Spätschicht auf dem Notfall – Der ganz normale Wahnsinn

Spätschicht auf dem Notfall – Der ganz normale Wahnsinn

Kopfverletzung nach Treppensturz, häusliche Gewalt, Patient mit Aggressionspotenzial: Die Notfallcrew des Unispitals Zürich muss täglich mit allem rechnen. «Reporter» ist bei einer Spätschicht dabei.
33 Minuten

Beschreibung

vor 4 Monaten
Kopfverletzung nach Treppensturz, häusliche Gewalt, Patient mit
Aggressionspotenzial: Die Notfallcrew des Unispitals Zürich muss
täglich mit allem rechnen. «Reporter» ist bei einer Spätschicht
dabei. «Eine Notfallmedizinerin muss schnell entscheiden können»,
sagt Oberärztin Aline Herzog. Seit sieben Jahren arbeitet sie in
der Notfallstation des Universitätsspitals Zürich. Arbeitskollege
Christian Tek, der in der Pflege arbeitet, ergänzt: «Gute Nerven
sind von Vorteil und dass man es gerne hektisch hat.» Noch während
der Übergabe von der Früh- zur Spätschicht kommt ein dringender
Fall rein: Treppensturz eines älteren Mannes. Er blutet stark und
wird von oben bis unten abgecheckt. Ein beinahe identischer,
allerdings weit schlimmerer Fall wird kurz darauf mit der Rega
eintreffen. Über 45'000 Patientinnen und Patienten behandelt das
Team der Notfallstation der Uniklinik pro Jahr. Dreieinhalb Stunden
dauert im Schnitt eine Abklärung, nach viereinhalb Stunden werden
die Patientinnen und Patienten entlassen oder auf die Bettenstation
verlegt. Der Notfall platzt aus allen Nähten. Corona hat die
Situation zusätzlich verschärft. «Es ist ein Stressjob, doch wir
sind ein gutes Team», sagt Aline Herzog. Für die Notfallstation
verantwortlich ist Dagmar Keller. Sie lebt eine Führungskultur, die
nicht der Norm am Unispital entspricht. «Im Gegensatz zu anderen
Abteilungen ist bei uns die Hierarchie flach. Wir sind alle per Du
miteinander», sagt die Direktorin des Instituts für Notfallmedizin.
Ihre einfache Begründung dafür: «Wir müssen gemeinsam Patienten
reanimieren, da haben Eitelkeiten keinen Platz.» Ein Fall von
häuslicher Gewalt, eine stark betrunkene, suizidale junge Frau, ein
potenziell hoch aggressiver Mann, bewacht von einer Spezialeinheit
der Polizei – all diese Menschen werden an diesem Abend Anfang Mai
2021 vom Notfallteam des Unispitals erstabgeklärt und behandelt.
«Ein normaler Abend», bilanziert die Ärztin Aline Herzog. Was ihnen
auf dem Notfall begegne, sei ein Spiegel der Gesellschaft.
Erstausstrahlung 19. Mai 2021

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