Einmal Täter, immer Täter?

Einmal Täter, immer Täter?

Wieso werden Menschen kriminell? Wie bringt man sie zurück auf den rechten Weg? Und was tun, wenn sie unbelehrbar sind? Diesen Fragen geht Mona Vetsch nach.
1 Stunde 25 Minuten

Beschreibung

vor 2 Monaten
Wieso werden Menschen kriminell? Wie bringt man sie zurück auf den
rechten Weg? Und was tun, wenn sie unbelehrbar sind? Diesen Fragen
geht Mona Vetsch nach. Giorgio kam als 3-Jähriger ins Kinderheim –
der Anfang einer Odyssee durch verschiedene Institutionen und
Pflegefamilien. Er war schon früh verhaltensauffällig und tat sich
schwer damit, Regeln einzuhalten. Als Jugendlicher beging er
Bagatelldelikte. Als Volljähriger wurde er zum Serieneinbrecher und
verbrachte insgesamt fast zehn Jahre im Gefängnis. Heute ist er
dreissig Jahre alt und seit einem halben Jahr auf freiem Fuss.
Arbeit hat er noch nicht gefunden. Er hofft auf eine
Musik-Karriere. Giorgio möchte unter dem Künstlernamen «Scorp808»
Hip-Hop-Star werden. Und wie gross ist die Chance, dass er wieder
kriminell wird? «Gering», antwortet er auf Mona Vetschs Frage. «Ich
bin älter geworden und kann mir nicht vorstellen, wieder einbrechen
zu gehen. Ich habe so viel Zeit verschwendet im Gefängnis. Das will
ich nicht mehr.» Hansueli Gürber kennt solche Fälle. Gürber wurde
zum wohl bekanntesten Jugendanwalt der Schweiz, weil er den
sogenannten «Fall Carlos» betreute. Dass er diesen Fall 2013 in
einem «Reporter»-Film publik machte, bereut er heute. Er habe die
Brisanz eindeutig unterschätzt. «Der grösste Teil der Arbeit eines
Jugendanwaltes sind Bagatell-Sachen», erzählt der inzwischen
pensionierte Gürber Mona Vetsch. «Töffli-Geschichten oder ein
einmaliger Ladendiebstahl.» Aber es gibt auch schwerere Fälle: zum
Beispiel jugendliche Gewalttäter. «Da muss man sicher mit
Sanktionen arbeiten», sagt Gürber, «aber man muss das Gewaltproblem
auch mit dem Jugendlichen diskutieren. Das Strafen allein nützt
nichts.» Vielmehr gehe es in der Regel darum, den Jugendlichen eine
Perspektive zu vermitteln. «Das ist für mich auch der zentrale
Grund von Jugenddelinquenz: Es hat viele Jugendliche, die sich als
grosse Verlierer sehen.» Wer die Kurve nicht bekommt, der landet
irgendwann in einem Gefängnis wie der JVA Thorberg. Hans-Rudolf
Schwarz, der Direktor des Thorberg, antwortet auf die Frage, wieso
Menschen kriminell werden: «Das ist so verschieden wie die
Lebenswege. Gewisse sind durch alle sozialen Maschen gefallen. Die
haben das Elternhaus verlassen, die Schule und die Lehre
abgebrochen. Und dann sind sie in Kontakt mit Drogen gekommen.»
Andere seien Persönlichkeiten, die meinten, sie könnten 100'000 pro
Monat verdienen. Weiter gebe es Illegale, die kein Einkommen hätten
und darum kriminell würden. Und schliesslich auch Menschen mit
psychischen Krankheiten.

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