeiten hatte, eine Vaterrolle zu entwickeln. So waren die einfach raus.
    Ich konnte also nur sagen: ich will alles anders machen. Also gestaltete ich meine Rolle völlig unbefangen selber. Ich war in der Krabbelgruppe und beim Babyschwimmen, beim Kinderturnen und später dann in der Krippe bei der Eingewöhnung (als Einzelkind in einem Haus weit ab vom Schuss brauchte unsere Tochter andere Kinder um sich herum, deshalb haben wir sie mit knapp 2 Jahren zwei Tage die Woche in die Krippe gegeben) war ich immer der einzige Mann. Aber ich hatte kein Problem damit und auch die anderen Mütter nicht. Im Gegenteil, ich glaube es tat der Krabbelgruppe z. B. ganz gut, dass ein „andersartiges“ Gegenüber da war, das manchmal ein wenig Ruhe reingebracht hat.
    Und ich hatte kein Problem mit den Frauenthemen, auch wenn ich nicht bei allem mitreden konnte. Ich muss nicht immer reden, deshalb hab ich auch viel zugehört und dabei viel verstehen gelernt.
    Nicht zuletzt hab ich mich auch mit meinen Themen eingebracht und so haben wir uns, denke ich, gut ergänzt. Es hat auch niemand thematisiert, warum jetzt ich zu Hause bin, es war einfach selbstverständlich. Vielleicht aber auch, weil ich so selbstverständlich da war und nie irgend etwas besonderes aus mir gemacht habe.
    Bei der Eingewöhnung in die Krippe hatte ich auch kein Problem. Nach zehn Minuten am ersten Tag fragte meine Tochter, warum ich eigentlich noch da bin, ich könne doch jetzt gehen.
    Heute ist unsere kleine Große in der 2. Klasse, spielt Fußball und macht Leichtathletik. Als Frauenfußballfan habe ich sie schon als ganz kleine mit ins Bayern - Stadion genommen. Und da muss ein bisschen was übergesprungen sein. Bei unserem Fußballverein spielt sie mit den Jungs zusammen. Es sind aber auch noch vier weitere Mädchen dabei.
    Wir haben schon darauf geachtet, sie klischeefrei zu erziehen, was aber nur teilweise gelungen ist. Sie spielt gerne mit Autos aber auch mit Puppen, hatte eine Elsa - Phase, liebt aber auch Feuerwehr und Polizei spielen mit Playmobil. Da hat sie extra einen Feuerwehrmann und einen Polizisten "umgebaut", also lange Haare gegeben, weil da müssen ja auch Frauen dabei sein.
    Sie ist sehr selbstbewusst, nicht die beste Schülerin, kommt aber gut mit. Etwas Frühchen - spezifische Unruhe hat sie schon, ich würde aber nicht so weit gehen, ihr ADHS zu diagnostizieren. Mit viel Bewegung als Ausgleich geht es ganz gut, sie bei der Stange zu halten.
    Zur Zeit versuchen wir, die Corona – Home – School Zeit zu bewältigen, was nicht besonders einfach ist. Aber ich habe viel Zeit, Podcasts zu hören und lange E-Mails zu schreiben.
    In diesem Sinne, alles Gute, bleiben Sie gesund,

    Herzliche Grüße, Ihr Familienseelsorger

    Michael Kafka



    E-Mail: mkafka@ebmuc.de

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