Nicht ohne meinen Zwilling

Nicht ohne meinen Zwilling

Samuel hat das Down-Syndrom, seine Zwillingsschwester Virginie nicht. Die beiden wohnen zusammen mit Virginies Familie unter einem Dach. In drei Monaten erwartet sie ihr zweites Kind. Wie organisiert sich das aussergewöhnliche Geschwisterpaar im Alltag?
33 Minuten

Beschreibung

vor 3 Monaten
Samuel hat das Down-Syndrom, seine Zwillingsschwester Virginie
nicht. Die beiden wohnen zusammen mit Virginies Familie unter einem
Dach. In drei Monaten erwartet sie ihr zweites Kind. Wie
organisiert sich das aussergewöhnliche Geschwisterpaar im Alltag?
Bis vor zwei Jahren lebte Samuel in verschiedenen betreuten
Institutionen. Der 32-Jährige war unglücklich und aggressiv, bekam
Medikamente zur Beruhigung. Darum entschied sich Virginie, ihren
Zwillingsbruder zu sich zu nehmen. Schon immer habe sie sich für
Samuel verantwortlich gefühlt. Ihre Eltern Rose-Marie und Emmanuel
Bickit waren bei der Geburt überrascht: «Diskordante
Down-Syndrom-Zwillinge» – ein äusserst seltenes Phänomen. In der
Schweiz gibt es schätzungsweise eine Handvoll. «Für mich war es ein
Schock. Ich dachte, Zwillinge … da ist alles in Ordnung.», sagt
Rose-Marie Bickit. Um beiden gerecht zu werden, kämpften die Eltern
der Zwillinge bei den Behörden, sodass auch Samuel in eine
Regelklasse konnte. Samuel arbeitet vier Tage pro Woche in einer
Stiftung im Gartenbereich. Sein Betreuer Börge Pietschmann steht
dem Zusammenleben von Virginie und Samuel kritisch gegenüber:
«Samuel ist ein erwachsener Mann. Er sollte eine Wohngruppe haben,
ein eigenes Zuhause. Einen Ort, wo er mehr Abstand zur Familie
hat.» Die hochschwangere Virginie arbeitet drei Tage pro Woche als
Lehrerin. Zusätzlich ihrem einjährigen Sohn Marvin gerecht zu
werden, ihrem Zwillingsbruder Samuel und auch noch sich selbst: ein
tagtäglicher Spagat. Wie lange kann das gut gehen? Immer wieder
steht zur Diskussion, Samuel aus der Familie zu nehmen. Virginie
macht sich Gedanken über den weiteren Verlauf ihrer Beziehung zu
ihrem Zwillingsbruder. «Nicht ohne meinen Zwilling» ist eine
spannende Reportage über das Zusammenleben, Grenzen der Integration
und die Frage, wie viel Nähe und Distanz ein Mensch braucht, um
glücklich zu sein.

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