Was die Chirurgie von Laborschafen lernt

Was die Chirurgie von Laborschafen lernt

Das AO Zentrum Davos ist in der Forschung zur Heilung von Knochenfrakturen seit Jahrzehnten weltweit führend. Neu wächst am Institut eine in Europa einzigartige Schafherde heran. Forschende geben «Einstein» Einblick ins Spannungsfeld zwischen Spitzenf ...
30 Minuten

Beschreibung

vor 2 Monaten
Das AO Zentrum Davos ist in der Forschung zur Heilung von
Knochenfrakturen seit Jahrzehnten weltweit führend. Neu wächst am
Institut eine in Europa einzigartige Schafherde heran. Forschende
geben «Einstein» Einblick ins Spannungsfeld zwischen
Spitzenforschung und neuen Standards bei Tierversuchen.
Unfallchirurgie neu erfunden In den 60er-Jahren setzten 13
Schweizer Ärzte die ganze Unfallchirurgie auf den Kopf. Damals
wurden Knochenbrüche lediglich eingegipst und über Monate
ruhiggestellt. Sie aber wollten operieren und gründeten die AO
Foundation und waren erfolgreich. Sie standardisierten Instrumente
und Schrauben, werteten jede Operation wissenschaftlich aus und
schulten Chirurgen. So gelang es ihnen, weltweit neue Standards für
die Operation von Knochenbrüchen zu setzen. AO setzt weltweite
Standards Es gibt kaum ein Chirurg oder eine Chirurgin, die ihr
Handwerk nicht bei der AO in Davos gelernt haben oder sich dort
weiterbilden lassen. Kaum ein neues Implantat oder eine Schraube,
die nicht am Institut entwickelt oder getestet worden sind. Global
vernetzt ist die AO bei der Forschung und Heilung von
Knochenfrakturen und Krankheiten des Bewegungsapparats weltweit
führend. Die «Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen» ist eine
Stiftung und forscht nicht gewinnorientiert. Tierversuche laufend
reduzieren 161 Mäuse, 51 Ratten, 86 Hasen und 43 Schafe. Mit dieser
Anzahl Tiere wurden 2021 an der AO Studien durchgeführt. Dennoch
gilt bei der AO das «Drei R»-Prinzip «replace, reduce, refine» –
also ersetzen, reduzieren, verbessern. Experimente und Vorstudien
finden per Computermodell, mit Zellkulturen im Labor und mittels
sogenannter Bioreaktoren statt. Das Fernziel der AO Forschenden
ist, eines Tages ganz ohne Tierversuche auszukommen. Einzigartiger
Labor-Schafstall Die AO nahm im August 2021 einen Stall mit
sogenannten SPF-Schafen in Betrieb. Die Tiere sind «spezifisch
pathogen frei» und in diesem Sinne frei von bestimmten
Krankheitserregern. Damit wollen die Forschenden sicherstellen,
dass bei Studien keine versteckten Krankheiten ausbrechen, die die
Ergebnisse verfälschen könnten. Die SPF-Herde soll von heute 50 auf
etwa 200 Tiere wachsen. Sie werden von konventionellen Schafen
getrennt und hinter Schleusen gehalten.

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