Juliane Marie Schreiber: Gegen den Terror des Positiven – Literaricum 2022

Juliane Marie Schreiber: Gegen den Terror des Positiven – Literaricum 2022

Ihr Buch trägt den Titel von Bartlebys berühmten Satz: »Ich möchte lieber nicht – Eine Rebellion gegen den Terror des Positiven«. Die Autorin Juliane Marie Schreiber erläutert, warum die Suche nach Glück oft unglücklich macht.
21 Minuten
Podcast
Podcaster
Der literarische Treffpunkt im Internet - Interviews, Tipps und akustische Eindrücke aus der Welt der Bücher und Hörbücher. Für Leser und Autoren.

Beschreibung

vor 4 Monaten
Früher war es ein Beutel Kamillentee, heute ist es »Zeit für eine
Tasse Gelassenheit«. Selbst Produkte versprechen uns mittlerweile
ein glückliches Leben. Diese Glücksversprechen beim Produktkauf
seien die Folge des neoliberalen Denkens, sagt die Politologin
Juliane Marie Schreiber. Demnach sei nicht der Staat, nicht die
Gesellschaft gefragt, nein, wir selbst werden aufgefordert,
beständig an unserem Glück zu arbeiten. Wer unglücklich ist, sei
selbst daran schuld. Wir müssen uns optimieren und notfalls von
einem »Glückscoach« auf positive Pfade bringen lassen. Bereits vor
Jahren verkündete der Bestseller »Das Geheimnis« von Rhonda Byrne,
wer arm oder krank sei, habe leider nicht positiv genug gedacht.
Dieser Weltbestseller sei gefährlich und unwissenschaftlicher
Humbug, sagt Schreiber im Gespräch. Glück werde heute als
Normalzustand definiert, der es jedoch gar nicht sei. Leid und
Schmerz gehören zur menschlichen Existenz. Auch Schimpfen und
Fluchen könne durchaus helfen. So können andere feststellen, dass
vieles kein individuelles Problem ist, sondern ein allgemeines, das
man dann gemeinsam lösen kann. Bartlebys »Ich möchte lieber nicht«
(Text und Hörbuch hier zum Download) wurde in jüngster Zeit vom
Philosophen Slavoj Žižek positiv gedeutet. Doch Bartleby, sagt
Juliane Marie Schreiber, sei nur bedingt Vorbild, da er die
Verweigerungshaltung ad absurdum führe. Am Anfang sei er noch eine
autonome Figur und durchaus Vorbild, am Ende habe er dies jedoch so
konsequent umgesetzt, dass er daran sterbe. Hören Sie das
ausführliche Gespräch mit Juliane Marie Schreiber, das Wolfgang
Tischer am Rande des Literaricum Lech geführt hat, im Podcast des
literaturcafe.de. Nutzen Sie den Player unten auf dieser Seite. Der
Podcast des literaturcafe.de ist zudem auf allen Portalen wie Apple
iTunes, Spotify oder Deezer zu hören und zu
abonnieren. So verpassen Sie künftig keine Folge mehr.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...
15
15
:
: