SWR Bestenliste Juli/August

SWR Bestenliste Juli/August

1 Stunde 12 Minuten
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Beschreibung

vor 1 Monat
Aus der Bestenliste-Jury diskutieren die Literaturkritiker*innen
Jutta Person, Daniela Strigl und Denis Scheck über Bücher von
Stefan Hertmans, Marie Gamillscheg, Fiston Mwanza Mujila und Ursula
Krechel. Schon beim ersten Buch des Abends mit den vier
ausgewählten Büchern der SWR Bestenliste für den Juli und August
wurden unterschiedliche Perspektiven auf Literatur deutlich: Stefan
Hertmans Roman „Der Aufgang“ handelt von dem flämischen
Kollaborateur und SS-Mann Wilhelm Verhulst, der seine Landsleute an
die Deutschen verriet. Während sich die Runde in der ausverkauften
Kakadu-Bar, die zum Staatstheater in Mainz gehört, darin einig war,
dass der Autor ein eher unbekanntes Kapitel in der belgischen
Geschichte lehrreich beschreibt, kritisierte Bestenliste-Jurorin
Daniela Strigl doch die literarische Umsetzung des Werks. Auch
Jutta Person bemängelte die klischierten Darstellungen insbesondere
der Mutterfigur, während Denis Scheck die schillernde Hauptfigur
hervorhob und darauf verwies, dass der radikale Schwärmer Verhulst
nicht nur ein schlimmer Ehemann und wilder Fremdgänger war, sondern
ausgerechnet neben seiner früh verstorbenen jüdischen Geliebten
beerdigt werden wollte. Uneins war sich das Jury-Trio auch in der
Bewertung von Marie Gamillschegs Roman „Aufruhr der Meerestiere“:
Scheck wollte mehr über die Meerwalnuss hören, das Forschungsobjekt
der Protagonistin. Die eingebaute Vater-Tochter-Geschichte nannte
er hingegen „langweilig“, während Strigl bemerkte, sie habe mehr
über diese Rippenquallenart erfahren, als sie jemals zu hoffen
wagte. Ein großes Jurylob erhielt Schriftsteller Fiston Mwanza
Mujila für seinen zweiten Roman „Tanz der Teufel“, einem rasanten
Portrait der Diamantenschürfer und Straßenkinder im Grenzgebiet von
Angola und Zaire – nur Moderator Carsten Otte meinte, der Text
wirke an manchen Stellen, als habe der Autor den Überblick über
sein erzählerisches Material verloren. Einhellige Begeisterung gab
es zum Schluss für Ursula Krechels Essayband „Gehen. Träumen.
Sehen. Unter Bäumen.“, weil die Autorin, wie Jutta Person
ausführte, die unterschiedlichsten Themen, nämlich von Casanova bis
zur Apfelzucht, nicht nur auf kluge, sondern auch gewitzte Weise
behandele. „Das ist die ideale Strandlektüre!“, erklärte Denis
Scheck, wobei Strigl konterte, das käme auf den Urlaubsort an und
man müsse das umfangreiche Werk auch nicht in einem Rutsch lesen.
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