Niemand sagt dir, was du verlierst, wenn du dich veränderst

Niemand sagt dir, was du verlierst, wenn du dich veränderst

vor 1 Monat
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Podcast
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Nie ganz von hier. Nie ganz von dort. Ich schreibe über das was zwischen den Plänen passiert — über Identität, Tiefe und die stillen Momente die uns mehr zeigen als alle großen Entscheidungen

Beschreibung

vor 1 Monat

Alle reden über das, was du gewinnst, wenn du an dir arbeitest.


Klarheit. Selbstvertrauen. Gesündere Beziehungen. Ein Leben, das
sich richtig anfühlt. Das sind die Versprechen, überall — in
Büchern, auf Instagram, in gut gemeinten Gesprächen. Und sie sind
nicht falsch.


Aber es gibt etwas, das ich selbst lange nicht sehen wollte, weil
es sich so viel komplizierter anfühlt als alles, was sich in
einem Zitat zusammenfassen lässt: Wenn du dich wirklich
veränderst, verlierst du Dinge. Manchmal Menschen. Manchmal
Versionen von dir selbst, an denen du gehangen hast, ohne es zu
merken. Manchmal das Gefühl, irgendwo dazuzugehören.


Ich habe in den letzten Jahren viel über mich verstanden. Warum
ich bestimmte Dynamiken immer wieder anzog. Warum ich in manchen
Beziehungen klein wurde, obwohl ich das gar nicht wollte. Warum
ich Erschöpfung so lange als Normalzustand akzeptiert hatte, dass
ich erst gar nicht merkte, wie erschöpft ich wirklich war.


Das Verstehen hat mir echte Orientierung gegeben. Echten Boden.


Aber es hat mir auch etwas genommen.


Alte Freundschaften, die plötzlich ein Gewicht hatten, das ich
vorher nicht spürte. Gespräche, in denen ich früher mitgegangen
wäre, die mir jetzt innerlich fremd sind. Das vertraute Gefühl,
in einer bestimmten Rolle zu sein — die Starke, die Verlässliche,
die, die immer da ist — das plötzlich weggefallen ist, weil ich
aufgehört habe, sie zu spielen.


Und das Merkwürdige daran: Es fühlt sich nicht immer wie
Befreiung an. Manchmal fühlt es sich einfach einsam an.


Es gibt einen Moment im Wachstum, über den kaum jemand spricht.
Der Moment, in dem du merkst, dass du nicht mehr zurück kannst.
Nicht in die alte Beziehung. Nicht in die alte Version von dir.
Nicht in das Gespräch, das ihr früher geführt habt, weil es dir
dort nicht mehr reicht.


Du hast dich verändert. Die Welt um dich herum hat es nicht im
gleichen Tempo getan.


Das erzeugt eine Art stille Fremdheit. Du bist noch da, du liebst
diese Menschen noch, du erinnerst dich noch genau daran, warum
sie dir wichtig sind. Aber irgendetwas passt nicht mehr — und du
kannst es niemandem erklären, ohne zu klingen, als würdest du
dich für besser halten. Das tust du nicht. Du bist nur woanders.


Ich glaube, das ist einer der einsamsten Orte, die es gibt: zu
wachsen, ohne dass jemand in deiner unmittelbaren Nähe versteht,
was das bedeutet. Diesen Zwischenraum zu bewohnen, in dem das
Alte nicht mehr passt und das Neue noch nicht vollständig da ist.


Was ich daraus gelernt habe: Dieser Zwischenraum ist nicht der
Preis für Wachstum. Er ist Teil davon.


Wir tun oft so, als sei persönliche Entwicklung ein Übergang vom
beschädigten zum heilen Selbst — eine saubere Bewegung von A nach
B, mit klarer Richtung und sichtbarem Ergebnis. Aber in Wahrheit
ist es eher ein Umbau bei laufendem Betrieb. Du wohnst in dem
Haus, das du gerade umbaust. Manchmal fehlen Wände. Manchmal ist
es zugig. Manchmal weißt du nicht, wo du heute Nacht schlafen
sollst.


Und gleichzeitig: Du baust nicht, weil dein Haus schlecht war.
Du baust, weil du gemerkt hast, dass du größer geworden
bist als die Räume, die du dir früher eingerichtet hast.


Das ist keine schöne Wahrheit. Aber es ist eine, die ich lieber
früher gehört hätte.


Dass es okay ist, Klarheit zu haben und trotzdem
zu trauern. Dass Grenzen ziehen und sich
schuldig fühlen gleichzeitig passieren kann. Dass du etwas als
richtig erkennen und trotzdem um das weinen kannst, was dafür
weggeht.


Ich sage das nicht, um dich zu warnen. Und auch nicht, um dich zu
beruhigen.


Ich sage es, weil mir in der ganzen Zeit, in der ich mich
verändert habe, niemand vorher gesagt hat, dass Wachstum sich
manchmal wie Verlust anfühlt. Und dass das nicht bedeutet, dass
du es falsch machst.


Manchmal bedeutet es einfach, dass du es wirklich
machst.​​​​​​​​​​​​​​​​


- Liebe Grüße aus den Gärten der Welt (Berlin)


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